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Latcho Dives – das 1. Leipziger Kulturfestival der Roma und Sinti

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    „Latcho Dives“ ist Romanes, die Sprache der Roma, und bedeutet „ein schöner Tag“. Gleich acht „Latcho Dives“ bietet das 1. Kulturfestival der Roma und Sinti, dass vom Romano Sumnal e. V. – der einzigen in Sachsen existierenden Selbstorganisation der Sinti und Roma – und dem Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus e. V. – Zentrum jüdischer Kultur – ins Leben gerufen wurde.

    Die Kultur der Roma und Sinti mit ihrer Poesie, der authentischen Musik- und Tanzkunst und den bildenden Künsten spiegelt wahren europäischen Geist wider, weil diese Kultur – trotz beständiger Ausgrenzungen – keine Grenzen kennt. Doch in Leipzig sind Roma und Sinti im Alltag und in der Kultur meist unsichtbar.

    „Wir Roma und Sinti Bürger der europäischen Länder tragen zur Kultur der Länder bei und sehen uns als eine Bereicherung. Leider wir das selten in den Vordergrund gestellt, sondern von manchen Menschen sogar angezweifelt. Mit unserem Festival wollen wir in Leipzig selbst nach vorne treten und uns zeigen.“ so Gjulner Sejdi, der 1. Vorsitzende des Romano Sumnal e. V. Ungefähr 150 Roma und Sinti sind in Leipzig in diesem Verein engagiert.

    „Selbst in einer so kulturprallen Stadt wie der unseren sucht man Kunst, Kultur und Lebenswirklichkeit von Sinti und Roma noch immer viel zu oft vergebens in den Veranstaltungskalendern,“ sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung in seinem Grußwort zum Festival. Mit dem Kulturfestival soll nun die Vielfalt und Kultur der Lebenswelt der Roma und Sinti in Leipzig an sechs verschiedenen Veranstaltungsorten erlebbar werden.

    „Das Festival ist ein guter Schritt, um ein breiteres Bewusstsein für die Anliegen der Sinti und Roma zu schaffen“, so Katja Meier, sächsische Staatsministerin der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung. Und es ist ein Statement gegen Vorurteile, Rassismus, Hass und Rechtspopulismus in unserer Gesellschaft.

    Das Programm beginnt am Sonntag, den 6. September mit der Eröffnung des Kulturfestivals und der Vernissage der Ausstellung „Forgotten Lines“ von Emanuel Barica. Der Berliner Roma-Künstler entwickelte die Methode der „Zeichnung der Intuition“, wobei er performativ zu Musikklängen zeichnet. Dabei entstehen dynamische Portraits mit Kugelschreiber oder Zeichentusche in wenigen, kräftigen Farben, die sich durch ihre Einfachheit und zugleich durch ihre Detailtreue und Poesie auszeichnen.

    Zur Eröffnung der Ausstellung „Forgotten Lines“, die im Anschluss einen Monat lang im Ariowitsch-Haus zu sehen ist, erschafft er mit seiner Partnerin, der Tänzerin Haruka Tomatsu, ein neues Kunstwerk in einer Live-Performance. Zur Eröffnung der Festwoche sprechen der 1. Vorsitzende des Romano Sumnal e.V., Herr Gjulner Sejdi, der Beigeordnete der Stadt Leipzig für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule, Prof. Dr. Thomas Fabian, der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma in Deutschland, Herr Romani Rose und die Staatsministerin für Justiz und Demokratie, Europa und Gleichstellung, Frau Katja Meier, ab 16 Uhr im Ariowitsch-Haus.

    Das musikalische Programm des Kulturfestivals eröffnet am Sonntag die Bojan Ristic Brass Band, um 20 Uhr auf der Terrasse der Moritzbastei. Die serbische Brassband, die kein Tanzbein still stehen lässt, sahnte in den vergangenen Jahren unzählige Preise ab und gilt als ein Juwel südosteuropäischer Blasmusik, das man nicht verpassen darf.

