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Wenn die Grüne Liga eine Pressemitteilung von 2019 noch einmal verschickt: Statt Dürre-Jammerei Wasser in der Landschaft halten

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    KommentarAll das, was wir derzeit mit immer mehr Hitzetagen, Dürre, vertrockneten Stadtbäumen, vertrockneten Wäldern erleben, war zu erwarten. Seit Jahren schon. Nichts anderes haben die Klimamodelle der Meteorologen seit 30 Jahren als wahrscheinliches Szenario beschrieben. Auch die Modellierungen des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie haben nichts anderes vorausgesagt. Aber die sächsische Politik hat nicht reagiert. Immer noch dominiert das alte, bequeme Denken, das alle Veränderungen ausbremst.

    Da half auch Fridays for Future nicht. Da half auch das Wahlergebnis von 2019 erst einmal nicht viel. Denn die Blockierer sitzen überall, verteidigen ihr „Das haben wir schon immer so gemacht“, lenken die Wut in völlig falsche Kanäle (so wie bei den letzten Bauernprotesten), lassen die Fördermittel aber weiter in alte, umweltzerstörerische Strukturen fließen – seien es die falschen Landwirtschaftssubventionen, seien es die versteckten Milliardensubventionen für die Kohle.

    Aber Programme, die Sachsen wirklich an die Klimaveränderungen anpassen, sucht man vergeblich. Zeit genug, sie aufzulegen und die Gelder entsprechend umzulenken, war genug.

    Wirklich Mitleid bekommt die sächsische Politik da von der Grünen Liga Sachsen und dem Naturschutzverband Sachsen nicht. Die Grüne Liga weist bei der Gelegenheit auf eine gemeinsame Pressemitteilung vom 30. April 2019 hin. Da waren die Dürrefolgen des Jahres 2018 noch zu spüren, die des Hitzesommers 2019 zeichneten sich gerade erst ab.

    „Waldbrandgefahr, ausgetrocknete Böden, Wassermangel – die aktuelle Wettersituation ruft die Klima-Apologeten auf den Plan, die vor den Folgen des Klimawandels warnen. Und führende Vertreter der Land- und Forstwirtschaft stimmen in den von ,Dürresommer‘, ,Missernte‘ und ,Borkenkäfergefahr‘ getragenen Chor ein“, schrieben die beiden Verbände damals.

    „Die GRÜNE LIGA Sachsen e. V. und der Naturschutzverband Sachsen e. V. (NaSa) vermissen bei all den formulierten Sorgen den eigentlich naheliegensten Lösungsansatz – das Wasser solange wie möglich in der Landschaft zu halten und dessen Abfluss nicht künstlich zu beschleunigen.“

    Die missklingenden Alarmrufe sind ja nicht verstummt, meistens verbunden mit Forderungen nach Geld, das die Holz- und Ernteausfälle ersetzt. Als könnte Geld irgendetwas reparieren, was in den vergangenen Jahrzehnten mit intensivierter Land- und Forstwirtschaft gründlich zerstört wurde. Aber die Alarmrufe zeigen eben auch, dass die Lobbyverbände der Forst- und Agrarwirtschaft und die zuständigen Landesbehörden eng verquickt sind in ihrer Unfähigkeit, das lang geübte Denken zu verlassen und überhaupt erst einmal die Frage zu denken: Was soll denn da künftig erst passieren?

    Denn vorgesorgt haben sie nicht.

    Auch nicht bei dem simplen Punkt, den Grüne Liga und Nasa angesprochen haben: „Aus Gründen der Nutzungsoptimierung haben Land- und in weiten Teilen auch die Forstwirtschaft durch oberirdische Gräben oder unterirdische Drainagen dafür gesorgt, dass das Wasser so schnell wie möglich aus der Fläche abgeleitet wird. Natürliche Quellgebiete und die Oberläufe der Gewässer wurden so zerstört, Feuchtgebiete verschwanden.

    Es gibt in Sachsen z. B. kein natürlich belassenes Quellgebiet im Acker. Fichtenmonokulturen wachsen auf von Gräben durchzogenen Hochebenen, die ursprünglich von Feuchtgebüschen bzw. – wäldern bewachsen waren. Und selbst im Grünland wurden die ursprünglichen Quellgebiete fast vollständig drainiert, sprich entwässert. Das natürliche Wasserrückhaltevermögen des Bodens wird durch Drainagen und Gräben zerstört und es kommt zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr bei Starkregenereignissen für die Unterlieger.“

    Stattdessen kämpft jeder für sich allein, leiden Bauern weiterhin unter einem Preisdruck der deutschen Einzelhandelskonzerne, der dafür sorgt, dass Bauern keinen Spielraum für einen ökologischen Umbau der Produktion haben. Die Hochwasserregime entziehen den Flusslandschaften landesweit das Wasser. Und ein „Waldumbau“ im herkömmlichen Sinn repariert keine Quellsysteme – das Denken in komplexen Ökosystemen überfordert die spezialisierten Akteure.

    „Es ist deshalb an der Zeit, das Lamentieren über Trockenheit und Wassermangel zu beenden und in der Landschaft dafür zu sorgen, dass deren Wasserregime wieder renaturiert wird“, schrieben die beiden Umweltverbände damals. „Der Rückbau von Drainagen, die Wiederherstellung der ursprünglichen Quellgebiete, die Verschließung von Entwässerungsgräben im Wald sind die anstehenden Maßnahmen der Zeit. Nach der großflächigen Melioration der letzten 100 Jahre steht nun der Rückbau dieser Anlagen ins Haus. Die Politik ist gefordert, die konjunkturbelebenden Chancen dieses Renaturierungsprogramms u. a. aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Erhöhung der Biodiversität, der Wiederherstellung eines flächendeckenden Biotopverbundes und der Waldmehrung in die Tat umzusetzen.“

    Natürlich hatten wir die berechtigte Mahnung vor einem Jahr veröffentlicht. Aber die Mahnungen verhallen. Die Politik bleibt in ihrem jahrzehntelang geübten Trott, will es sich auf keinen Fall mit den Leuten verprellen, die von der Zerstörung unsere Umwelt bislang profitieren.

    „Landwirte klagen über Trockenheit, auf den Feldern herrscht Dürre. Dabei gibt es in Deutschland keinen Mangel an Wasser. Es fehlt aber ein intelligenter Umgang damit“, schreibt Dirk Asendorpf in einem Beitrag in der „Zeit“. Denn 200 Jahre lang galt die Devise, dass das Wasser schnellstmöglich herausgeschafft werden soll aus den Städten und aus den Feldern. Schon in dieser Zeit verschwanden tausende (Dorf-)Teiche und Feuchtbiotope, Bäche und Quellen, verwandelten sich Bäche und Flüsse in Kanäle, die den angrenzenden Wiesen und Wäldern das Wasser entzogen.

    Die Grundwasserspiegel wurden oft noch künstlich abgesenkt. Und die riesigen Feldschläge, die heute die „ländlichen Räume“ dominieren, sind geradezu dazu angelegt, die Verdunstung des Wassers noch anzukurbeln.

    Mittlerweile hat man zwar begonnen, wieder erste Hecken anzulegen, um den Verlust der wertvollen Böden zu mindern. Aber von einem umfassenden Programm, das kostbare Wasser klug in der Landschaft zurückzuhalten, ist noch nichts zu sehen. Dabei kann der Mensch handeln. Er hat alle Mittel dafür. Nur dieser „alte Trott“ hindert ihn daran, endlich zu handeln. Selbst im Angesicht der längst sichtbaren Folgen.

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