Aus der föderalen Bundesrepublik wird ein Land der Metropolen

Vielleicht hören wir auch an dieser Stelle irgendwann auf, von demografischer Entwicklung zu reden, wenn es gar keine ist, sondern nur so aussieht. Denn mit Demografie haben die Schrumpfungen ländlicher Räume und das Wachstum der Metropolen in Deutschland eigentlich nichts zu tun. Auch wenn Harald Herrmann, Direktor des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), wieder von Demografie geredet hat.
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Seit ein paar Tagen erfreuen sich auch einige der großen Zeitungen an der jüngsten Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), der „Die Raumordnungsprognose 2035 nach dem Zensus“. Auf Grundlage der beim Zensus 2011 ermittelten Zahlen zu Geburten, Haushalten, Erwerbstätigkeit, Umzugsverhalten, Ausbildung usw. versucht das Institut, die Bevölkerungsentwicklung in den deutschen Groß-, Klein- und Mittelstädten und den ländlichen Räumen zu errechnen.

Natürlich liegt hinter der Entwicklung immer „der demografische Wandel“: Die Bundesbürger werden älter, die Geburtenzahlen sind im Keller und reichen nicht aus, um die Bevölkerungszahl zu stabilisieren. Und wenn sich die aktuellen Regierungen bei der Einbürgerungspolitik weiter so dämlich anstellen, wird auch die Zuwanderung nicht reichen, um die Bevölkerung stabil zu halten. Viele politische Fehler summieren sich zu einem demografischen Debakel.

Aber das ist nur der Hintergrund.

Im Vordergrund zeichnet die Raumordnungsprognose etwas anderes, nämlich die räumlichen Folgen einer industriellen Revolution.

„Die Metropolen haben eine enorme Sogwirkung“, zitiert die „Süddeutsche“ den BBSR-Direktor Harald Herrmann. „Wissens- und wertschöpfungsintensive Branchen sind dort konzentriert und haben Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte. Die strukturschwachen Regionen laufen Gefahr, wirtschaftlich weiter zurückzufallen.“

Eigentlich hat der Chef des Instituts, das sich hauptfachlich mit den Bevölkerungsprognosen der Bundesrepublik beschäftigt, damit den Punkt erfasst, um den sich alles dreht. Um den sich demografische Veränderungen seit 200 Jahren eigentlich schon immer gedreht haben. Das Leipziger Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert, als sich die Stadt von einer 31.000-Einwohner-Stadt zu einer mit 456.000 Einwohnern mauserte, hatte ja nichts mit der Schönheit der Stadt, dem guten Klima, der Gebärfreudigkeit der Frauen oder der schönen Musik im Gewandhaus zu tun. Nicht die Bohne. Die Stadt entwickelte sich zu einem Industriestandort (Industrie 1.0), der immer mehr Menschen eine Beschäftigung gab und der Zuzügler aus allen Teilen Sachsens in die wachsenden Arbeiterwohnquartiere Leipzigs zog.

Und dieser Prozess hielt ja bekanntlich bis Ende der 1920er Jahre an.

Und Leipzigs OBM Burkhard Jung kam nicht ganz zufällig auf diesen Vergleich, den er zog zwischen dem Leipziger Bevölkerungswachstum seit 2010 und dem um das Jahr 1900. Das Tempo ist ganz ähnlich. Aber dass die Ursache auch eine ähnliche sein könnte, das hat er vielleicht noch nicht mitgedacht. Denn was man jetzt erlebt, ist die Herausbildung eines neuen Industrielevels – das wir der Einfachheit halber Industrie 4.0 nennen, obwohl die Erfinder dieses Begriffs nur an die intelligente Vernetzung und Steuerung moderner Produktionslinien gedacht haben. So ist das bei Ingenieuren meistens. Sie sehen nur die Technik, ihre Verbände starten große Kampagnen, um die nötigen Fördertöpfe zu öffnen.

