Eine Messe für ein nachhaltiges Stück Wirtschaft: „denkmal“ startet am 22. November auf der Neuen Messe

Am 22. November geht's los - oder doch besser: am 21. November. Dann gibt es die Hieronymus-Lotter-Preisverleihung. Quasi als Ouvertüre für die Messe "denkmal 2012". Die dann wirklich am 22. November beginnt und zum Mekka ... - Nein, das wohl auch nicht. Man kann sich Handwerker, Hausbesitzer, Denkmalpfleger nicht wirklich vorstellen, wie sie da um den Heiligen Stein herumlaufen. Mekka ist was anderes. Moskau ist viel näher.
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War es schon immer. Die Leipziger Denkmalmesse, die vom 22. bis 24. November zum 10. Mal stattfindet, kooperiert seit Jahren mit russischen Akteuren. Diesmal ist Russland – nach Italien, Frankreich und Polen – sogar Partnerland der Messe. Am 22. November gibt es auch einen besonderen Russland-Tag. Und wenn alles gut geht und der Zoll mitspielt, dann läuten um 18 Uhr zum ersten Mal die Glocken von Archangelsk. Die will Russland mitbringen zur Messe. Auch als hörbares Zeichen dafür, dass die Russische Föderation nicht nur eine gewaltige Zahl von Baudenkmälern besitzt, sondern dass man seit einigen Jahren auch emsig daran arbeitet, sie instand zu setzen.

Deswegen gab es auch 2011 die erste in Moskau ausgerichtete „denkmal“. Das Produkt hat sich seit 1994 als Leitmesse der Denkmalpflege in der Welt etabliert. Und zumindest für Europa gilt, dass alle, die mit Denkmalpflege zu tun haben, diesen Termin nutzen, wenn sie können, und nach Leipzig kommen.

Angemeldet haben sich diesmal 452 Aussteller aus 14 Ländern. Die UNESCO, die sich ja von amtswegen mit dem Erhalt von herausragenden Denkmälern weltweit beschäftigt, ist wieder Schirmherr. Und natürlich sieht man auch einige UNESCO-Projekte. Eines der spektakulärsten werden ganz bestimmt die berühmten Holzkirchen aus Polen und der Ukraine sein. Die beiden Länder haben sich gemeinsam mit diesem Projekt bei der UNESCO um den Welterbetitel beworben. Und für West- und Mitteleuropäer ist der Messebesuch so auch die Gelegenheit, selbst zu sehen, dass auch in Osteuropa eine reiche und alte Baukultur zu entdecken ist. Und zu bewahren ist.

Das betonte am Freitag, 16. November, zur Vorpressekonferenz Dr. Oliver Karnau, Geschäftsführer des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK). Denn Denkmale erhält man ja nicht (nur) aus Liebhaberei. Auch wenn Kersten Bunke-Njengué, die Projektdirektorin der „denkmal“ gern von Enthusiasten spricht. Enthusiasmus gehört dazu, ein bauliches Kleinod wieder zum Leben zu erwecken. In einer Stadt wie Leipzig weiß man das. Die Stadt wird auf der Messe wieder mit eigenem Stand vertreten sein, an dem man nicht nur zeigen will, was in den vergangenen 20 Jahren alles gerettet wurde. Es wird auch viele Beispiele von Baudenkmalen zu sehen geben, sagt Dr. Norbert Baron, der Leiter des Amtes Denkmalpflege, „die in letzter Minute gerettet werden konnten.“ Alles Beispiele aus letzter Zeit. Und zwei mittlerweile überregional gefragte Leipziger Initiativen sind mit am Stand: das Stadtforum und der Haushalten e.V.

Über 80 Prozent des Leipziger Denkmalbestandes wurde mittlerweile saniert. Eine Zahl, die auch deshalb noch immer wichtig ist, weil man 1990 fast bei Null begann. „Ist Leipzig noch zu retten?“, hieß es damals. Mittlerweile stehen ganz andere Themen auf der Tagesordnung. Auch im Westen der Republik.Das DNK feiert 2013 seinen 40. Geburtstag. Da kann man zurückrechnen und weiß, dass der Denkmalschutz auch in der alten Bundesrepublik ein spätes Thema war. 20 Jahre lang dominierte dort der Pragmatismus, wurden Städte der Automobilität geopfert, triumphierten die Architekten in Glas und Beton. Und es brauchte lange, bis sich auch bei den Entscheidern das Bewusstsein dafür Bahn brach, was da eigentlich verloren ging. Denn Denkmalpflege ist eben nicht nur ein schönes Hobby für Enthusiasten – sie ist Teil unserer Lebenswirklichkeit. Gebaute Räume sind auch Geschichte – und das Erhaltene verbindet die jetzt lebenden Generationen mit der Vergangenheit. „Das müssen wir auch an die Jugend weitergeben“, sagt Oliver Karnau. „Wir müssen unser Kulturerbe auch in die nächsten Generationen vermitteln.“

Der Ort der Pressekonferenz war entsprechend gewählt: die alte Nikolaischule am Nikolaikirchhof, die in diesem Jahr auf 500 Jahre Geschichte zurückblicken kann. Gegenüber die Nikolaikirche – auch bald 900 Jahre alt. Speck’s Hof, dem man seine 100 Jahre auch nur noch ansieht, wenn man sich mit Baustilen auskennt. Wenn Menschen bauen, schaffen sie Lebensräume. Und immer wieder gibt es Zeiten der Neuerer, in denen Altes abgerissen wird. Leipzig hat mehrere solcher Phasen hinter sich. Erst das 20. Jahrhundert begann, Bautradition auch als bewahrende zu betrachten.

