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Arbeitsagentur mahnt: Sachsen muss seine verlorenen Arbeitskräfte zurückgewinnen

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    Die moderne Wirtschaft ist eine, in der die Erwerbstätigen ständig auf Achse sind. Hundertausende Sachsen sind täglich unterwegs, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen - viele davon außerhalb des Freistaats. Und diese Zahl ist sogar noch gestiegen, meldete am Montag, 29. Januar, die sächsische Arbeitsagentur.

    Die sächsischen Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Allein vergangenes Jahr wurden 117.000 freie Arbeitsstellen den Arbeitsagenturen und gemeinsamen Jobcentern gemeldet – so viele wie nie zuvor. Gleichzeit ist die Zahl der Menschen, die Sachsen zum Arbeiten verlassen, weiter gestiegen. Im vergangenen Jahr sind 138.800 Frauen und Männer ausgependelt, um einer Beschäftigung außerhalb des Freistaats nachzugehen. Das waren 2.100 mehr als im Jahr 2016.

    Gleichzeit ist die Zahl der Einpendler auf bisher höchstes Niveau seit dem Jahr 2000 gestiegen. Insgesamt haben 120.000 Frauen und Männer aus anderen Bundesländern oder dem Ausland in Sachsen gearbeitet. Damit liegt der Pendlersaldo in Sachsen immer noch im negativen Bereich – es verlassen 18.800 mehr Menschen den Freistaat für die Arbeit, als für eine Beschäftigung einpendeln. Das geht aus der heute veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

    „Ich freue mich, dass es immer mehr Menschen nach Sachsen zieht. Denn Sachsen ist ein attraktives und modernes Land“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Und: „Es tut mir nur weh, dass es immer noch deutlich mehr Auspendler gibt. Sächsische Unternehmen suchen händeringend gute Fachkräfte, die leider noch zu oft in andere Bundesländer fahren, um dort zu arbeiten. Das können wir uns mit dem Blick auf die hohen Fachkräftebedarfe nicht mehr leisten. Sachsen braucht Zuwanderung und wir helfen dabei! Deshalb müssen wir rückkehrwillige Menschen und Auspendler zurückgewinnen. Nur so bleiben sächsische Betriebe im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig …“.

    Und auch die Abwanderung guter Fachkräfte ist noch längst nicht beendet.

    Vergangenes Jahr haben 138.825 Frauen und Männer ihre Heimat Sachsen verlassen, um in anderen Regionen zu arbeiten. Damit ist die Zahl der Auspendler aus Sachsen um 1,6 Prozent gestiegen. Im Jahr 2016 lag deren Zahl noch bei 136.676. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der Einpendler nach Sachsen gestiegen.

    Mit aktuell 119.992 Einpendlern und 138.825 Auspendlern liegt der Pendlersaldo bei minus 18.833. Damit gehen der sächsischen Wirtschaft immer noch viele Menschen und damit Fachkräfte verloren. Denn über neunzig Prozent der Auspendler sind Fachkräfte mit einer betrieblichen oder akademischen Ausbildung.

    Fast jeder 14. Beschäftigte in Sachsen ist ein Einpendler

    Im Juni 2017 haben 93.001 Frauen und Männer ihren Wohnort verlassen, um in Sachsen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachzugehen. Die Einpendler kommen aus: Schleswig-Holstein (732); Hamburg (752); Niedersachsen (2.772); Bremen (217); Nordrhein-Westfalen (4.573); Hessen (2.444); Rheinland-Pfalz (1.081); Baden-Württemberg (3.690); Bayern (6.797); Saarland (150); Berlin (5.818); Brandenburg (17.779); Mecklenburg-Vorpommern (2.161); Sachsen-Anhalt (35.190); Thüringen (20.879); Ausland (14.957).

    Fast jeder zwölfte Sachse pendelt in andere Bundesländer zum Arbeiten

    Im Juni 2017 haben 138.825 Menschen ihren Wohnort Sachsen verlassen, um in anderen Bundesländern zu arbeiten. Die meisten Auspendler arbeiteten in Schleswig-Holstein (1.372); Hamburg (2.360); Niedersachsen (5.830); Bremen (513); Nordrhein-Westfalen (12.156); Hessen (6.935); Rheinland-Pfalz (2.807); Baden-Württemberg (10.945); Bayern (26.686); Saarland (390); Berlin, Stadt (10.218); Brandenburg (16.158); Mecklenburg-Vorpommern (1.203); Sachsen-Anhalt (24.086); Thüringen (17.166).

    „Der sächsischen Wirtschaft geht es zurzeit sehr gut. Damit das so bleibt, brauchen wir Fachkräfte und für sie attraktive Arbeitsbedingungen. Gute Löhne sind dabei ein entscheidendes Kriterium, da haben wir an vielen Stellen in Sachsen noch großen Aufholbedarf“, sagte bei der Gelegenheit Martin Dulig, Sachsens Arbeitsminister (SPD). „Das sehen wir auch ganz deutlich bei den Gründen für das Pendeln in ein anderes Bundesland. Wir brauchen insgesamt einen Kulturwandel hin zu einem sozialpartnerschaftlichen Verständnis von Wirtschaft und Arbeit, wir brauchen ‚Gute Arbeit für Sachsen‘. Die Arbeitnehmer sind keine Bittsteller, sondern wichtige Säulen des wirtschaftlichen Erfolges unseres Landes. Gute Wirtschaft und gute Arbeit sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.“

    In allen Bereichen hat Sachsen mit dem Problem zu kämpfen, dass die Entlohnung für dieselbe Arbeit hier deutlich schlechter ist als in westlichen Bundesländern. Das betrifft Pädagogen genauso wie Ingenieure und – als jüngstes Thema: Pflegekräfte in Seniorenheimen. In vielen Heimen musste schon ein Aufnahmestopp verhängt werden, weil die Pflegekräfte fehlen.

    Aus Sicht der Arbeitsagentur könnte eine Werbung um die Auspendler helfen. Aber das Hauptproblem ist nicht die Arbeit, sondern das Geld.

    Geld als Hauptmotiv für Pendler

    Die Motive für das Pendeln können sein: Verdienste, Arbeits- oder Rahmenbedingungen (Weiterbildungsmöglichkeiten, Arbeitszeitverteilung, Karrierechancen etc.), gute Infrastruktur in benachbarte Länder, stellt selbst die Arbeitsagentur fest. Sachsen ist keine Insel. Und deshalb ist auch der viel gerühmte Arbeitsmarkt keine Insel. Erwerbstätige zieht es dahin, wo die Beschäftigungs-Konditionen besser sind.

    Da haben Unternehmen, die noch immer im Niedriglohnbereich versuchen, Arbeitskräfte zu binden, immer schlechtere Karten. Selbst wenn die Auftragslage im Land gut ist.

    Der Hoffnungsschimmer aus Sicht der Arbeitsagentur: Auffällig ist, dass die Einpendlerzahlen wiederholt deutlich kräftiger (absolut und prozentual) gestiegen sind, als die Auspendlerzahlen. Das ist ein Indiz für die zunehmende Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Sachsen und natürlich mit der hohen Einstellungsbereitschaft der sächsischen Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Handel, der Dienstleistung und dem traditionellen Handwerk verbunden.

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