Novemberspielplan Schauspiel Leipzig

Im November haben Sie die Möglichkeit, an einem Wochenende mit „Der gute Mensch von Sezuan“, „Fluss, stromaufwärts“ und „Gold“ & „Coal“ gleich drei Premieren in den verschiedenen Spielstätten des Hauses zu erleben. Es erwarten Sie außerdem das abschließende Expertengespräch aus der Reihe „Dreißig Jahre später“ sowie die Wiederaufnahme der Produktion „Die 12 Monate“, die wir erneut im Zoo Leipzig zeigen. Ab dem 5. November öffnet das Schauspiel wie jedes Jahr seine Türen für das Festival euro-scene Leipzig und am 16. November findet der vorerst letzte Fundus-Verkauf der Spielzeit statt.

In Bertolt Brechts Lehrstück „Der gute Mensch von Sezuan“ begeben sich drei Götter auf die Erde, um als Beweis für ihre gelungene Schöpfung den einen guten Menschen zu suchen. Mit der gastfreundlichen Prostituierten Shen Te scheint dies geglückt. Durch die Schenkung eines kleinen Ladens soll sie in ihrem guten Wirken unterstützt werden. Doch die Not ist groß und die Bedingungen erfordern eine Grenze für die Mildtätigkeit. Die soll ihr berechnendes Alter Ego Shui Ta setzen, in den Shen Te sich bei Bedarf verwandelt. Regisseur Moritz Sostmann nähert sich Brechts berühmtem Werk mit dem für seine Inszenierungen charakteristischen Zusammenwirken aus Puppenspiel und Schauspiel. Am 23.11. um 19.30 Uhr feiert das Stück auf der Großen Bühne des Schauspiel Leipzig Premiere.

Ein Übersetzer, eine schicke Dame und ein geräucherter Lachs: Drei Figuren lässt Alexandra Pâzgu in ihrem Stück „Fluss, stromaufwärts“ gegen die zeitgenössischen europäischen Diskursströmungen über Migration, Integration und Identität anschwimmen. Für ihr Stück wurde die in Rumänien geborene und in Wien lebende Autorin mit dem exil-DramatikerInnenpreis 2018 ausgezeichnet, der im vergangenen Jahr erstmals in Kooperation mit dem Schauspiel Leipzig ausgeschrieben wurde und hier nun die Uraufführung erlebt – am 24.11. um 20 Uhr in der Diskothek, Regie führt Gordon Kämmerer. Mit klirrenden Gitarren und den Beats von Maschinen verdichtet die Band Gewalt im Anschluss an die Premiere nichts weniger als die Unmöglichkeit und Unumgänglichkeit der menschlichen Existenz.

Eine öffentliche Probe gibt am 13.11. um 18 Uhr Einblick in den Probenstand der Inszenierung „Fluss, stromaufwärts“.

Das Künstlerkollektiv Kötter/Israel/Limberg aus Berlin erarbeitet mit der Reihe „landscapes and bodies“ einen immersiven Performance-Parcours, der sich in verschiedenen Teilprojekten den Folgen des Berg- und Tagebaus widmet. Das erste Teilprojekt „Gold“ & „Coal“ feiert am 22.11. um 19 Uhr in der Residenz Premiere. „Gold“ setzt sich mit dem Raubbau in den Kupfer- und Goldminen in Westpapua auseinander. „Coal“ richtet den Fokus auf das re-naturalisierte Leipziger Neuseenland und beschäftigt sich mit der Gleichzeitigkeit vergangener und gegenwärtiger Energie-Räume. Der Einlass zu den Vorstellungen erfolgt in kleinen Gruppen um 19 Uhr / 19.30 Uhr / 20 Uhr / 20.30 Uhr.

Ergänzend zum Thema veranstaltet die Residenz am 2.11. um 20 Uhr das Gespräch „Bergbau und die Folgen“. Nabil Ahmed vom RaumaktivistInnen-Kollektiv INTERPRT (London) berichtet darin über die Situation in Westpapua und seine künstlerische Reflexionen.

