Mitbringsel in Tschitscheringrien: Kaffeesachsen feiern ein Jahr am Markt

Da können die seltsamsten Institute und Agenturen regelmäßig ihre Umfrage nach dem beliebtesten oder unbeliebtesten deutschen Dialekt machen und danach orakeln, warum die Bayern immer vorn liegen und die Sachsen hinten. Das ist reine Mathematik, gepaart mit Vorurteilen. Aber wen juckt das eigentlich? Die Bayern und die anderen besuchen Sachsen ja trotzdem gern. Und decken sich, wie es jetzt aussieht, mit quietschgrüner Sachsen-Folklore ein.
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Die gab es eigentlich bis November 2011 gar nicht. Oder nur in verschämten Nischenprodukten. Bis die Wahlleipzigerin Susanne Schulz sich mit der Leipzigerin Doreen Beuthner an einen Kaffeehaustisch setzte und eine ganz ausgekochte Idee mit ihr ausbaldowerte: die „Kaffeesachsen“-Idee. In quietschgrün. Oder Tschitscherin-Grien, wie Susanne Schottke alias Lene Voigt die Überraschung in Tüten kommentierte, die damals in der Tourist Information vorgestellt wurde: leidenschaftlich frisches Design rund um das bekannteste und schönste aller sächsischen Laster – die Kaffeetrinkerei.

Mit echtem starken „Gampfgaffee“ für alle Sachsen, die täglich das Bruttosozialprodukt am Abschmieren hindern müssen, und mit „Bliemchengaffee“ für die, die sich dabei den Magen verdorben haben oder deren Herz nicht mehr so stark ist wie das vom ollen August. Passend dazu die Backmischung für die so beliebte Eierschecke und die To-go-Becher aus Porzellan: „Gaffee zum Loofn“ auf Hochdeutsch. Auch Frühstücksbrettchen gab es schon.

Ein Jahr ist rum und die beiden kreativen Damen vermelden einen Erfolg ihrer Idee. Sie haben es mit den tschitscheringrünen Mitbringseln mittlerweile in die Konsum-Filialen geschafft, in die Shops im Zoo und auch ins Sortiment von Galeria Kaufhof. Aber auch in die schwarze Welt der Besucher des Wave Gotic Festivals, für die es im Mai gleich zwei eigene Produkte gab: den Gaffee-Becher „dodal finsdor“ und den zugehörigen total finsteren „Gampfgaffee“. „Die Nachfrage hat uns selbst überrascht“, sagt Susanne Schulz, die in diesem Jahr eigentlich nur einen mühsamen Gang hatte: den nach Dresden.“Da muss man mehrmals hinfahren“, untertreibt sie den herzhaften Versuch, den Elbeanrainern wieder ein bisschen fröhliche Kaffeekultur nahe zu bringen. Bei Humor wird’s immer schwierig zwischen West- und Ostsachsen. Die Dresdner sind eigen. Aber haben wohl, wie man hört, mittlerweile doch schon ein bisschen nachgegeben und ein bisschen „Kaffeesachsen“ mit ins Sortiment genommen.

Was nicht schlimm ist, wenn man es nicht gleich findet. Denn die beiden kreativen Frauen haben ihr Angebot auch komplett online. Da kann man es auch als Exil-Sachse bestellen, wenn es einen nach Bayern verschlagen haben sollte oder gar nach Stuttgart, wo die Schwaben jetzt beweisen wollen, dass sie noch viel mehr Geld als die Leipziger im Untergrund versenken können. Wenn sie so weitermachen, wird man ihr Schwäbisch künftig wohl noch ulkiger finden als das Sächsisch der Leipziger. Die zwar alle kein Sächsisch mehr sprechen. Aber sie freuen sich wie die Schneekönige, wenn auf ihrem tschitscheringrünen Einkaufsbeutel eindeutig steht, wofür sie unterwegs sind: Schnäbbschenjäschor. Und auf dem Frühstücksbrett: „Heeme isses am Scheensdn“. So kann der Tag beginnen. Wenn es ein heftiger wird, nimmt man eben das andere Brettchen: „Ohne Mampf geen Gampf“.

Das Repertoire wächst mit den Begehrlichkeiten. Lichttütchen (in grün) gibt es mittlerweile und Ostereierschoner („Ei verbibbsch!“). Und das neueste Stück, das die beiden am Freitag, 7. Dezember, präsentierten, ist ein Tortenuntersetzer für die Eierschecke. Aus Pappe, zum Selberbauen. „Als Souvenir, haben wir uns gedacht, muss es leicht zu transportieren und auch ganz einfach zusammenzubauen sein“, sagt Susanne Schulz. Wenn man freilich den Spruch „Ä sieses Schdiggschn“ lesen kann, hat man schon jede Menge süße Stückchen in sich hineingefuttert.

„Ideen haben wir noch für zehn Jahre“, sagt Susanne Schulz. Hinter ihr strahlt Doreen Beuthner nur still vor sich hin. Sie übersetzt das ja alles ins Leipziger Sächsisch und in Tschitscheringrün. Zum kleinen Geburtstagsempfang in der Tourist Information gab’s natürlich Bliemchengaffee und fliegende Eierschecke. Dort ist eine der stabilen Verkaufsstellen für die Mitbringsel-Serie, die jedem Leipzig-Besucher das Gefühl gibt, wirklich mal bei den echten Kaffeesachsen gewesen zu sein.

Wer irgendwo anders gestrandet sein sollte, findet seine sächsische Küchen-Ausstattung unter: www.diekaffeesachsen.de


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