Für den Ausbau des Radnetzes in Sachsen fehlen die Planer

Radwegebau in Sachsen fällt auf neues Rekordtief

Für alle LeserNicht nur die Grünen hatten darauf gewartet, dass sich mit einem SPD-Mann als Verkehrsminister endlich etwas tut im sächsischen Radverkehr, dass endlich in spürbarem Umfang neue Radwege gebaut werden. Aber die Wahlperiode geht zu Ende und der Radwegebau kleckert – trotz höherer Fördersummen – noch immer hinterher. Der Verdacht, den Katja Meier hat: Es fehlt am Fahrrad-Personal im Landesamt.

Der Neubau von Radwegen an Staats- und Bundesstraßen in Sachsen kommt nicht voran. Im Jahr 2018 wurde sogar ein neues Rekordtief erreicht: gerade einmal 11 km Radwege wurden im Verantwortungsbereich des sächsischen Verkehrsministeriums innerhalb eines Jahres neu gebaut. Das geht aus einer Antwort von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf die jüngste Kleine Anfrage von Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen hervor. An Bundesstraßen wurden 2018 in Sachsen 6 km (2017: 4 km) Radwege neu gebaut, an Staatsstraßen 5 km (2017: 8 km).

Bundesweit verfügen 25 Prozent der Landesstraßen über Radwege, in Sachsen aber stagniert dieser Wert bei knapp 11 Prozent. Von 4.750 km Staatsstraße verfügen lediglich 524 km über Radwege.

„Die Bilanz nach fünf Jahren Amtszeit ist verheerend: Gerade einmal 42 km Radwege an Staats- und 46 km an Bundesstraßen wurden gebaut“, sagt Katja Meier. „Um bis Ende 2025 den bundesweiten Durchschnitt zu erreichen, müsste Sachsen jährlich 95 km Radwege an Staatsstraßen bauen. Davon sind wir weit entfernt, denn aktuell befinden sich lediglich 19 km Radwege an Staatsstraßen in Planung. Und auch an den Bundesstraßen werden derzeit nur 37 km Radwege geplant.“

Das ergab die Antwort auf die jüngste Kleine Anfrage.

„Wie in den Vorjahren hat die CDU-SPD-Koalition dem Radwegebau im aktuellen Doppelhaushalt nur 8,3 Millionen Euro pro Jahr zugestanden. Ich frage mich, wie mit diesem Budget die aktuellen Planungen auch gebaut werden sollen. Klar ist: Für eine Aufholjagd im Vergleich zu anderen Bundesländern reicht es auf jeden Fall hinten und vorne nicht“, stellt Katja Meier fest.

Und dazu kommt dann augenscheinlich noch ein gravierender Personalengpass im für Straßen- und Radwegebau zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV).

„Woran es im LASuV offensichtlich fehlt, sind ausreichende Planungskapazitäten und die notwendigen Fachkräfte, die sich ausschließlich mit Radverkehr beschäftigen“, vermutet Katja Meier.

„Die für die Planung und Umsetzung von Radverkehrsprojekten im gesamten Freistaat Sachsen zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind chronisch überlastet. Das Verkehrsministerium wird der wachsenden Bedeutung des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel auch zum Ende der Legislatur nicht gerecht. Der Stellenaufwuchs im aktuellen Doppelhaushalt um elf Stellen im LASuV war entweder nicht ausreichend, um in der Planung von Radwegen entscheidend voranzukommen oder die Prioritäten werden immer noch falsch gesetzt. Damit endlich eine zukunftsweisende Radverkehrspolitik im Freistaat Sachsen vorankommt, fordern wir, dass sich entsprechendes Personal im LASuV mit 12 Vollzeitstellen explizit der Planung von Radwegen annimmt. Auch werden wir nicht müde, ein eigenes Fachreferat, das Rad- und Fußverkehrsbelange im Blick hat, im SMWA zu fordern.“

Dieses Nachkleckern hat übrigens Folgen. Denn wo sichere Radwege fehlen bei wachsendem Radverkehr, kommt es zwangsläufig zu mehr Unfällen mit Radfahrern.

„Wer die Zahl der verunglückten Radfahrer und Radfahrerinnen senken will, muss deutlich mehr für eine sichere Infrastruktur tun“, findet Meier. „Davon ist in Sachsen leider nicht viel zu sehen. Im Jahr 2018 wurden in Sachsen 4.111 Radfahrer und Radfahrerinnen bei Verkehrsunfällen verletzt. Die Zahl der tödlich Verunglückten stieg auf 34. Radfahrende Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer müssen dringend besser geschützt werden. Entscheidend ist hierbei, ob eine sichere Fahrradinfrastruktur vorhanden ist.“

Leipzig investiert nicht einmal halb so viel in den Radverkehr, wie vom Stadtrat beschlossen