Im Rahmen der Reihe der Expertengespräche am Schauspiel Leipzig diskutiert Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung) am 28.11. um 18 Uhr in der Diskothek mit dem Historiker llko-Sascha Kowalczuk. Mit seinem Buch „Endspiel“ legte dieser eine kritische Bestandsaufnahme und zugleich eines der Standardwerke zur jüngeren deutsch-deutschen Geschichte vor, das die Zustände und Geschehnisse, die zum Ende der DDR geführt haben, beleuchtet. In seinem neu erschienenen Werk „Die Übernahme“ verlängert Kowalczuk diese Fragestellung auf die Entwicklungen bis in unsere Tage hinein. Das Gespräch ist das vierte und abschließende der aktuellen Reihe „Dreißig Jahre später“. Eintritt frei.

Am 1. & 2. November gibt es ab 18 Uhr noch einmal die Gelegenheit, die Inszenierung FAUST in der Regie von Schauspiel Intendant Enrico Lübbe zu sehen. „Faust I“ findet als Inszenierung auf der Großen Bühne statt, der II. Teil führt hinaus auf drei Thementouren in den Leipziger Stadtraum. Auf der ersten Tour, die in die Alte Handelsbörse und das Alte Rathaus führt, begeben sich am 2.11. die Pfarrerin der Thomaskirche Britta Taddiken und Justinus Pech, Mönch der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz Wien, ins Gespräch und diskutieren über den Glauben, über Werte und Geld.

Im Anschluss an die Vorstellung von „Jeder stirbt für sich allein / Die Leipziger Meuten“ (R: Armin Petras) am 20.11. bietet das Schauspiel Leipzig um 19.15 Uhr erneut eine Nach(t)führung an. Dieses neue Format gibt in ca. 45 Minuten einen ungewöhnlichen Einblick in den Theateralltag und führt vor Augen, was alles geschieht, wenn eine Vorstellung wieder abgebaut wird. Karten im Vorverkauf!

Vormerken sollten sich Zuschauer auch den 16.11. dann öffnet das Schauspiel Leipzig von 12 bis 16 Uhr sein Garderobenfoyer für den vorerst letzten Fundus-Verkauf der Saison. Außergewöhnliche Kostüme, Theatermasken und Secondhand-Kleidung warten auf den Verkauf!

Informationen zum aktuellen Spielplan finden Sie hier

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Einmal ein etwas geharnischter Kommentar zum Benennungs-Wirrwarr im Leipziger „Stadtgedächtnis“
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Foto: Marko Hofmann

KommentarNatürlich staunten auch wir bei der L-IZ, als der Stadtrat im Januar plitzplauz und aus heiterem Himmel dem Antrag von Stadtrat Thomas Kunmbernuß (Die PARTEI) zustimmte, die Arndtstraße in der Leipziger Südvorstadt in Hannah-Arendt-Straße umzubenennen. Was dann, wie es aussah, einen ganzen Schwanz von Petitionen zu weiteren Straßenumbenennungen nach sich zog, weil ja auch andere griesgrämige Männer mit verqueren Ansichten im Leipziger Straßenraum gewürdigt wurden und werden.
Bilden Leipziger Straßennamen tatsächlich nur ein öffentliches Stadtgedächtnis?
Die viel befahrene Jahnallee. Foto: LZ

Foto: LZ

Für alle LeserMittlerweile beschäftigen ja eine ganze Reihe Anträge zu Straßenumbenennungen den Leipziger Stadtrat, nachdem der Anfang des Jahres schon der Umbenennung der Arndtstraße zustimmte. Zu jedem dieser Anträge verfasst das Dezernat Allgemeine Verwaltung in der Regel eine Stellungnahme – in der Regel ablehnend, weil seit 1999 so eine Art Stillhalteabkommen gilt, nachdem Verwaltung und Stadtrat eine Kompromissformel gefunden hatten, um die Umbenennungswelle der 1990er Jahre zu beenden.