Literaturreihe „Herbst-Echo Tschechien“ startet

Das Echo des tschechischen Gastlandauftritts zur Leipziger Buchmesse 2019 hallt nach und bringt im Herbst erneut geballte tschechische Literatur in den deutschsprachigen Raum: Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie und den aktuell geltenden Maßgaben treten zahlreiche tschechische Autor/-innen auf – virtuell, im Netz, oder live vor Ort: in Leipzig, Frankfurt a.M., Bremen und Wien.
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Im Zentrum der Reihe „Herbst-Echo Tschechien 2020“ stehen das Autor/-innen-Residenzprogramm Leipzig – Brünn, der tschechische Auftritt bei der Buch Wien und das deutsch-tschechische Festival „Zukunft denken“ in der Leipziger Schaubühne Lindenfels. Dabei sind mehrere Präsentationen tschechischer Neuerscheinungen im deutschsprachigen Raum wie etwa der Bestsellerautorin Alena Mornštajnová.

Als beeindruckende literarische Chronistinnen des 20. Jahrhunderts sind Radka Denemarková und Kateřina Tučková hierzulande bereits bekannt. Nun erscheint mit „Hana“ von Alena Mornštajnová (Wieser Verlag, dt. Raija Hauck) ein Roman, der die deutsch-tschechisch jüdische Geschichte rekonstruiert und literarisch verarbeitet. Ausgehend von einem wahren Ereignis, dem Ausbruch der Typhus-Epidemie in einer mährischen Stadt, entwickelt Mornštajnová ihre berührende Familiensaga.

„Eine neue, eine wichtige tschechische Autorin ist zu entdecken“, urteilt das Bayern 2-Büchermagazin Diwan. „Herbst-Echo Tschechien 2020“ wird von der Mährischen Landesbibliothek Brünn im Auftrag des Kulturministeriums der Tschechischen Republik und gemeinsam mit dem Tschechischen Literaturzentrum Prag sowie zahlreichen Kooperationspartnern veranstaltet.

Auftakt in Leipzig

„Herbst-Echo Tschechien 2020“ startet mit dem Autor/-innen-Residenzprogramm der Partnerstädte Leipzig und Brünn: Die tschechische Autorin Markéta Pilátová („Mit Bat’a im Dschungel“, Wieser Verlag, dt. Sophie Marzolff) kommt vom 1. bis 31. Oktober nach Leipzig und arbeitet dort an ihrem neuen Erzählungsband. Live ist sie am 19.10. im Literaturhaus beim Leipziger Literarischen Herbst mit einer Premierenlesung zu erleben.

Die deutsche Autorin Heike Geißler („Rosa“ sowie „Nichts, was tragisch wäre“, DVA) wird vom 15.10. bis 15.11. in Brno verbringen, um an ihrem neuen Roman zu schreiben. Ein Auftritt ist u.a. in der Mährischen Landesbibliothek geplant. Das Residenzprogramm wurde 2018/19 aus Anlass des tschechischen Gastlandauftritts bei der Leipziger Buchmesse ins Leben gerufen.

Die Referate für Internationale Zusammenarbeit der Partnerstädte Leipzig und Brünn, in Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek und dem Tschechischen Literaturzentrum, möchten das Projekt verstetigen und bis 2023, dem Jahr des 50-jährigen Partnerschaftsjubiläums fortführen. Gemeinsam treten die Stipendiatinnen beim Lesefest „Leipzig liest 2021“ auf.

Tschechien in Frankfurt

An der Special Edition der Frankfurter Buchmesse (14.-18.10.) nehmen zwei herausragende tschechische Autor*innen teil: Beim Bookfest City, am 16. Oktober um 19 Uhr, stellt sich Alena Mornštajnová mit ihrem neu übersetzten Roman „Hana“ erstmals in Deutschland vor, im Messe-Hotel Premier Inn.

Am 17.10. um 15 Uhr folgt Marek Toman im Struwwelpeter-Museum und liest aus seinem brandneuen Buch, das Kinder wie Erwachsene begeistern kann: der Western-Parodie „Die Konditorei zum Schielenden Jim“ (Drava Verlag, dt. Raija Hauck). Das Bookfest Digital macht darüber hinaus mit Verlegerinnen und Verlegern wichtiger tschechischer Verlage bekannt.