Radnetzplanung
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Verschwörungsmythen: Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden
Holm Gero Hümmler: Verschwörungsmythen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie sogenannten „sozialen Medien“ haben im Internet einen Effekt erzeugt, der seit einigen Jahren auch in die reale Welt schwappt: Mit ihren Algorithmen führen sie Menschen zusammen, die sich ohne Facebook & Co. nie im Leben begegnet wären. Aus einzelnen „Verschwörungstheoretikern“ wurden auf einmal scheinbar große Netzwerke von Menschen, die den allergrößten Unsinn für wirklich halten, als hätten sie in der Schule gar nichts gelernt.
Ohne uns kein wir: Am 29. Juni findet das dritte „Leipziger Frauen*festival“ statt
Leipziger Frauen*festival am 29. Juni 2019. Foto: René Loch

Foto: René Loch

Für alle LeserFestivals in Deutschland sind in vielerlei Hinsicht sehr verschieden, aber in einem Punkt sehr ähnlich: Männer dominieren das Programm. Anders ist das bei der dritten Ausgabe des „Leipziger Frauen*festivals“, das am 29. Juni auf dem Marktplatz stattfindet. Hier bekommen Künstlerinnen eine Bühne – genau genommen sind es in diesem Jahr sogar zwei. Ergänzt wird das Programm durch einen „Angebotsmarkt“ und eine feministische Sommeruniversität.
Was tun, wenn immer wieder neuer Müll in Leipzigs Flüssen landet? + Bildergalerie
Müll im Elsterbecken. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMan kann es sich auf der Zunge zergehen lassen: Über 70 Tonnen Müll haben fleißige Sammler zur Frühjahrsputzaktion wieder aus Leipziger Parks und Flüssen herausgefischt. 70 Tonnen Abfall, den rücksichtslose Zeitgenossen einfach entsorgt haben, wo ihnen lustig war. Und die Flüsse werden sehr gern als Müllschlucker betrachtet. Im April hatte das Jugendparlament das heikle Thema aufgegriffen.
Die Lausitz wird zum Testgelände für lauter alte Schrottideen
Eigenheime in der Lausitz. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserAuch in der Lausitz ist der Strukturwandel gewollt, stellte Dr. Jana Pinka, Sprecherin für Umweltpolitik und Ressourcenwirtschaft der Linksfraktion im Landtag, schon am 16. Januar fest. Einen Tag vorher hatten sich die Ostministerpräsidenten einen Termin beim Bundesfinanzminister Olaf Scholz geben lassen, um ihm das Versprechen abzuringen, dass es für den Kohleausstieg „erhebliche Mittel“ über viele Jahre für den Strukturwandel geben würde. Oder eben das, was sie unter Strukturwandel verstehen.
Am 15. Juni in der Oper Leipzig: Premiere von Bedřich Smetanas »Die verkaufte Braut«
Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Es ist ein tschechischer Sommernachtstraum, der in böhmische Dörfer führt, hinter deren Fassaden alte Traditionen und Bräuche Alltag und Leben der Menschen bestimmen. Nachdem Bedřich Smetana bei seinen Landsleuten als »Wagnerianer« verschrien war, wurde seine komische Oper „Die verkaufte Braut“ nach ihrer Uraufführung als tschechische Nationaloper gefeiert, die mit ihrer Musik der »böhmischen Volksseele« Ausdruck verschaffe. Sie wirkt als nostalgische Zeitreise, die viel mehr den menschlichen Mikrokosmos der dörflichen Welt als die große Nation in den Fokus nimmt.
Warum sind denn diese Ostdeutschen so traurig?
Petra Köpping (Sächsische Staatsministerin für Integration und Gleichstellung) Anfang 2018 bei der Diskussion zum "Treuhand"-Buch von Dr. Marcus Böick in Grimma. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserWarum fühlen sich so viele Sachsen einsam, ausgegrenzt und zurückgesetzt? Mit der Frage beschäftigt sich Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) nun schon seit drei Jahren. Kann es sein, dass das auch viel mit SPD-Politik zu tun hat, einer Politik, die der SPD nun auf die Füße fällt? Und ganz zentral mit dem desaströsen Projekt „Hartz IV“?
Linke und Grüne halten die Bundeswehr für keinen geeigneten Gesprächspartner für das Thema Friedenspolitik in der Schule
Christian Piwarz, Staatsminister für Kultus. Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserSachsens Regierung im Allgemeinen und Kultusminister Christian Piwarz (CDU) im Speziellen haben ein sehr eigenes Verständnis davon, was Schule den Kindern vermitteln soll. Am Freitag, 14. Juni, haben Christian Piwarz und Oberst Klaus Finck, Kommandeur des Landeskommandos Sachsen, die seit 2010 bestehende und nun überarbeitete Kooperationsvereinbarung für die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bundeswehr unterzeichnet. Aber was hat die Bundeswehr eigentlich in den Schulen zu suchen?
Neuer Forstwirtschaftsplan sieht über 8.000 Festmeter Holzfällungen im Auenwald vor
Waldgebiet am Elsterstausee. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEin offizielles Urteil des Verwaltungsgerichts liegt noch nicht vor zum Streit um die Abholzungen im Leipziger Auenwald. Aber auch Leipzigs Ämter wissen, dass die Grüne Liga bei einem für sie negativen Urteil die nächste Instanz anrufen wird. Denn aus ihrer Sicht ist eindeutig, dass die systematischen Abholzungen im Naturschutzgebiet Leipziger Auensystem nicht mit dem Schutzcharakter des Auenwaldes vereinbar sind. Aber Leipzigs Stadtförster will mit dem Kopf durch die Wand.
NeuSeenLand-Musikfest: „Spanische Nacht am Kap“ – ein Muss für Klassikfreunde 
Quelle: NeuSeenLand Musik e. V.

