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Dresden und Leipzig landen im ADAC-Monitor „Mobil in der Stadt“ auf den ersten beiden Plätzen

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    Das haut rein, was der ADAC am Mittwoch, 29. November, zu melden hatte: „Dresdner und Leipziger sind insgesamt am zufriedensten mit dem städtischen Verkehr. Mit größerem Abstand folgen Hannover, Bremen und München. Am wenigsten zufrieden sind die Nutzer in Köln und Duisburg, auch Berlin und Stuttgart können nicht überzeugen.“ Und mit Verkehr meint der ADAC nicht nur Auto.

    Im Frühsommer hat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) repräsentativ Bewohner und Einpendler in den 15 deutschen Großstädten befragt – und zwar zum kompletten Verkehrsangebot: zu Zufriedenheit der Autofahrer mit den örtlichen Verkehrsverhältnissen, die Nutzer des ÖPNV, Fußgänger und Radfahrer. Und in fast jeder Kategorie landet Leipzig auf Platz 1, zeigen sämtliche Verkehrsteilnehmer eine überdurchschnittliche Zufriedenheit.

    Insbesondere Pkw-Fahrern und Radlern bietet Leipzig die besten Bedingungen im Vergleich unter den 15 größten deutschen Großstädten.

    Bei Fußgängern ist es ein guter dritter Platz hinter Dresden und München. Und beim ÖPNV zeigt sich, dass gerade die beiden sächsischen Straßenbahnstädte Dresden und Leipzig die besten Karten haben in der am Mittwoch, 29. November, vorgelegten repräsentativen bundesweiten Befragung „Mobil in der Stadt“.

    In der Gesamtwertung aller vier Teilkategorien erzielte die sächsische Landeshauptstadt die höchsten Indexwerte, Leipzig belegt den zweiten Platz. Während Dresden in den Teilkategorien ÖPNV und Fußverkehr an der Spitze liegt, ist in Leipzig die Zufriedenheit in den anderen beiden Teilkategorien, dem Kfz- und dem Radverkehr bundesweit am ausgeprägtesten.

    Der erste Rang, den Leipzig hier innehat, beruht laut „Mobil in der Stadt“ auf den Urteilen der Befragten in Sachen Radverkehr über die Direktheit der Wege und den Zustand der Radwege und bei Pkw-Fahrern vor allem auf den Urteilen über die Zuverlässigkeit der Zielerreichung (z. B. Staufreiheit), die Straßenverkehrsinfrastruktur und die Ampelschaltungen. Mindestens 600 Personen wurden in jeder Stadt befragt.

    Zufriedenheitswerte mit dem ÖPNV. Grafik: ADAC Monitor
    Zufriedenheitswerte mit dem ÖPNV. Grafik: ADAC Monitor

    Und das Ergebnis bestätigt vor allem eines: Dass Leipzig mit seiner Verkehrspolitik augenscheinlich auf dem richtigen Weg ist. Denn erst die Mischung macht es.

    „Stadtrat und Stadtverwaltung haben in den letzten 26 Jahren auch unter immer wieder intensiver Bürgerbeteiligung sowohl konzeptionelle Planwerke für die Gestaltung der Mobilität auf den Weg gebracht als auch jede Menge konkrete Bau- und andere Maßnahmen beschlossen und umgesetzt“, kommentiert Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau das Ergebnis. „Das wichtigste Ziel dabei waren Mobilitätslösungen für alle Verkehrsarten, die an die Stadtstruktur Leipzigs angepasst sind und die Lebensqualität zu verbessern helfen. Das hat sich ganz offensichtlich bewährt. In allen vier Verkehrsarten liegt Leipzig unter den ersten drei Städten. Und dass die Zufriedenheit gerade bei den beiden Verkehrsarten Kfz und Fahrrad am höchsten im deutschlandweiten Großstadtvergleich ist, könnte ja vielleicht helfen, einige Diskussionsausschläge in die eine oder andere Richtung zu relativieren. Wir freuen uns über dieses Ergebnis und verstehen es als Aufforderung, auch bei der aktuell laufenden Diskussion zu den Mobilitätsszenarien für Leipzig und der folgenden zum Nahverkehrsplan der Stadt, auf Diskussion und stadtverträgliche Lösungen zu setzen, welche die Mobilitätschancen für alle erhalten und weiter verbessern.“

    Die erwähnten „Diskussionsausschläge“ sind ja die bekannten heißen Diskussionen um ÖPNV und Radverkehr in der Stadt, die beide erst in den letzten Jahren wieder stärker ins Zentrum der Leipziger Verkehrspolitik gerückt sind. Die Zufriedenheit der Autofahrer war übrigens in allen Städten geringer als die der anderen Verkehrsteilnehmer. Was seinen Grund auch darin hat, dass sie augenscheinlich auch die kompliziertere Verkehrsart gewählt haben, wo sie sich über das Verhalten der Radfahrer genauso aufregen wie über hohe Parkgebühren, fehlendes Parkraumangebot und unübersichtliches Baustellenmanagement. Alles Dinge, bei denen man sich fragt: Warum steigen sie dann nicht um?