Tschechien in Bremen

Eine „Lange Nacht der tschechischen Literatur“ findet beim Bremer Festival „so macht man Frühling im Herbst“ am 10. Oktober statt. Dabei sind u.a. die Drehbuchautorin und Schriftstellerin Irena Dousková mit ihrem am 5.10. erscheinenden Buch „Die weißen Elefanten“ (Balaena Verlag, dt. Mirko Kraetsch) sowie der Schriftsteller und Fernsehredakteur Vratislav Maňák mit seinem Roman „Heute scheint es, als wäre nichts geschehen“ (Karl Rauch Verlag, dt. Lena Dorn).

Auch beim Festival globale Bremen (27.10.-3.11.) steht die tschechische Literatur im Vordergrund: Erwartet werden Michal Ajvaz, Autor des magischen Realismus, Alena Mornštajnová, die Graphic-Novel-Autoren Jaromír 99 (u.a. „Alois Nebel“, Voland & Quist) und Jan Novák („Tschechenkrieg“, ebd.) sowie der Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Übersetzer Tomáš Glanc.

Tschechien in Wien

Den Auftakt von „Herbst-Echo Tschechien 2020“ in Wien bilden zwei österreichische Premierenlesungen: Am 30.9., 19 Uhr, stellt die tschechische Autorin, Publizistin und Literaturkritikerin Dora Kaprálová Auszüge aus ihrer noch unveröffentlichten Novelle „Winterbuch über die Liebe“ (dt. Nataša von Kopp) in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur vor: eine ironische, provokative und melancholische Novelle über Männer. Am 1.10., 18.30 Uhr, folgt Alena Mornštajnová mit ihrem neuen Roman „Hana“ im Tschechischen Zentrum Wien.

Vom 11. bis 15. November ist Tschechien auf der Buch Wien zu Gast: Am Nationalstand werden aktuelle Neuerscheinungen in deutscher Sprache gezeigt, auf der Buchmesse findet zudem eine Ausstellung der „schönsten Bücher aus Tschechien und Österreich 2019“ statt, in Kooperation mit dem Museum der tschechischen Literatur Prag und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels.

Mit acht Autor/-innen sind Lesungs-Auftritte geplant: mit Kinderbuchautor David Böhm („A wie Antarktis. Ansichten vom anderen Ende der Welt“, Karl Rauch Verlag, dt. Lena Dorn), den Schriftsteller*innen Markéta Pilátová, Jan Němec („Die Geschichte des Lichts“, Osburg Verlag, dt. Martin Mutschler), Ondřej Hložek („Trautes Heim“, Ketos Verlag, dt. Ondřej Cikán), Adam Borzič („Die Geschichte des Fadens: Gegen Dämonen“, ebd., dt. Martina Lisa) und Zuzana Lazarová  („Das eiserne Hemd: Lilith und andere Gedichte“, ebd., dt. Ondřej Cikán).

Ihre Premierenlesungen in Österreich geben Iva Procházková mit dem Spannungsroman „Die Residentur“ (Braumüller Verlag, dt. Mirko Kraetsch) sowie die Comic-Zeichnerin und Künstlerin Lucie Lomová mit ihrem neuen Werk „Die Wilden“ (bahoe books, dt. Katharina Hinderer).

Finale in Leipzig

Abschluss feiert die Reihe „Herbst-Echo Tschechien 2020“ am 27. und 28. November in Leipzig, der Stadt, die exemplarisch für die gelebte enge Verbindung der Nachbarländer steht: beim neu entwickelten deutsch-tschechischen Festival „Zukunft denken“ in der Schaubühne Lindenfels.

Tschechische und deutsche Autor/-innen diskutieren dort über die Veränderungen, die die Corona-Pandemie in ihrem Leben und Schreiben bewirkt hat, flankiert durch den tschechischen Film „Die weiße Krankheit“ von Hugo Haas nach dem gleichnamigen Theaterstück von Karel Čapek. Uraufgeführt 1937, ist es noch heute verblüffend aktuell.

Der Blick geht zudem nach vorn, auf die Herausforderungen für eine Europäische Zukunft in Zeiten der Pandemie und auf die Erwartungen der Schriftsteller*innen als Grenzgänger zwischen Realität, Beobachtung und Phantasie. Der zweite Festivaltag widmet sich der tschechischen Literatur, die in Lesungen und Gesprächen vorgestellt wird. Alle Auftretenden geben wir im Oktober bekannt.

Herbst-Echo Tschechien 2020 wird veranstaltet von der Mährischen Landesbibliothek Brünn im Auftrag des Kulturministeriums der Tschechischen Republik, gemeinsam mit dem Tschechischen Literaturzentrum Prag und zahlreichen Kooperationspartnern.

Die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 83: Zwischen Ich und Wir

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