Dass aber selbst so etwas Simples wie die elektronische Intelligenz von Produktionsverfahren die Welt der Menschen ändert, das interessiert die Ingenieure meist gar nicht, die Manager ein bisschen. Und die Landes- und Lokalpolitiker sollte es eine ganze Menge interessieren. Denn es führt genau zu dem, was jetzt passiert, während die Eierköpfe in Politik und Wirtschaft noch über eine Komplettversorgung mit Breitband in jedem Kleckernest debattieren und so tun, als hätten sie damit endlich Internet kapiert.

Haben sie nicht.

Denn auch wenn moderne Unternehmen sich über eine schnelle und stabile Breitbandversorgung international vernetzen, heißt das eben nicht, dass sie dabei mit Leuten arbeiten wollen oder können, die in Klein-Kleckersdorf ihren Computer hochfahren. Oder dass sie ihre Produktion einfach schön übers Land streuen und dann nur die Endfertigung irgendwo mit Autobahnanschluss konzentrieren.

Tatsächlich ist die moderne Industrie 4.0 noch viel zentralisierter als alle Industrie-Stufen davor. Schon bei Industrie 3.0, als die Roboterisierung Einzug hielt, war klar, dass diese teuren Produktionen in zentralen Punkten gebaut werden müssen – mit enger Anbindung in alle verfügbaren Logistik-Angebote. Niemand hat solche Produktionshallen auf die „grüne Wiese“ gebaut – zumindest nicht, wenn „der Staat“ nicht gleichzeitig eine Autobahn, eine Eisenbahnanbindung, möglichst noch eine S-Bahn und einen Flughafen hingebaut hat. Ohne diese Komprimierung und die damit verbundene Verringerung von Lieferzeiten hätte schon Phase 3.0 nicht funktioniert.

In Phase 4.0 können sich die Unternehmen überhaupt keine Zeit- und Taktverluste mehr leisten. Was noch viel mehr Konzentration der Standorte verlangt. Denn es müssen auch noch starke Netzknotenpunkte vorhanden sein, eine gesicherte Energieversorgung und natürlich eine gute Anbindung der Arbeitenden. Und – was gern vergessen wird, wenn über Demografie gejammert wird: Diese Arbeitskräfte müssen hochkarätig ausgebildet sein, sollten, wenn schon nicht einen Universitätsabschluss oder einen technischen Hochschulabschluss, dann doch wenigstens einen hochkarätigen Facharbeiterabschluss haben.

Die Arbeiterheere der Industrie 1.0 und 2.0 konnte man in billigen Großwohnquartieren, auch in Baracken, Blechhütten oder Zeltlagern unterbringen. Das waren vor allem Malocher und die schiere Muskelkraft zählte.

Mit Industrie 4.0 geht das nicht mehr. Denn das bedeutet eben nicht nur große Bandbreiten für die Produktionssteuerung, das bedeutet auch Leute, die ihren Kopf zum Denken gebrauchen und – schrecklich: Ansprüche an ihre Lebensqualität stellen. Der moderne „Arbeiter“ hat auch ein modern organisiertes Lebensumfeld mit den komplexen Infrastrukturen, die ihm den vollen Einsatz im Job auch erlauben – von Kita über Gesundheitsversorgung bis Nahversorgung und – ojemine – Kultur und Kneipenmeile. Die jungen Leute, die die moderne Industrie haben möchte, die bleiben nicht in Klein-Kleckersdorf, egal, ob es in Nordhessen liegt, Südbayern oder Meck-Pomm.

Industrie 4.0 ist ein Phänomen, das zwingend auf die Grundstrukturen von Metropolen angewiesen ist.

