Zugausfälle auf der Strecke Leipzig–Chemnitz sind längst Alltag geworden

Für alle LeserDer Fehler steckt im System, in einer Politik, die sich vor fast 30 Jahren regelrecht besoffen geredet hat mit der Erwartung, wichtige Dienstleistungen, die bis dahin der Staat erbracht hat, könnten von privaten Unternehmen besser und für den Kunden preiswerter erbracht werden. Doch gerade bei Postdienstleistungen und Eisenbahn führt diese Politik zu echter Frustration. Auch in Sachsen.

Erst im Juni meldete die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), dass für ein paar Tage jede dritte Fahrt zwischen Leipzig und Chemnitz ausfallen müsse, weil man so schnell keine Ersatzteile für die Loks auftreiben könne. Und Ersatzbusse seien auch nicht zu beschaffen, weil die überall in der Region ausgebucht seien. Bei der Städtebahn in Dresden waren es mal fehlendes Personal, mal ungepflegte Strecken, wie das Unternehmen erklärte, die für Unregelmäßigkeiten sorgten. Die Deutsche Bahn sitzt auf einem Streckensanierungsstau von mindestens 86 Milliarden Euro. Und da sind die vielen Bahnstrecken und Ausweichgleise schon gar nicht mehr dabei, die seit den 1990er Jahren stillgelegt wurden.

Es sind solche Nachrichten, die davon erzählen, dass die Privatisierung der Bahn letztlich ein Debakel ist, obwohl die Bahn immer neue Fahrgastrekorde verzeichnet. Die Bundesbürger wollen ja, wo es geht, mit dem Zug fahren, auch im täglichen Pendlerverkehr, wo sie sich in S-Bahnen zwängen und auch geduldig Zugausfälle in Kauf nehmen, Hauptsache, es fährt überhaupt noch etwas.

Und dass die wichtige Strecke Leipzig–Chemnitz bis heute nicht elektrifiziert ist, ist ebenfalls Ergebnis dieser seltsamen Sichtweise, man könne ein Eisenbahnsystem in irgendeiner Weise „marktgängig“ machen. Oder gar zum Profitsystem machen. Das Gegenteil ist der Fall: Seit Jahren fließt viel zu wenig Geld gerade in die Schieneninfrastruktur, aber auch in den Wagenpark und ins Personal.

Und wenn ein Unternehmen erst einmal in der Mangelschleife steckt – die Bau- und Flickarbeiten an der Strecke kommen ja noch obendrauf – schaukelt sich das auf, die Zugausfälle werden zum Normalzustand. Das zeichnete sich bei der MRB schon 2017 ab. In den ersten neun Monaten gab es damals 189 Zugausfälle auf der Strecke Chemnitz–Leipzig, im Vorjahreszeitraum waren es „nur“ 68 gewesen.

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag wollte jetzt die aktuellen Zahlen wissen – und sie erzählen längst vom Dauerverschleiß im System. Zwar hat er nicht die ersten neun Monate des Jahres abgefragt, sondern die von Mai 2018 bis April 2019. Aber allein die ersten vier Monate des Jahres 2019 bringen zusammen 202 Zugausfälle auf der Stecke Leipzig–Chemnitz. Planmäßige und operative, wie es in der Auskunft von Verkehrsminister Martin Dulig heißt. Die planmäßigen sind vor allem durch die Arbeiten der Deutschen Bahn am Schienennetz bedingt, die operativen haben dann eher mit dem Personal und dem Zugmaterial zu tun, das auf dieser Strecke ja vor allem schon älteres Dieselmaterial ist.

Man fragt sich tatsächlich, warum die Strecke nicht gleich im Zusammenhang mit dem Mitteldeutschen S-Bahn-Netz ertüchtigt und elektrifiziert wurde und so wenigstens zu einer schnellen und sicheren Städteverbindung gemacht wurde. Derzeit beruht die Hoffnung Sachsens darauf, dass die Elektrifizierung noch vor dem Jahr 2030 beginnt. Bis dahin dürfte sich das Interesse anderer Eisenbahnunternehmen, die Strecke im Auftrag der Zweckverbände ZVNL und ZVMS zu befahren, in Grenzen halten. Auch weil die nicht gerade flotten Reisebedingungen auf der Strecke auch das Fahrgastaufkommen niedrig halten. Von einem attraktiven Bahnfahren zwischen den beiden sächsischen Großstädten kann einfach keine Rede sein.

Altes Zugmaterial und fehlendes Fahrpersonal machen sich auf den MRB-Strecken nach Grimma und Chemnitz massiv bemerkbar

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It is like it is: Ein Mahnmal zur Coronakrise vor dem Leipziger Gewandhaus
Der Künstler Dennis Josef Meseg. Foto: Dennis Josef Meseg

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Für alle LeserEinerseits ist es verständlich. Der Mensch hält es nicht ewig aus in seinen vier Wänden. Er möchte mit anderen zusammen sein, möchte feiern und das Leben genießen. Und so machen „alarmierende“ Party-Geschichten aus Stuttgart, München und Berlin die Runde. Andererseits aber zeigen immer neue Ausbrüche von Corona, dass das Virus weder besiegt noch verschwunden ist. Dass wir also gut daran tun, weiterhin vorsichtig und achtsam zu sein. Der Kunststudent Dennis Josef Meseg aus Bonn macht das zu seinem Thema.