Zubau von Windkraftanlagen: Auch im ersten Halbjahr 2020 ist Sachsen Schlusslicht unter den Flächenländern

Für alle LeserSeit 2009 hat der Freistaat Sachsen den Ausbau der Windenergie massiv ausgebremst – auch im Sinn einer immer noch auf Kohle setzenden Wirtschaftspolitik. Aber die ausgebremste Windkraft wird das Verschwinden der Kohlemeiler nicht aufhalten. Es sorgt nur dafür, dass Sachsen ausgerechnet bei Erneuerbaren immer mehr zum deutschen Schlusslicht wird. Die Fehler der vergangenen zehn Jahre sind noch nicht korrigiert, mahnt der Landesverband des WindEnergie e. V..

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 hat sich dieses Jahr zwar einiges verbessert in Sachsen, was Ausbau und Planung der Windenergie betrifft. Das liegt aber vor allem an dem niedrigen Vorjahresniveau, stellt Prof. Martin Maslaton, Landesvorsitzender des Bundesverbandes WindEnergie e. V. (BWE), fest. Während im Vergleichszeitraum keine einzige Anlage neu ans Netz ging und nur 3,2 Megawatt (MW) neu genehmigt wurden, wurden dieses Jahr immerhin 20,7 MW zugelassen und 5,6 MW ans Netz gebracht.

Nur zwei neue Windanlagen mit 5,6 Megawatt gingen im ersten Halbjahr 2020 in Sachsen ans Netz. Damit bildet der Freistaat das Schlusslicht im bundesdeutschen Vergleich: Schlechter schneiden nur die Stadtstaaten ab, wie die aktuellen Zahlen der Fachagentur Wind zeigen. Der BWE Landesverband Sachsen fordert deshalb eine Beschleunigung der Planungsprozesse.

Von einem Erfolg könne angesichts der aktuellen Zahlen der Fachagentur Windenergie trotzdem keineswegs die Rede sein, so Maslaton. Denn in nahezu allen anderen Bundesländern wurde der dringend notwendige Ausbau zügiger vollzogen. Auch Baden-Württemberg, Saarland und Schleswig-Holstein erreichten zwar nur einen Zubau von drei Anlagen, diese jedoch mit einer höheren Nennleistung.

Auch in der Zulassung noch nicht in Betrieb befindlicher Windenergieanlagen steht Sachsen auf den hintersten Plätzen: Während Nordrhein-Westfalen 60 und Brandenburg 51 neue Windkraftanlagen genehmigten, liegt die sächsische Bilanz für das erste Halbjahr bei fünf Anlagen. Der Vorstand des BWE Sachsen sieht der Entwicklung des EKPs mit Sorge entgegen, weil die Umsetzung in den Regionalplänen realistisch kaum zeitnah erfolgen wird.

„Die sächsische Staatsregierung muss jetzt unbedingt handeln“, so Prof. Dr. Martin Maslaton, Vorsitzender des BWE Landesverbandes Sachsen. Denn laut aktuellem Koalitionsvertrag soll bis 2024 ein Zubau-Zwischenziel von 4TWh Erneuerbarer Energien erreicht werden – der Hauptteil davon durch Windenergie.

Noch in dieser Legislaturperiode will die Regierung laut eigener Aussage bis zu 250 neue Anlagen in Sachsen ermöglichen. Sichtbar ist davon aktuell noch nichts: Solange substanziell neue beplanbare Flächen nicht rasch ausgewiesen werden, ist man in Sachsen kein Stück weiter.

Die Staatsregierung müsse daher die Aktualisierung veralteter Regionalpläne auf Basis ihres Koalitionsvertrages vorantreiben und für eine schnelle Neuausweisung von Gebieten sorgen. Besonders unter Berücksichtigung eines erhöhten Energiebedarfs für die Nutzung von grünem Wasserstoff sind die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag dringend einzuhalten.

„Wenn bis Ende 2020 sächsische Windanlagen mit über 200 MW aus der EEG-Vergütung fallen und voraussichtlich rückgebaut werden, haben wir einen Netto-Rückgang der installierten Leistung im Freistaat. Dann scheitert das Land an seinen eigenen Klimazielen.“ Allein im ersten Halbjahr 2020 wurden in Sachsen vier Windanlagen mit insgesamt 3 MW stillgelegt – der Nettozubau verringert sich in diesem Zeitraum entsprechend auf nur noch 2,6 MW. Zum Vergleich: Selbst im windkraft-blockierenden Bayern gab es im gleichen Zeitraum einen Netto-Zubau von 23 MW.

„Wir müssen unbedingt verhindern, dass wir in den nächsten Jahren einen Netto-Rückbau bekommen. Bei den meisten Anlagen, die Ende des Jahres aus dem EEG fallen, ist noch völlig ungewiss, ob sie repowert oder weiterbetrieben werden können“, so Martin Maslaton.

Das ist nicht nur eine Frage des Umweltschutzes: Auch die Anzahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energie ist in Sachsen rückläufig. „Wenn Sachsen auch nach dem Ende der Braunkohle Energieland bleiben will, muss zügig und mit Nachdruck an der Umsetzung der Ziele in allen Bereichen der Erneuerbaren Energien gearbeitet werden. Dies ist derzeit nicht erkennbar.“

Windkraft-Stau an Land führt 2020 zu höherem Strompreis und mehr CO2-Ausstoß

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