Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen durch den Franzosen Jean-François Champollion thematisiert die Ausstellung deren Reproduktion vom 19. Jahrhundert bis heute – mit Fokus auf den Buchdruck mit beweglichen Lettern.

Matrizen für den Schriftguss, Lettern und Publikationen illustrieren die Herausforderungen, ein so umfangreiches Zeichensystem wie das der Hieroglyphen mithilfe des Buchdrucks abzubilden und geben gleichzeitig Einblicke in ein Schriftsystem, das Menschen seit Jahrhunderten fasziniert. Nach Napoleons Ägypten-Expedition (1798-1801) erfasste Europa eine Ägyptomanie die sich nicht nur in der Alltagskultur, sondern auch in der Wissenschaft niederschlug.

Für Publikationen war es wichtig, auch die Hieroglyphen wiedergeben zu können. Zunächst handgezeichnet und lithografisch eingefügt, wuchs die Notwendigkeit, die Zeichen gemeinsam mit den Lateinischen im Buchdruck drucken zu können.

Der Leipziger Schriftgießer Friedrich Nies war 1835 der erste, der einen umfangreichen Zeichensatz produzierte. Viele folgten und drei Hieroglyphen-Fonts setzten sich letztlich durch. Zwei davon befinden sich im Museum für Druckkunst, wurden restauriert und erfasst und sind nun in der Ausstellung zu sehen. Damit wird ein besonderer Sammlungsbestand der Öffentlichkeit bekannt gemacht und für die Forschung verfügbar.

Eine besondere Herausforderung stellte der Satz der Zeichen dar. Es war eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler/innen und Setzer/innen nötig. Letztere mussten ein System entwickeln, das das Setzen ohne Kenntnis der Bedeutung der ca. 1000 Zeichen ermöglichte.

Ein Setzer des Museums hat sich der Aufgabe gestellt und gemeinsam mit einem Ägyptologen der Universität Leipzig einige Hieroglyphenzeilen gesetzt. Die Besuchenden können sich selbst an einer Handpresse einen Abzug drucken. Kleine Rätsel laden dazu ein, tiefer in die Geheimnisse der Hieroglyphenschrift einzutauchen.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Ägyptischen Museum der Universität Leipzig und ergänzt die dort von 15.7. bis 13.11.2022 gezeigte Schau „Neue Wege zu alter Weisheit. 200 Jahre Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen“. Öffentliche Führungen sonntags, 12 Uhr: 17.7. und 28.8.2022 Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–17 Uhr, So 11–17 Uhr

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