Bereits am heutigen 10. Mai erreicht Deutschland seinen Erdüberlastungstag: Nach nur gut vier Monaten haben die Deutschen alle erneuerbaren Ressourcen verbraucht, die ­eigentlich für das ganze Jahr reichen sollten. Würden alle Menschen so leben und wirtschaften wie in Deutschland, bräuchte es drei Erden, mahnt der BUND Sachsen. Auch in Sachsen werden die Folgen sichtbarer: Niedrigwasser der Elbe, trockene Böden und sinkende Grundwasserstände belasten zunehmend Mensch und Natur.

Der Erdüberlastungstag wird jährlich vom Global Footprint Network berechnet. Er markiert den Zeitpunkt, an dem rechnerisch alle natürlichen Ressourcen verbraucht sind, die innerhalb eines Jahres erneuert werden können. Besonders stark wirken sich in Deutschland der hohe Energie- und Ressourcenverbrauch, Emissionen im Verkehrssektor sowie der Flächenverbrauch aus. Alle negativen Umweltwirkungen sind mit der Nutzung von Rohstoffen verbunden. Der weltweite Ressourcenverbrauch hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdreifacht.

Ausgerechnet jetzt steht eine klimapolitisch folgenreiche Entscheidung bevor: Die Bundesregierung will das sogenannte Heizungsgesetz durch ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzen und dabei die Pflicht abschaffen, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Der Referentenentwurf liegt seit dem 5. Mai vor, der Kabinettsbeschluss soll noch im Mai folgen. Der Gebäudesektor verursacht rund ein Drittel des deutschen Endenergieverbrauchs und gilt deshalb als Schlüsselbereich für die Energiewende.

„Der Erdüberlastungstag zeigt, dass wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen schneller verbrauchen, als sie sich erneuern können. Hauptverursacher sind energieintensive Industriebranchen wie die Chemieindustrie, der Gebäudesektor, der Straßenverkehr sowie die industrielle Tierhaltung. Gleichzeitig ist seit langem bekannt, dass zeitnahe Postfossilität auch für unsere wirtschaftliche Zukunft und für die Bewahrung von Frieden und Demokratie in einer sich geopolitisch dramatisch wandelnden Welt unabdingbar ist“, erklärt Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen.

Der BUND Sachsen fordert deshalb zum Erdüberlastungstag konkrete Maßnahmen:

Ausweitung statt Ausbremsung des EU-Emissionshandels, insbesondere eine Erreichung von Klimaneutralität nicht erst 2050, sondern in wenigen Jahren, und eine Ausweitung auf die Tierhaltung

Ein ähnliches System für Pestizide

Attraktive und sozial gerechte Förderprogramme für Heizungs- und Gebäudemodernisierung

Schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien sowie ressourcenschonender Mobilität auf Schiene und Straße

Ambitionierte Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Wirksamen Schutz von Böden, Gewässern und natürlichen Lebensräumen

Alles Punkte, bei denen sich auch Sachsens Staatsregierung schwer tut. Man denke nur an das Bremsen beim Windkraftausbau, das immer neue Plädoyer für fossile Energieträger oder die fehlenden Strategien für eine umweltgerechte Landwirtschaft und ein Ende des Landverbrauchs.

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