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Leipzig wird sich auf keinen Fall um die Olympischen Spiele 2028 bewerben

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    Die Petition ging ursprünglich an den Sächsischen Landtag: Ein olympiaverliebter Bürger hatte sich im November 2015 an den Landtag gewandt, Leipzig möge sich doch für die Olympischen Spiele 2028 bewerben. „Leipzig ist die ideale Bewerberstadt nach der Agenda 2020 des IOC.“ Nun hat sich auch Leipzigs Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport mit der Petition beschäftigt. Die Antwort lautet: Nö.

    Nicht ganz so knapp natürlich. Man versucht es schon ein bisschen zu erklären. Immerhin hat ja Leipzig schon eine Bewerbung hinter sich, die zwar nicht wie in München und Hamburg am klaren „Nein“ der Bürger scheiterte, aber am deutlichen „Nein“ des IOC. Denn Leipzig ist zwar der ideale Kandidat nach der Agenda – aber in Wirklichkeit eine ganze Größenordnung zu klein.

    „Die grundsätzliche Entscheidung über eine deutsche Bewerbung um die Olympischen Spiele ist eine gemeinsame Entscheidung des deutschen Spitzensports unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) e. V., des Bundes und einer möglichen Bewerberstadt. Zum aktuellen Zeitpunkt ist keine Bewerbungsabsicht des DOSB e. V. und des Bundes für die Olympischen Spiele 2028 bekannt“, teilt nun das Sportdezernat den Sachstand mit. „Olympische Spiele nehmen auf Grund ihrer globalen wirtschaftlichen und medialen Bedeutung eine Sonderstellung unter den Sportgroßveranstaltungen ein. Die IOC-Praxis zeigt, dass sie zunehmend nur noch nach Weltmetropolen vergeben werden. Leipzig gehört nicht zum Kreis dieser riesigen Großstädte.“

    Genau das hatte das IOC schon 2004 klargemacht, als Leipzig aus dem Bewerberfeld um die Olympischen Spiele 2012 gestrichen wurde. Damals war die kleine sächsische Großstadt gegen echte Giganten wie New York, Moskau, London, Paris und Madrid angetreten, die dann vom IOC tatsächlich als ernsthafte Bewerber akzeptiert wurden. Die Leipziger hätten ihre Stadt nicht wiedererkannt, wenn die Halbmillionenstadt tatsächlich den Zuschlag bekommen hätte.

    Aber das Signal war überdeutlich, weswegen in der Bundesrepublik seither nur noch über die Bewerbung von Millionenstädten wie München, Hamburg oder Berlin diskutiert wird. Kleinere Städte wären allein mit der erwartbaren Logistik völlig überfordert.

    So ein wenig klingt es in der Antwort des Sportdezernats mit, dass man ganz froh ist, dass so eine Entscheidung auf anderer Ebene geklärt wird.

    „Angesichts des durch die Kommune nicht steuerbaren Verfahrens, der Vergabepraxis und auf Grund der vielfältigen Anforderungen beabsichtigt die Stadt Leipzig deshalb nicht, sich für eine Bewerbung um die Olympischen Spiele 2028 ins Spiel zu bringen. Die Auswertungen von Olympischen Spielen zeigen, dass insbesondere die wirtschaftliche Nachnutzung erbauter – teilweise gigantischer – Sportstätten nur schwer möglich ist“, heißt es da.

    Man konzentriere sich da dann doch lieber auf sportliche Veranstaltungen, die man mit den Möglichkeiten der Stadt auch stemmen kann: „Die Stadt Leipzig prüft jedoch stetig in Abstimmung mit den Spitzensportverbänden mögliche Bewerbungen um nationale und internationale Sportgroßveranstaltungen. Vor dem Hintergrund der stark wachsenden attraktiven Stadt, im Sinne einer nachhaltigen Sportentwicklung vor Ort sowie unter Berücksichtigung der Ausnutzung vorhandener Sportinfrastruktur wird die Stadt Leipzig auch zukünftig ihr vorrangiges Konzept der Schwerpunktsportartenförderung verknüpft mit Bewerbungen um Sportgroßveranstaltungen fortführen. Die Fokussierung auf die Förderung von Schwerpunktsportarten und die kontinuierliche Entwicklung des Sports sind bedeutende Säulen der erfolgreichen kommunalen Sportförderung am Standort Leipzig. – Zur weiteren Stärkung von Leipzigs Ruf als Sportstadt werden darüber hinaus, in Ergänzung zur Förderung des Leistungssports, bedeutende und wachsende Freizeit- und Breitensportevents bzw. -formate unterstützt.“

    Das ist eine erstaunliche Ernüchterung nach der seinerzeit lodernden Euphorie, die selbst im „Jahrbuch“ der Stadt für den 12. April 2003 noch nachlesbar ist: „Bei der Wahl um den deutschen Bewerber für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 und der Paralympics gewinnt Leipzig das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Bewerberstadt Hamburg. Als Bundeskanzler Gerhard Schröder in München die Entscheidung verkündet, erreicht die Stimmung auf dem Leipziger Marktplatz und den angrenzenden Straßen, wo schon Stunden vorher ein Volksfest begann, ihren Höhepunkt.“

    Wesentlich trockener liest sich dann, was das „Jahrbuch“ für den 18. Mai 2004 zu vermelden weiß: „Das Internationale Olympische Komitee benennt die Städte, die im Wettbewerb um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2012 den Status der ‚Candidate City‘ erhalten – Leipzig ist nicht unter ihnen.“

    Der ganze Jubel brach in sich zusammen. Getröstet waren die Leipziger, 2006 wenigsten ein Spielort der Fußball-WM zu werden, die sich dann zehn Jahre später als gekauftes „Sommermärchen“ entpuppte.

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