Und deshalb schält sich jetzt in der Bundesrepublik heraus, was das Zeug zur Metropolregion hat – und was nicht. Das ist das – nur scheinbar demografische – Phänomen, das das BBSR in seiner Raumprognose zeichnet. Schön detailliert. Keine Frage. Aber selbst bei der Frage der Haushaltsgröße bleiben die Studienersteller eigentlich im Denken von Industrie 2.0 hängen, fragen gar nicht, warum gegenwärtig so viele Menschen regelrecht gezwungen sind, als Single zu leben. Oder warum genau die Kinderzahl je Frau so im Keller ist (obwohl das Thema der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie zumindest angerissen wird).

Die Autoren der Studie behandeln das, was sie aus den Veränderungen der letzten Jahrzehnte herauslesen, so, als hätten sie es noch immer mit einem Land der 1950er oder 1960er Jahre zu tun, gar noch mit so etwas wie einer autarken Wirtschaft und einer standortgebundenen Bevölkerung.

Doch das löst sich alles auf – in der Industrie (zu der man eigentlich heute schon einen großen Teil der Dienstleistungswirtschaft rechnen muss) hat es sich längst aufgelöst. Bei der Bevölkerung passiert es gerade. Im Binnenland sowieso. Es gibt nicht mal den Ansatz irgendeiner wirtschaftlichen Entwicklung, die derzeit außerhalb der Metropolkerne wieder irgendwelche belastbaren Wirtschaftsstrukturen schaffen würde. Alles, wirklich alles, was in irgendeiner Weise mit modernen Kommunikationsstrukturen arbeitet und arbeiten muss – zieht in die Metropolkerne. Da ist höchstens die Frage, ob man den Laden direkt in die wachsenden Großstädte setzt oder in die Satelliten-Strukturen drumherum. Wenn sich damit die Qualität der Anbindung an Transportwege nicht verschlechtert und die leistungsstarke Kommunikation nicht beeinträchtigt wird, ist das egal. Wenn dann auch noch die ÖPNV-Strukturen auf 4.0-Standard sind, können sich auch die Arbeitsuchenden aussuchen, ob sie in die Großstadt direkt ziehen oder lieber nach Markranstädt, Borna oder Markkleeberg.

Die Tragik ist nur: Die politischen Strukturen sind noch immer so gedacht wie vor 30 oder 40 Jahren. Und statt die Metropolfunktion zu stärken und alles zu tun, dass man mit „seiner“ Metropole die nächsten Jahrzehnte konkurrenzfähig ist, versuchen sich auch die mitteldeutschen Politiker lieber im Retten von Industrie 2.0.

Aber da sind sie nicht allein. Auch die BBSR-Autoren legen mehr Wert auf das Thema Überalterung als auf die Analyse, warum in den deutschen Metropolzentren die Post abgeht und wie das Politik und Föderalismus zwangsläufig verändern muss. Klammer auf: Es sei denn, die Provinzialregierungen stemmen sich – wie zurzeit – mit Händen und Füßen dagegen. Dann laufen logischerweise auch die Metropolstrukturen mit Bleigewichten. Und die Gefahr droht, dass sie dabei ins Hintertreffen geraten.

Die Prognose des BBSR zeigt jetzt zumindest erstmals, welch eine Wucht hinter der Entwicklung steckt. Und wie das immer schon war bei solchen Häutungen der Wirtschaftsbasis: Gut beraten waren immer nur jene Länder, die die Entwicklung genutzt und unterstützt haben. Es gibt also die einmalige Chance in der Bundesrepublik, jetzt auf den schon längst begonnenen Prozess richtig zu reagieren.

Dass das BBSR mit den Zahlen aus dem Zensus gearbeitet hat und sie auch nicht wirklich hinterfragt, macht vor allem die Wachstumszahlen für Ostdeutschland freilich sehr fragwürdig. Das ist eine eigene Diskussion wert, denn derzeit sieht alles so aus, dass der Metropolkern um Leipzig und Halle sich mit einer Dynamik entwickelt, die das BBSR so nicht erfassen kann.

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Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 1 / 2020

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