Und gerade das Beispiel Leipzig zeigt, wie begehrt das Wohnen und Leben im Denkmal ist. Aber auch die Herausforderungen mehren sich. Denn Denkmalschutz beißt sich oft mit einer energetischen Sanierung. Es ist eben doch nur die Hälfte der Miete, wenn Karnau darauf verweist, dass ein Erhalt von historischer Bausubstanz selbst schon Ressourcenschonung ist. Das schont das Klima natürlich, weil ein Großteil der Materialien nicht noch einmal neu produziert werden müssen.

Aber wenn die sanierte Immobilie dann trotzdem zum Energieschlucker wird, hat der Bauherr gar nichts gekonnt. Deswegen wird gerade in Leipzig sehr intensiv darüber nachgedacht, wie man die Energieeffizienz auch in Baudenkmälern verbessern kann. Ganz bestimmt wird man dazu auf der Messe auch Anregungen finden. Anregungen, keine Module für alle. Denn eines greift bei Baudenkmälern natürlich, wie Leipzigs oberster Denkmalschützer Norbert Baron aus eigener Erfahrung weiß: Nicht nur die jeweilige Finanzierung ist individuell, auch das energetische Konzept kann man nur immer am Einzelbeispiel entwickeln.

„Deswegen haben wir darum gekämpft, dass die notwendigen energetischen Gutachten, die eben auch schon ein paar tausend Euro kosten, gefördert werden“, sagt Baron.

Und da das Energieproblem alle betrifft, kann man auch in den nächsten Jahren damit rechnen, dass sich die Marktneuheiten für mögliche energetische Neuansätze im denkmalgeschützten Altbau mehren werden. Worauf sich die professionellen Denkmalschützer natürlich freuen, denn es ist eine Herausforderung und ein nicht unerheblicher Teil der Wirtschaftsleistung.

Die Zeitungen sind zwar voller Gejammer der großen Exportunternehmen, denen gerade die internationalen Absatzmärkte wegbrechen.Aber das Gejammer zeugt nur davon, wie verquer das Bild von modernem Wirtschaften mittlerweile geworden ist. Und gerade die Krisen – von Energiekrise bis Klimakrise – werden dafür sorgen, dass sich dieses Bild zwangsläufig wieder normalisiert. Die Welt braucht keine Autos. Auch wenn an dieser Stelle jetzt gleich eine Menge Leute aufschreien. Aber was sie braucht, sind intakte Städte mit hoher Lebensqualität. Und dazu gehören stabile und ökologisch sinnvolle Siedlungsstrukturen.

Nicht ohne Grund ist das Thema „Energetische Sanierung“ ein Teil der 2012er Mitmach-Aktion der Stadt Leipzig „weiter denken“ geworden. Das ist ein echtes Zukunftsthema. Und auf der „denkmal“ wird man sich dazu ganz gewiss mit Profis unterhalten können. In zahlreichen Schau-Werkstätten wird man Zimmerer, Stukkateure, Parkettleger usw. bei der Arbeit sehen können. Im Fachprogramm zur Messe gibt es gleich reihenweise Veranstaltungen zu Altbausanierung und Stadtumbau, Energetischer Gebäudesanierung und Alternativen Energien für Denkmäler.

Und die „denkmal“ ist natürlich auch eine Messe der Innovationen. Denn wenn Land um Land die Bewahrung seiner historisch wertvollen Baustrukturen als Handlungsfeld für sich entdeckt, dann entstehen natürlich auch neue Märkte und Betätigungsfelder. Und kreative Unternehmen entwickeln immer neue Lösungsansätze für die dabei zu bewältigenden Probleme. Denn ein rekonstruiertes Denkmal – die Alte Nikolaischule ist ja ein Beispiel dafür – vereint immer die alte Bausubstanz mit neuen, technischen Lösungen.

Ein Denkmal ist eben kein Museum. Kann es aber auch sein. Deshalb war 2010 die „MUTEC – Internationale Fachmesse für Museums- und Ausstellungstechnik“ erstmals mit und neben der „denkmal“ zu sehen. 2012 ist sie wieder dabei. Sie ist nun wirklich insbesondere für Fachleute interessant, die sich mit modernen und besucherfreundlichen Präsentationen und Lösungen beschäftigen.

Eine weitere parallele Fachmesse ist die „Lehmbau“, die nun wieder mit dem diesjährigen Leitthema der „denkmal“ korrespondiert: Rohstoff Holz.

Ein Höhepunkt ist natürlich am Samstag, 24. November, um 13:00 Uhr in Messehalle 2 die Verleihung der 10 Goldmedaillen für herausragende Leistungen in der Denkmalpflege in Europa. Die sind – so Kersten Bunke-Njengué – mittlerweile heiß begehrt und gelten unter all den Firmen und Fachleuten, die sich in Europa mit Denkmalschutz beschäftigen, als Gütesiegel.

Die „denkmal“ findet auf der Neuen Messe vom 22. bis 24. November statt. Öffnungszeiten täglich 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr. Es gibt Eintrittskarten ab 10 Euro zu unterschiedlichen Konditionen. Ausnahme: Die Jugendkarte kostet nur 3 Euro. Denn gerade junge Leute will man an das Thema und vor allem einen Beruf in der zukunftsträchtigen Branche heranführen.

Alle anderen Informationen findet man hier: www.denkmal-leipzig.de

Zu „Leipzig weiter denken“: http://weiterdenken.leipzig.de


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