-1.3 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Zahl der Schusswaffen in Sachsen stieg in den ersten fünf Monaten um 2.397 und auch Kleine Waffenscheine wurden eifrig nachgefragt

Mehr zum Thema

Mehr

    Schon 2015 war der Effekt abzusehen, den die zunehmende Radikalisierung der öffentlichen Stimmung in Sachsen haben würde: Wenn schon verbal Kriegszustand ist, dann versuchen auch mehr Menschen in den Besitz einer Waffe zu kommen. Damals nutzte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Valentin Lippmann, die Gelegenheit, um die Zahlen zum Waffenbesitz von der sächsischen Landesregierung zu bekommen.

    Im Ergebnis konnte er verschiedene Dinge feststellen. Einerseits natürlich die Zunahme der privat angeschafften Waffenarsenale (über den illegalen Waffenbesitz hat ja niemand irgendeine Statistik), zum Zweiten natürlich den sichtbaren Versuch von immer mehr Bürgern, auch eine waffenrechtliche Erlaubnis zu bekommen. Und sichtbar wurde auch, dass die entsprechenden Kontrollämter der Kommunen nur über einen sehr überschaubaren Stamm von Kontrolleuren verfügen. Daran hat sich auch 2016 nichts geändert, wie Lippmanns neuerliche Anfrage bei der Staatsregierung ergab.

    Ein bestimmter Teil der Sachsen kauft emsig weiter Waffen. Allein von Dezember 2015 bis Mai 2016 stieg die Zahl der registrierten Schusswaffen von 142.812 auf 145.209. Das sind zusätzliche 2.397 Waffen, die irgendwo in Waffenschränken stehen oder zur Jagd mitgeschleppt werden. Die meisten Waffen sind übrigens in den Landkreisen registriert, wo die größeren Jagdreviere zu finden sind: 17.525 etwa im Erzgebirgskreis, 13.666 im Landkreis Bautzen oder 13.121 im Vogtlandkreis. Im Landkreis Görlitz sind es hingegen nur 9.566 Schusswaffen – wobei einiges für die Vermutung steht, dass eventuell die Waffe dabei sein könnte, mit der dort immer wieder Wölfe geschossen werden.

    Aber nicht nur in den Landkreisen rüsten die Jäger auf. Auch in Leipzig ist der Waffenbestand weiter gestiegen: von 8.071 im Dezember auf 8.194 im Mai. Gleichzeitig nahm auch hier die Zahl der Schusswaffenbesitzer zu – von 1.563 auf 1.589. Noch deutlicher aber stieg die Zahl der Personen mit einer waffenrechtlichen Erlaubnis: von 2.756 auf 3.340. Da bestätigt sich eindeutig Lippmanns Vermutung aus dem Herbst, dass immer mehr Sachsen versuchen, diese Prüfung zu machen. Ob die dann eifrig in Sportvereinen unterwegs sind? Das kann keiner sagen. Das wird statistisch nicht erfasst.

    Dass aber auch eine gehörige Portion Bangemache mitspielt, wenn Menschen versuchen, sich zu bewaffnen, macht die Statistik zu den Kleinen Waffenscheinen sichtbar. Denn die erwirbt man, wenn man keine echten Schusswaffen erwerben und auch keine Schießprüfung ablegen möchte, aber eine von den handelsüblichen Signal-, Reizgas- oder Schreckschusswaffen mit sich führen möchte. Und es fällt schon auf, wenn in einer Stadt wie Leipzig binnen fünf Monaten die Zahl der Kleinen Waffenscheine von 1.278 auf 1.848 steigt. In den anderen sächsischen Kreisen ist die Steigerungsrate ganz ähnlich.

    Hartnäckig hat Lippmann aber auch wieder nachgefragt: „Wie viele Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden seit Anfang 2016 nach welchen waffenrechtlichen Tatbeständen mit welchem Ergebnis eingeleitet?“

    Und wieder bekam er darauf – wie schon 2015 – die Antwort: Das wird in Sachsen nirgendwo erfasst. „Angaben zur Anzahl der in Bezug auf waffenrechtliche Tatbestände eingeleiteten Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren und deren Ergebnissen unterliegen keiner, insbesondere keiner einheitlichen statistischen Erfassung.“

    Da geht dann wahrscheinlich nur der arglose Bürger davon aus, dass Schusswaffengebrauch bei Straf- und Ordnungswidrigkeiten besonders vermerkt wird und (bei Missbrauch) das Waffenarsenal des Besitzers beschlagnahmt wird.

    Die Anfrage von Valentin Lippmann zu Waffen in Sachsen. Drs. 5404

    Mehr zum Thema auf L-IZ.de:

    In eigener Sache

    Dein Leipzig. Deine Zeitung. Deine Entscheidung. Werde Unterstützer!
    Viele gute Gründe gibt es hier.
    Überzeugt? Dann hier lang zum Kombi-Abo „LZ & L-IZ.de“ für 59,50 EUR/Jahr

    Topthemen

    2 KOMMENTARE

    1. Waffen haben in privaten Haushalten einfach nichts zu suchen. Eine Waffe hat man nicht zum diskutieren, sondern zum schiessen. Und wenn man damit schiesst, verpasst man im ungünstigsten Fall irgendwem ein Loch. Wie kann es erlaubt sein, seine Mitmenschen zu durchlöchern? Und da dieses sehr wahrscheinlich nicht erlaubt ist – wozu dann Waffen im Haus? Sportschützen müssen ihre Waffen nicht zu Hause anhimmeln, die kann man auch im Club in den Tresor schliessen.
      Die allgemeine Stimmung wird immer aggressiver, viele haben nicht mal ihre eigenen Fäuste unter Kontrolle. Nicht nur Flüchtlinge, auch Polizisten und sogar Sanis werden immer öfter bedroht, was passiert wohl, wenn in so einer aufgeputschten Stimmung irgendwer eine Waffe zur Hand hat?

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