Die seltsame Geschichte des St. Georg Ordens, Teil 1

Ein „Friedensstifter“ beim Dresdner Semperopernball? Al Sisi ist nicht die erste peinliche Kür

Für alle LeserDas Drama deutete sich schon am 24. Januar an, als die Dresdner PR-Agentur Zastrow + Zastrow die Meldung verschickte: „Ägyptischer Staatspräsident Abdel Fatah El-Sisi bekommt den St. Georgs Orden“. Da sah es noch wie ein Narrenstück aus. Bestimmt hatte sich da nur jemand einen Aprilscherz erlaubt, Bisschen früh im Jahr. Kurz darauf verschickte Zastrow + Zastrow im Auftrag des Dresdner Semperopernballs eine neue Mitteilung. Der Inhalt blieb derselbe. Das Ganze begann zur Farce zu werden. Was ist da los in Dresden?

Dabei hatte Sachsens Regierung schon einmal jede Menge verdienter Kritik bekommen für die Verleihung des Sächsischen Dankesordens 2009 an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Dankesorden war der Vorgänger des jetzigen St. Georgs Ordens, der deshalb so benannt wurde, weil man sich mit der Verleihung an Putin so richtig blamiert hatte.

Aber es scheinen noch immer dieselben Leute zu sein, die mit der Verleihung des St. Georgs Ordens öffentlich machen, welche Persönlichkeiten sie für preiseswert halten, „die sich um Deutschland, die neuen Bundesländer und um Sachsen verdient gemacht haben“.

Wer das tatsächlich ist, verrät keine der beiden Websites, die den Semperopernball bewerben. Die eine preist die Tickets an und verweist auf den Semper Opernball e. V., c/o Hotel Taschenbergpalais Kempinski. Aber wer Mitglied des Vereins ist und dort das Sagen hat, verrät die Seite nicht. Nur dass sie von Zastrow + Zastrow erstellt wurde.

Und noch peinlicher dann der Verweis über die offizielle Adresse semperopernball.de. Da landet man mitten im Angebot des MDR, der den Semperopernball verkauft, als wäre es eine eigene Veranstaltung. Kein Verweis auf den Trägerverein. Nicht mal ein Extra-Impressum. Dafür jede Menge Beiträge zu den mehr oder weniger populären Stars und Sternchen, von denen man in Dresden wohl glaubt, dass sie einem solchen Ball Glanz verleihen.

Und auch kein Hinweis auf die Jury, die den St. Georgs Orden verleiht und die Kandidaten auswählt.

Die Ordens-Liste ist voller Peinlichkeiten.

So schaffte man es 2018, den St. Georgs Orden tatsächlich sowohl an den gerade als SPD-Vorsitzenden gescheiterten Sigmar Gabriel (der ja bekanntlich mittlerweile im Aufsichtsrat der Deutschen Bank gelandet ist) und die Präsidentin von Mauritius, Gurib-Fakim, zu verleihen. Die musste noch 2018 ihr Amt verlassen, wie Wikipedia trocken feststellt: „Gurib-Fakim musste im März 2018 nach einem Korruptionsskandal zurücktreten, um ihrer Absetzung zuvorzukommen. Sie nutzte privat in erheblichem Umfang eine Kreditkarte des von dem umstrittenen Geschäftsmann Álvaro Sobrinho dominierten gemeinnützigen Planet Earth Institutes (PEI). Es wurde Bestechung vermutet, da Sobrinho in Mauritius nach Anlagemöglichkeiten suchte.“

2019 fiel die obskure Wahl auf Albert von Monaco. Welchen Beitrag nun ausgerechnet Mauritius und Monaco zum Wohlergehen des Freistaats geleistet haben, dürfte sich wohl nur dem engeren Zirkel der Leute erschließen, die mit der politischen Ehrung auch ein Stück weit ihre schrägen Ansichten zur Politik kundtun.

Und auch die Nominierung von Abdel Fatah El-Sisi, der „sich selbst beim gewaltsamen Staatsstreich von 2013 mit Hilfe des Militärs an die Macht geputscht hatte“, meint man sichtlich ernst.

Deswegen gibt es hier die Mitteilung vom Presseteam (Zastrow + Zastrow) des Semperopernballs ganz ungekürzt. Auch weil in ihr der Kulturmanager Hans-Joachim Frey, der den Semperopernbball managt, ziemlich unverblümt sagt, was für politische Schwergewichte er für ehrenswert hält: José Manuel Barroso (2014), Jean-Claude Juncker (2013, damals Premierminister Luxemburgs), Vladimir Putin (2009), Klaus Johannis (Rumänien), Königin Sylvia von Schweden (2014) und Fürst Albert von Monaco (2019).