    Am Montag, den 7. September wird die Ausstellung „Auf dem Dienstwege“ mit einem Vortrag von Alexander Rode in der Unteren Wandelhalle im Neuen Rathaus präsentiert. Rode forscht zur Ausgrenzung von Sinti und Roma in Leipzig, die Ausstellung arbeitet die Ausgrenzung und Deportation während des Nationalsozialismus auf. Die rassistisch motivierte Verfolgung und Vernichtung Leipziger Sinti und Roma geschah schrittweise in aller Öffentlichkeit, wobei die Polizei und das damalige „Institut für Rassen und Völkerkunde“ der Leipziger Universität eng zusammenarbeiteten.

    Die Musikkultur ist eines der herausragenden Alleinstellungsmerkmale der Kultur von Sinti und Roma. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten jüdische und Roma-Musikerfamilien in Südosteuropa zusammen, heirateten untereinander und musizierten gemeinsam. Diese einzigartige Musikkultur aus jüdischen Klezmer- und Roma-Lautar-Musik wurde durch den zweiten Weltkrieg und den Holocaust zerstört.

    Im Dokumentarfilm „Der zerbrochene Klang“ begeben sich 12 bekannte Musikerinnen und Musiker aus aller Welt auf eine Reise in die Vergangenheit. Der Film wird am Dienstag, den 8. September ab 19 Uhr und anschließendem Gespräch mit der Regisseurin Yvonne Andrä in der Cinémathèque Leipzig gezeigt.

    Am Mittwoch, den 9. September diskutieren Sonja Kosche, Romaaktivistin aus Berlin, der Geschäftsführer von Amaro Drom e.V., Merdjan Jakupov und Gjulner Sejdi, der Vorsitzende des Romano Sumnal e.V. Leipzig im Ariowitsch-Haus über die Rolle der Roma und Sinti im Kampf gegen Rassismus. Es wird insbesondere um den Beschluss des Bundestags aus dem vergangenen Jahr gehen, eine Antiziganismuskomission einzurichten.

    Was konnte der Beschluss bis heute bewirken? Wo steht der Freistaat Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern im Kampf gegen den Rassismus? Diese Fragen betreffen das tagtägliche Leben von Roma und Sinti in Sachsen, die in dieser Podiumsdiskussion verständlich gemacht werden sollen.

    Am Donnerstag, den 10. September wird die lyrische Seite der Kultur der Roma und Sinti vorgestellt. In einer literarischen Lesereise werden ab 19 Uhr im Ariowitsch-Haus Gedichte, Kurzgeschichten und Romanauszüge aus allen Teilen der Welt vorgestellt. Die Literaturstücke aus Regionen von Asien bis Europa werden von Bildern und regionaler Musik untermalt.

    Ein weiteres musikalisches Highlight ist das Konzert der Gypsy Kings Leipzig. Die junge Rap-Gruppe aus Grünau spiegeln ihre Lebensrealität in ihren Songs und Texten wider. Die Combo setzt sich aus Roma, Geflüchteten und gebürtigen Leipzigern zusammen und trat schon beim Leipziger Brückenfest oder beim Hederlezi Straßenfest in Berlin auf. Am Freitag, den 11. September um 18 Uhr rappen sie dort, wo ihre Texte entstehen: in Leipzig-Grünau im OFT Völkerfreundschaft.

    Zum Festival-Abschluss sind alle eingeladen zum Begegnungsabend mit Musik, Tanz, Poesie und kulinarischen Köstlichkeiten am Samstag, den 12. September ab 18 Uhr. Leipziger Roma und Sinti musizieren und laden zu gemeinsamen Tänzen ein, Lesepaten wie Jürgen Zielinski, Dr. Thomas Feist u.a. nehmen Sie mit auf kurze literarische Reisen und der Straßenkünstler Emanuel Barica zeichnet für Sie.

    Kulinarische Köstlichkeiten bieten die Mitglieder des Romano Sumnal e. V. auf einem großen Buffet an.

    An unterschiedlichen Stationen auf der Wiese – kleinen kulturellen „Inseln“ – werden die inhaltlichen Schwerpunkte der Kulturwoche aufgegriffen und laden zum Kennenlernen und Mitmachen ein.

