Warum geschossene Schweine aus dem Vogtland besonders häufig auf Radioaktivität untersucht werden

Es ist jetzt über 30 Jahre her, dass am 26. April 1986 der Block 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl in die Luft flog und sich der radioaktive Niederschlag auch über große Teile Westeuropas ausbreitete. Gerade über Teilen der damaligen DDR ging so viel Fallout nieder, dass Teile der Waldböden noch heute hoch belastet sind. Da strahlen dann auch noch die Wildschweine.
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Die radioaktive Wolke erreichte damals am 29./30. April den sächsischen Raum und regnete hier aus, die mitgeführten Spaltprodukte – insbesondere Radiocäsium – sind heute noch insbesondere dort im Boden zu finden, wo der radioaktive Regen damals besonders stark herunterkam. Dazu zählen auch Teile Sachsens, wie man beim Sächsischen Umweltministerium erfahren kann. Besonders betroffen ist das Vogtland.

„Vorangegangene Messprogramme im Freistaat Sachsen führten zu der Feststellung, dass es aufgrund der Bodenbelastung im walddominierten Süden des Vogtlandkreises regelmäßig zu Überschreitungen der höchstzulässigen Radiocäsiumgehalte beim Schwarzwild kommt.“

Der Grund dafür, dass besonders Wildschweine betroffen sind und bei Messungen der erlegten Tiere deutliche Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt werden, hat mit ihrer Ernährungsweise zu tun. Sie wühlen sich bei der Suche nach Fressbarem auch immer wieder bis in stark belastete Bodenschichten hinunter. Manchmal wird das Thema dann eher beiläufig auch in den Medien angesprochen. Aber viel Aufhebens macht die Staatsregierung darum nicht.

Deswegen hat Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag und gleichzeitig verbraucherschutzpolitischer Sprecher und Sprecher für Tierschutz, nachgefragt, wie es um die Belastung mit radioaktivem Cäsium 137 bei Wildschweinen eigentlich steht und ob etwas dran ist an der Nachricht, „dass radiologische Untersuchungen von erlegtem Schwarzwild dort jetzt zur Pflicht erhoben und die bisherigen Pflichtschutzuntersuchungsgebiete erweitert wurden.“ Mit „dort“ sind Teile des Erzgebirgskreises und Zwickaus gemeint.

Denn so eine Art Sonderuntersuchungsgebiet ist der Vogtlandkreis schon seit fünf Jahren. Nur die Ausweitung des Untersuchungsgebietes bis in den Erzgebirgskreis ist neu.

Oder mit den Worten von Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU): „Die Untersuchungen der Jahre 2010/11 bzw. 2011/12 bestätigten, dass Überschreitungen des Höchstwertes von 600 Bq/kg im Schwarzwildfleisch gehäuft im Süden des Vogtlandkreises auftreten. Seit 1. September 2012 ist dort eine radiologische Pflichtuntersuchung eingeführt worden. Ein anschließendes Monitoring in angrenzenden Gebieten führte zu einer Erweiterung des Pflichtuntersuchungsgebietes (PflUG) ab 1. Juli 2016 auf weitere Gemeinden des Vogtlandkreises sowie auf angrenzende Gemeinden im Landkreis Zwickau sowie im Erzgebirgskreis.“

Entsprechend stark sind dann die radiologischen Untersuchungen von erlegten Wildschweinen ab 2010 angestiegen. Man hatte das Thema tatsächlich in der Zeit davor deutlich vernachlässigt und nicht wirklich ernst genommen. Der Vogtlandkreis ist seitdem Schwerpunktuntersuchungsgebiet. Die Zahlen untersuchter Tiere im Erzgebirgskreis und im Raum Zwickau stiegen erst ab 2014 deutlich an. Dass der Verdacht, auch hier könnte man auf besonders stark belastete Tiere treffen, berechtigt war, zeigt nun die Ausweitung des Prüfungsgebietes Richtung Norden.

Das Ministerium verrät zwar nicht, wo wirklich eine echte Häufung von Tieren mit hoher radioaktiver Belastung an bestimmten Orten auftrat. Das hänge auch zu sehr von jahreszeitlichen Schwankungen ab, heißt es. Deswegen gibt es nur summarische Ergebnisse aus drei verschiedenen Überwachungsprogrammen. Im von Barbara Klepsch erwähnten Pflichtuntersuchungsgebiet (PflUG) wurden 2014/2015 in 66 Prozent der untersuchten Proben keine Überschreitungen der Grenze von 600 Bequerel je Kilogramm festgestellt. Nur ein Drittel der Tiere war also höher belastet als gesetzlich erlaubt. Das Fleisch durfte nicht zum Verzehr freigegeben werden.

2013/2014 waren sogar 75 Prozent der untersuchten Proben unter dem Wert geblieben. Eine Ursache kann, so das Umweltministerium, eine Lieblingsspeise der Wildschweine sein: „Die vergleichsweise erhöhte Radiocäsiumbelastung von Schwarzwild wird in der Fachliteratur vor allem auf die besondere Ernährungsweise dieser Wildart, unter anderem die Aufnahme von unterirdisch wachsenden Hirschtrüffeln, zurückgeführt.“

Das Ministerium weist auch darauf hin, dass es keine Lebensmittel gibt, die nicht einer natürlichen Radioaktivität unterliegen. Aber Fleisch von Nutztieren hat in der Regel die recht geringe Belastung von 10 Bequerel je Kilogramm. 600 Bequerel sind schon die Höchstgrenze, erzählen aber auch davon, dass es nach wie vor hoch belastete Böden in einigen Regionen Deutschlands gibt, die bis heute vom radioaktiven Regen des Jahres 1986 erzählen. Und sei es nur über das stark belastete Fleisch von Schwarzkitteln, das dann niemand essen darf.

Die Anfrage von Volkmar Zschocke zu radioaktiv belastetem Wildschweinfleisch. Drs. 5882

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