Zu den Reaktionen auf diese sehr obskure Wahl der Geehrten kommen wir hier im nächsten Beitrag zum Thema.

Die Reaktionen auf die geplante Ordensverleihung an Abdel Fattah Al-Sisi in Dresden

***

Die Pressemitteilung:

Ägyptischer Staatspräsident Abdel Fatah El-Sisi bekommt den St. Georgs Orden

SemperOpernball ehrt den Vorsitzenden der Afrikanischen Union

Delegation reist nach Kairo

Der ägyptische Staatspräsident Abdel Fatah El-Sisi wird mit dem St. Georgs Orden des Dresdner SemperOpernballs ausgezeichnet. Dazu reist eine Delegation des Semper Opernball e.V. am Wochenende in die ägyptische Hauptstadt Kairo, um dem Staatsoberhaupt am Sonntag dem 26.1. die Ehrung im Präsidentenpalast zu übergeben. An der Zeremonie werden der Vereinsvorsitzende und künstlerische Leiter des SemperOpernballs Hans-Joachim Frey, Vorstandsmitglied Trixi Steiner und weitere Persönlichkeiten teilnehmen.

Hans-Joachim Frey: „Wir freuen uns sehr, nach den Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso (2014), Jean-Claude Juncker (2013, damals Premierminister Luxemburgs), Vladimir Putin (2009) und Klaus Johannis (Rumänien), sowie Königin Sylvia von Schweden (2014) und Fürst Albert von Monaco (2019) jetzt auch den höchsten Repräsentanten Afrikas auszeichnen zu dürfen im Bereich Politik und Kultur. Der SemperOpernball sieht sich seit 14 Jahren als Brückenbauer zwischen Kulturen, Ländern und Sichtweisen. Traditionell bemühen wir uns auch durch die Liebe zu Kunst und Kultur Menschen aus aller Welt und von ganz unterschiedlicher Couleur zusammenzubringen – im Sinne der Völkerverständigung, des Austauschs und des Friedens.

Abdel Fatah El-Sisi teilt und lebt diese Anliegen. Deshalb ist es eine große Ehre und ein tiefes Bedürfnis zugleich, ihn mit dem St. Georgs Orden des Dresdner SemperOpernballs zu würdigen.“

Und weiter heißt es in der Laudatio: „Mit Abdel Fatah El-Sisi ehren wir eine Persönlichkeit und einen Staatsmann, der als Präsident der Afrikanischen Union und ägyptischer Staatspräsident Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents ist. In herausragender Weise zeigt sich Abdel Fatah El-Sisi als Brückenbauer und Friedenstifter in der von schweren Krisen gekennzeichneten nordafrikanischen Region, sucht den Dialog mit allen Parteien und ist für die Menschen und ihre Hoffnungen ein Anker.

Abdel Fatah El-Sisi ist die zurzeit stärkste Stimme Afrikas. Er hat das enorme Potential seines Kontinents und seines Landes erkannt und gibt all denen Zuversicht, die nicht nur Konflikte und Not in Afrika und die afrikanischen Länder als Teil einer Sicherheitspartnerschaft sehen. Er gibt vor allem denjenigen Kraft, die Afrika als das sehen, was es wirklich ist: ein hochinteressanter Partner für uns in Deutschland und Europa und ein neuer, rasant wachsender Akteur in Sachen wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung; voller jugendlicher Vitalität, Dynamik und Kreativität und bereichernd für uns alle. Das erkennt der SemperOpernball voller Respekt an und gratuliert zudem dem ägyptischen Staatsoberhaupt als leidenschaftlichen Unterstützer und Botschafter von Kunst und Kultur zur Eröffnung des „Grand Egyptian Museum“ in Gizeh und zum Bau des neuen Opernhauses in Kairo, das bald eröffnet werden wird.“

Der SemperOpernball pflegt traditionell gute Beziehungen zum afrikanischen Kontinent und bemüht sich sehr um ein besseres Verständnis und mehr Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Europa und Afrika. Immer wieder sind hochrangige Vertreter auf dem SemperOpernball zu Gast. Daher knüpft die Auszeichnung für Abdel Fatah El-Sisi an die Ehrungen für den Präsidenten des Senegal Macky Sall (2015), die mauretanische Präsidentin Ameenah Gurib-Fakim (2018) und den Außenminister des Oman Youssef bin Alawi bin Abdullah (2016) an.

Die Afrikanische Union repräsentiert 55 Mitgliedsstaaten mit mehr als 1,1 Milliarden Einwohnern.

Der 15. SemperOpernball findet am 7. Februar 2020 in Dresden statt. Erwartet werden rund 2.500 Gäste in der Semperoper und mehr als 15.000 davor auf dem Theaterplatz.

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Foto: Die Johanniter / Sebastian Späthe

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