    LATCHO DIVES, 1. Leipziger Kulturfestival der Roma und Sinit
    6.9.-13.9.2020
    www.latchodives.de

    Der Romano Sumnal e.V. bietet mit seinem Büro in Leipzig Grünau einen Anlaufpunkt mit Unterstützungs- und Beratungsangeboten. Mit Projekten und Aktionen gegen Antiromaismus und für das Empowerment von Roma in Sachsen leistet der Verein einen wichtigen Beitrag gegen andauernde Diskriminierung.

    Das Ariowitsch-Haus ist das größte Zentrum für jüdische Kultur in Sachsen. Die Begegnungsstätte bildet mit zahlreichen Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Seminaren und Vorträgen sowie dem Mehrgenerationenhaus ein buntes Zentrum in der Nachbarschaft des Leipziger Waldstraßenviertels.

    Das Programm in Kürze

    Sonntag, 6. September | 16 Uhr
    Eröffnung des 1. Leipziger Kulturfestivals der Roma und Sinti LATCHO DIVES
    Und Vernissage der Ausstellung „Forgotten Lines“ von Emanuel Barica
    Ort: Ariowitsch-Haus (Saal), Hinrichsenstraße 14
    Eintritt frei. Einlass nur nach vorheriger Anmeldung unter erhard@ariowitschhaus.de

    Sonntag, 6. September | 20 Uhr
    Bojan Ristic Brass Band
    Ort: Terrasse Moritzbastei Leipzig
    Eintritt: VVK 18 €/13 € (ermäßigt), AK 20 €/15 € (ermäßigt)
    www.tixforgigs.de

    Montag, 7. September | 18 Uhr
    Ausgrenzung und Deportation der Leipziger Sinti und Roma im Nationalsozialismus
    Vortrag zur Ausstellung „Auf dem Dienstwege“ von Alexander Rode
    Ort: Neues Rathaus, Untere Wandelhalle, Martin-Luther-Ring 4-6
    Eintritt frei

    Dienstag, 8. September | 19 Uhr
    „Der zerbrochene Klang“, Dokumentarfilm über Jüdische und Sinti-Musik
    Ort: Cinémathèque Leipzig e.V., Karl-Liebknecht-Straße 48
    Eintritt: 6,50 €, 5 € (ermäßigt), 3 € (Leipzig-Pass)

    Mittwoch, 9. September | 19 Uhr
    Roma und Sinti und der Kampf gegen den Rassismus
    Podiumsdiskussion
    Ort: Ariowitsch-Haus (Saal), Hinrichsenstraße 14
    Eintritt frei

    Donnerstag, 10. September | 19 Uhr
    Eine literarische Reise durch das Europa der Roma und Sinti
    mit Gedichten, Kurzgeschichten und Romanauszügen, begleitet von Bildern und Musik
    Ort: Ariowitsch-Haus (Saal), Hinrichsenstraße 14
    Eintritt frei

    Freitag, 11. September | 18 Uhr
    Gypsy Kings Leipzig
    Konzert junger Roma und Sinti
    Ort: OFT Völkerfreundschaft Grünau, Stuttgarter Allee 9
    Eintritt frei

    Samstag, 12. September | 18 Uhr
    Festival-Abschluss: Begegnungsabend mit Musik, Tanz, Poesie und kulinarischen Köstlichkeiten
    Ort: Wiese der Galerie für Zeitgenössische Kunst, Wächter-/Grassistraße
    Eintritt frei

    AUSSTELLUNGEN

    31.08.-11.09.2020
    Ausstellung „Auf dem Dienstwege“ –Dokumente zur Erfassung, Ausgrenzung und Deportation der Leipziger Sinti und Roma im Nationalsozialismus
    Ort: Neues Rathaus, Untere Wandelhalle, Martin-Luther-Ring 4-6
    Eintritt frei
    Die Ausstellung ist immer Montag-Freitagvon 9-18 Uhr geöffnet.

    6.9.-5.10.2020
    Emanuel Barica: „Forgotten Lines“
    Ort: Ariowitsch-Haus (Saal), Hinrichsenstraße
    Eintritt frei
    Die Ausstellung ist Montag-Donnerstag von 9-18 Uhr und sonntags zu Veranstaltungen geöffnet.

    Donnerstag, der 30. Juli 2020: Andauernde Rektoratsbesetzung, steigende Arbeitslosigkeit in Sachsen

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