USA und Russland sorgten für Dämpfer im sächsischen Export 2016

Für Freikäufer Auch Sachsens Statistiker möchten, dass ihre Arbeit wahrgenommen wird. Denn fleißig sind sie. Sie produzieren nicht nur Pressemitteilungen, sondern auch dicke statistische Berichte, in denen auch Politiker nachlesen können, wie es um den Freistaat steht. Am 31. Juli wurde nun ein neuer dicker Wirtschaftsbericht vorgelegt, den das Statistische Landesamt auch extra mit Ködern für die Presse versah. Ein Köder lautete: Export.
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Denn der taucht fast immer auf, wenn über die wachsende Sächsische Wirtschaftsleistung geschrieben wird. Der Export spült Geld ins Land und sorgt dafür, dass sich manche Wirtschaftsbereiche mausern können und (gut bezahlte) Arbeitsplätze entstehen.

Immerhin verkündeten die Statistiker jüngst erst, wie ordentlich Sachsens Wirtschaftsleistung 2016 gewachsen ist. Mit 118 Milliarden Euro wurde ein neuer Spitzenwert erreicht.

Und das Land scheint im innerdeutschen Vergleich sogar aufzuholen. Denn zu den hervorhebenswerten Punkten gehört nach Ansicht der Landesstatistiker, „dass die sächsische Wirtschaftsleistung im Jahr 2016 gegenüber 2015 preisbereinigt um weitere 2,7 Prozent (Deutschland: 1,9 Prozent) überdurchschnittlich stark gewachsen ist und so zusammen mit Berlin die höchste (reale) Steigerungsrate im Ländervergleich aufwies.“

Dafür gibt es viele Gründe, vom starken Wachstum des Dienstleistungssektors bis hin zur Nachfrage im Bausektor. Aber der Fokus richtet sich immer wieder auf den Export.

Denn bedeutsam, so die Landesstatistiker, sei eben auch, dass „sich die Exportquote – der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz – der sächsischen Industrie (Verarbeitendes Gewerbe und Bergbau sowie Gewinnung von Steinen und Erden) 2016 insgesamt auf 37,0 Prozent belief und in den sechs umsatzstärksten Branchen von 12,4 Prozent bei der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln bis 50,6 Prozent bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen schwankte.“

Wer da nebenbei all die alarmierenden Berichte über den Dieselskandal liest, der wird hellwach. Denn die Autoindustrie ist der umsatzstärkste Zweig der sächsischen Industrie. Seit rund 20 Jahren trägt sie dazu bei, dass sich Städte wie Dresden, Zwickau, Leipzig stabilisiert haben.

Der Blick ins Detail lohnt sich schon. Denn wenn jedes zweite Auto exportiert wird, zeigt das, wie hochgradig abhängig der Autobau in Sachsen vom Export ist.

In Zahlen: Bei einem Umsatz von 17,2 Milliarden Euro wurden Kraftwagen und Ersatzteile im Wert von 8,7 Milliarden Euro exportiert. Im Maschinenbau war es ähnlich, da wurden 8 Milliarden Euro umgesetzt und 4 Milliarden Euro im Export erwirtschaftet.

Insgesamt hat Sachsen Güter und Dienstleistungen im Wert von 36,8 Milliarden Euro exportiert. Seit 2005 hat Sachsen sein Exportvolumen also verdoppelt. Da waren es erst 17,5 Milliarden insgesamt.

Trotz Russland-Sanktionen, muss man sagen. Das Thema taucht ja immer wieder auf. Aber es stimmt auch: Die Exporte in die Russische Föderation haben sich seit 2013, als es noch Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro waren, mehr als halbiert auf 663 Millionen Euro im Jahr 2016. Die Sanktionen in Reaktion auf den Krim-Einmarsch sind seit 2014 in Kraft.

Russland hat damit aufgehört, einer der wichtigsten Handelspartner Sachsens zu sein. Die Stelle nehmen andere Länder ein. Und zwar nicht erst seit 2014. Gerade China hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem der wichtigsten Käufer für sächsische Produkte entwickelt.

So bemerken denn auch die Landesstatistiker, dass „vom Gesamtimport Sachsens 2016 drei Viertel vom europäischen Kontinent mit Tschechien (20 Prozent aller Einfuhren) an der Spitze kamen, während auf Seiten des Exports die Volksrepublik China (15 Prozent aller Ausfuhren) den mit Abstand wichtigsten sächsischen Außenhandelspartner darstellte.“

Hinter den 15 Prozent stehen 5,5 Milliarden Euro Umsatz. Wenn man mal von der so wichtigen europäischen Staatengruppe absieht, sind es die USA, die mit 3,5 Milliarden Euro gleich dahinter kamen – mit deutlichem Dämpfer gegenüber 2015, da waren es noch 4,6 Milliarden. Aber da begann eben auch die ganze Diesel-Diskussion. Innerhalb Europas sind es bislang Großbritannien mit 2,2 Milliarden Euro Warenabsatz und Frankreich mit 2,1 Milliarden, die für sächsische Exporteure besonders wichtig sind, gefolgt von Polen mit 1,9 Milliarden und steigender Tendenz.

Man möchte fast auf Zehenspitzen laufen, denn damit wurden schon vier Länder (Russland, USA, Großbritannien, Polen) genannt, in denen politische Rumpelkurse dafür sorgen, dass über den Handelsbeziehungen mit Sachsen ein paar dicke Fragezeichen stehen. Gerade Polen und gleich dahinter Tschechien mit 1,7 Milliarden Euro Abnahme sächsischer Waren sind wirtschaftlich auf einem Weg der Konsolidierung. Umso frappierender ist natürlich, dass die Politik trotzdem auf einen konservativen Abschottungskurs setzt, weil man augenscheinlich freien Handel und Wirtschaftskonjunktur nicht mit freier gesellschaftlicher Entwicklung zusammen denken kann.

Ein Problem, das augenscheinlich alle Konservativen in aller Welt haben. Sie reden zwar gern vom „freien Markt“ – aber das Volk, diesen unberechenbaren Lümmel, wollen sie gern reglementieren und kontrollieren und am freien Entfalten hindern.

Dazu kommt, dass kein „Boom“ ewig anhält. Gerade China und die USA haben 2016 beide einen deutlichen wirtschaftlichen Dämpfer erhalten. Insbesondere die gedrosselte Nachfrage aus den USA und Russland hat den sächsischen Export gedämpft von 38,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf 36,8 Milliarden im Jahr 2016. Die politischen Wirtschaftskriege der Großen gehen also auch an Sachsen nicht spurlos vorbei.

Natürlich stehen im Wirtschaftsbericht noch ein paar andere Sachen, die für Sachsens Wohlergehen wichtig sind. Zum Beispiel die mit der Beschäftigungsentwicklung.

Darum kümmern wir uns gleich an dieser Stelle.

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ExportWirtschaftsbericht
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