Quelle: NeuSeenLand Musik e. V.

Zum dritten Mal steigt Ende Juni das NeuSeenLand Musikfest am Zwenkauer Hafen. Crossover von Pop bis Klassik, hochkarätige Künstler und maritimes Flair locken Musikfreunde vom 27. bis 30. Juni aus Leipzig und der gesamten Region. Der Präsident des NeuSeenLand-Musikvereins, Wolfgang Rögner, hat mit seinen Mitstreitern wieder ein attraktives Programm zusammengestellt.
Klassisch anders: Die fünfte „Mendelssohns Klassik-Lounge“ in hochkarätiger Besetzung
Die Schaubühne Lindenfels in der Karl-Heine-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Klassische Musik jenseits konventioneller Aufführungen erleben, hautnah und in entspannter Atmosphäre – das ist die „Mendelssohns Klassik Lounge“. In der neuen Ausgabe zum Bachfest trifft barocke Live-Musik auf Klänge, die an Turntables erzeugt werden.
Anfang Sommer, alles offen oder Caros Railtrip zu sich selbst
Franka Bloom: Anfang Sommer, alles offen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeim Fernsehen ist sie eher auf die Krimischiene festgelegt. Aber weil sie so viel zu erzählen hat, schreibt die Leipziger Autorin Franka Bloom nun seit einiger Zeit Romane über Frauen in der Mitte des Lebens? im besten Alter? mit Lebenserfahrung? – Sie merken es schon: Wenn man dieses Alter irgendwie fassen will, kommen einem bloß lauter dusselige Worthülsen in den Kopf. Wir sind ein beklopptes Land mit einer verzerrten Selbstwahrnehmung.
Leipzig bekommt 20 Millionen Euro für sozialen Wohnungsbau
Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und die LWB-Geschäftsführerinnen Ute Schäfer (r.) und Iris Wolke-Haupt vor der Baustelle in der Bernhard-Göring-Straße. Foto: René Loch

Foto: René Loch

Für alle LeserLeipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) trafen sich am Freitag, den 14. Juni, zum gemeinsamen Fototermin in der Bernhard-Göring-Straße. Dort baut die LWB zentrumsnah knapp 100 neue Wohnungen, wovon rund zwei Drittel für Geringverdiener geeignet sein sollen. Sachsen will den sozialen Wohnungsbau in Leipzig mit jährlich 20 Millionen Euro fördern.
Schüler mit Klebeband verletzt: Unter Bewährung stehende Ex-Lehrerin nochmals auf Bewährung verurteilt
Strafabteilung des Amtsgerichts. Foto: Alexander Böhm

Foto: Alexander Böhm

Für alle LeserKaum ein Beruf ist mit so viel Verantwortung verbunden wie jener der Lehrerin. Hinter verschlossenen Türen unterrichtet eine Person zahlreiche Menschen, die sich teilweise am Anfang der geistigen und körperlichen Entwicklung befinden, sowohl hinsichtlich fachlicher als auch sozialer Kompetenzen. Das Amtsgericht Leipzig hatte sich im Mai mit einem Fall zu befassen, in dem eine Lehrerin offenbar die falschen pädagogischen Mittel wählte.
Tierschutzaktivisten schreddern Stoffküken vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht
Kükenschreddern vor dem Bundesverwaltungsgericht. Foto: René Loch

Foto: René Loch

Für alle LeserBevor das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag, den 13. Juni, sein Urteil zur Tötung männlicher Küken verkündete, protestierten etwa 30 Tierschutzaktivisten gegen diese Praxis in der industriellen Produktion. Mit dem Urteil dürften sie überwiegend zufrieden sein: Anders als die Vorinstanzen entschied das Gericht, dass das Kükentöten gegen den Tierschutz verstoße und auf absehbare Zeit nicht mehr durchgeführt werden darf.
Die Leipziger Zeitung Nr. 68 ist da: Game over! Keine Angst vor neuen Wegen
Game over! Keine Angst vor neuen Wegen in der aktuellen LEIPZIGER ZEITUNG. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserMal wieder tobt aktuell eine Debatte um die „Kraft durch Freu(n)de“-T-Shirt-Provokation von MDR-Kabarettist Uwe Steimle, Dresden kennt längst seine Causa Uwe Tellkamp und die heißt nun für Leipzig wohl Axel Krause. Spätestens seit der Ausladung des Leipziger Malers und AfD-Fans bei der 26. Leipziger Jahresausstellung dürfte einigen so langsam ein Lichtlein aufgehen, wo 30 Jahre nach „der Kehre“ die Parallelen liegen. Lange Linien hier und neue Wege bei der Jugend da. Eine Ausgabe zwischen „Game over!“ und fehlender Angst vor Neuem.