    Zufriedenheitswerte der Pkw-Nutzer. Grafik: ADAC-Monitor
    Zufriedenheitswerte der Pkw-Nutzer. Grafik: ADAC-Monitor

    Denn ÖPNV-Nutzer sind (auch wenn sie sich über die Fahrpreise ärgern und die schlechten Störungsdurchsagen), deutlich zufriedener mit ihrem Fortkommen als Autofahrer. Nur vier Städte erreichen überhaupt einen positiven Zufriedenheitswert bei Pkw-Nutzern: Leipzig, Dortmund, Dresden und Bremen. In allen anderen Städten ist die Autofahrerlaune im Keller. Und darunter sind lauter Städte, die ihr Straßensystem deutlich stärker ausgebaut haben als Leipzig. Ganz unübersehbar macht das Rezept „Mehr Straße = besserer Verkehr“ keinen wirklichen Sinn.

    Wirklich flüssiger wird Verkehr erst dann, wenn es für Mobilität auch ein gut ausgebautes alternatives Angebot gibt, das auch leistungsfähig genug ist, die Straßen von motorisiertem Individualverkehr zu entlasten. Die Dresdner Zufriedenheitszahlen im ÖPNV zeigen, dass selbst die alte Straßenbahnstadt Leipzig hier noch gewaltig Luft nach oben hat, während die Zufriedenheitswerte im Radverkehr jetzt schon zeigen, dass die 2012 aufgelegte Radverkehrsplanung wirkt und positive Wirkungen zeigt.

    Was den auch anderorts sichtbaren Konflikt nicht vermeiden kann: Die Autofahrer schimpfen über die Radfahrer, die Radfahrer kritisieren das Verhalten der Autofahrer – aber auch das Verhalten anderer Radfahrer. Ein Aspekt, der in der Leipziger Diskussion gern vergessen wird: dass nämlich immer mehr Menschen, die sonst nur in der Freizeit Rad fuhren, auch im Alltag das Rad öfter benutzen für den Weg zur Arbeit oder zum Einkauf und dabei von rücksichtlosen „Kampfradlern“ immer wieder in gefährliche Situationen gebracht werden.

    Und da kommt man dann zur alten Rolle des Autos, das bislang als ideales Zielerreichungsmittel galt. In einer mit Radwegen gut ausgestatteten Stadt nimmt auf kürzeren Strecken das Fahrrad diese Rolle ein: die höchsten Zufriedenheitswerte bekommt das Fahrrad in Leipzig für den Aspekt „Zuverlässigkeit mit der man Ziel in gepl. Zeit erreicht“ (52 Prozent).

    Zufriedenheitswerte der Radfahrer. Grafik: ADAC-Monitor
    Zufriedenheitswerte der Radfahrer. Grafik: ADAC-Monitor

    Noch spannender wird das Thema, wenn Einwohner und Einpendler verglichen werden. Denn Einpendler können in der Regel die vorgefundene Situation mit der Situation an ihren Herkunftsorten vergleichen. Und da fällt auf, dass die Leipziger selbst den Pkw-Verkehr mit 3 Punkten im Plus deutlich schlechter bewerteten als die Einpendler (14). Und dasselbe Bild gibt es beim ÖPNV mit einem Verhältnis von 33 zu 44: Die Einpendler wissen also das Leipziger Verkehrsangebot deutlich mehr zu schätzen als die Leipziger selbst, die ihre Stadt oft nur aus der Mustopp-Perspektive betrachten und nicht mitbekommen, wo die Stadt in ihrer Verkehrspolitik tatsächlich steht und wie viele Probleme gerade die westdeutschen Autostädte haben.

    Leipzig ist gut beraten, weiter an einer sinnvollen Mischung zu arbeiten, die vor allem Radverkehr und ÖPNV stärkt. Denn die Probleme beim fehlenden Stellplatzangebot setzen dem Pkw-Verkehr knallharte Grenzen, die sich auch mit neuen Straßen und Ringsystemen nicht lösen lassen. Oder mal so gesagt: pkw-mäßig ist Leipzigs Innenstadt dicht. Da geht kaum mehr rein. Und den Herzmuskel stärken kann man vor allem mit sichereren Radwegen und einer größeren Durchlassfähigkeit für die Straßenbahn.

    Alles spricht dafür, dass Leipzig ein Mobilitätsszenario im Umfeld der beiden Szenarien „Fahrradstadt“ bzw. „Nachhaltigkeit“ umsetzt.

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