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Die Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen in Sachsen haben sich seit 2008 mehr als verdoppelt

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    Am 26. Juni machte es die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) wieder zum Thema, wie es Bauern unter Druck bringt, wenn nichtlandwirtschaftliche Investoren sich einkaufen in Landwirtschaftsbetriebe. In diesem Fall war ein großer Autohausbesitzer Ziel ihrer Aktion. Dieser Zugriff finanzstarker Investoren sorgt auch dafür, dass die Preise für landwirtschaftliche Flächen exorbitant steigen. Der Effekt ist auch Sachsen zu sehen.

    Auch wenn Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Wolfram Günther meint, der Kauf landwirtschaftlicher Flächen durch Nichtlandwirte sei eigentlich kein Thema. Wenn sie gleich die Agrarbetriebe kaufen, bleibt das Land ja im Besitz des Agrarbetriebs, auch wenn ein nichtlandwirtschaftlicher Investor nun den Zugriff darauf hat.

    Und da klafft dann auch in Sachsen ein riesiges Statistik-Loch, wie Thomas Schmidt auf Günthers Frage hin zugestehen muss: „Wie groß der Anteil von Nichtlandwirten beim Flächenumsatz als Erwerber von landwirtschaftlich genutzten Flächen ist und wie viele Hektar Fläche zu welchem durchschnittlichen Kaufpreis an nichtlandwirtschaftliche Investoren veräußert wurde, kann aufgrund fehlender amtlicher Statistik nicht abschließend beantwortet werden. Eine entsprechende Merkmalserfassung ist bisher bundesgesetzlich nicht geregelt.“

    Das einzige, was man habe, so Schmidt, seien „Primärdaten aus dem Genehmigungsvollzug des Grundstückverkehrsgesetzes durch die unteren Landwirtschaftsbehörden im Freistaat Sachsen“. Danach konnte 2017 „ein Anteil von Nichtlandwirten als Erwerber beim Flächenumsatz von 0,9 Prozent mit 42,8117 Hektar LF von insgesamt 1.157 Verträgen mit 4.696 Hektar reiner LF ermittelt werden. Für die knapp 43 Hektar LF ergibt sich somit ein durchschnittlicher Kaufpreis, gewichtet nach Fläche von 14.451 Euro/Hektar.“

    Dass es zumindest bis 2017 keine wie von der AbL kritisierten Übernahmen landwirtschaftlicher Betriebe durch nichtlandwirtschaftliche Investoren gab, könnte eine Studie des Thünen-Institutes belegen, so Schmidt: „Nach einer wissenschaftlichen Studie des Thünen lnstitutes Braunschweig zum Thema ,Überregional aktive Kapitaleigentümer in ostdeutschen Agrarunternehmen: Entwicklungen bis 2017‘, wurden unter anderem in zwei untersuchten Beispielregionen des Freistaates Sachsen im Zeitraum von 2007 bis 2017 keine Agrarbetriebe in Form juristischer Personen einschließlich ihrer landwirtschaftlich genutzten Eigentumsflächen übernommen beziehungsweise an außerlandwirtschaftliche Investoren veräußert. Von verschiedenen Investoren gleichwohl erworbene Flächen lagen nach Kenntnis der Staatsregierung in ausgewiesenen Gewerbegebieten oder im Bereich von B-Planflächen (bauplanungsrechtlich bereits umgewidmete ehemalige Landwirtschaftsflächen, statistisch beispielsweise Siedlungs- und Verkehrsflächen oder Bergbauflächen).“

    Damit hätte sich dann auch eine Vorläuferstudie des Thünen-Instituts von 2015 bestätigt.

    Doch spurlos geht der Druck der Investoren nicht am Preis für landwirtschaftliche Flächen in Sachsen vorbei, auch wenn eigentlich nur Landwirte auch landwirtschaftliche Flächen kaufen oder pachten dürfen. Sachsenweit haben sich die Bodenpreise für den Hektar landwirtschaftlicher Fläche seit 2008 mehr als verdoppelt. Damals wurde der Hektar im Schnitt für 4.997 Euro verkauft. Insgesamt wurden damals Landwirtschaftsflächen für 36 Millionen Euro verkauft.

    2014 und 2016 erreichten diese Verkäufe mit 86 bzw. 88 Millionen Euro besondere Spitzenwerte, auch wenn 2016 die verkaufte Fläche mit 7.502 Hektar nur wenig über den 7.239 Hektar des Jahres 2008 lag.

    2017 gingen sogar nur 5.380 Hektar an neue Besitzer über. Dafür aber wurden wieder durchschnittliche Hektarpreise von 11.663 Euro aufgerufen (2016: 11.809 Euro).

    Gestiegen sind die Hektarpreise in ganz Sachsen, auch wenn der Hektarpreis deutlich schwankt, was weniger mit der Nähe zu den Großstädten zu tun hat, wo Bauland rar und teuer geworden ist, sondern mit der Bodenqualität. Die schlechtesten Böden Sachsens findet man im Erzgebirge, wo die verkauften Landwirtschaftsflächen eine Ertragsmesszahl knapp über 30 haben (was mit dem Hektarpreis von 7.392 Euro korrespondiert), die wertvollsten Böden gibt es ausgerechnet in Leipzig, wo 2017 die verkauften Flächen im Schnitt eine Ertragsmesszahl von 57,2 hatten. Dafür wurden dann schon 22.575 Euro je Hektar gezahlt.

    In Leipzig ist der Hektar Landwirtschaftsfläche besonders stark im Preis gestiegen von 6.695 Euro im Jahr 2008 auf besagte 22.575 Euro.

    Und auch in den benachbarten Landkreisen sind die Hektarpreise deutlich gestiegen, im Landkreis Leipzig von 6.125 auf 17.031 Euro und in Nordsachsen von 6.025 auf 14.502 Euro. Beide Kreise haben zwar auch hohe Ertragsmesszahlen von über 50. Aber die Umsatzsteigerungen in der Landwirtschaft rechtfertigen alle diese Preissteigerungen beim Boden nicht. Denn es gibt sie nicht. 2008 erreichte die Land- und Forstwirtschaft in Sachsen noch eine Bruttowertschöpfung von 935 Millionen Euro. Danach kamen viele der in Sachsen produzierten landwirtschaftlichen Produkte preislich massiv unter Druck. 2014 konnte mit 1,099 Milliarden Euro mal ein Spitzenwert erzielt werden. Doch schon im Folgejahr stürzte die Bruttowertschöpfung wieder auf 731 Millionen ab, berappelte sich 2016 auf 997 Millionen, um dann 2017 wieder auf 874 Millionen zu sinken. Die Zahlen für das Dürrejahr 2018 liegen noch nicht vor. Sie dürften wieder deutlich darunter liegen.

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