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Seit Montag fahren Fahrradkuriere mit Lastenrädern die innerstädtischen Sendungen der Verwaltung aus

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    Die Welt ändert sich, Stück für Stück. Erst einmal wird im Kleinen etwas Neues ausprobiert. Wenn es funktioniert, wird die Sache erweitert. Auch in Leipzig passiert das. Im November 2018 beantragten die Grünen im Stadtrat: „Der derzeit extern beauftragte Kurierdienst der Stadtverwaltung und alle nachgeordneten Einrichtungen werden schrittweise per Ausschreibung auf Lastenfahrräder umgestellt.“ Im Januar 2019 gab es eine wohlwollende Stellungnahme aus dem Hauptamt. Seit dieser Woche fahren Lastenräder die Post der Stadt Leipzig aus.

    Nicht die gesamte. Das hatte das Hauptamt in seiner Stellungnahme auch erklärt. Denn nicht alle Fuhren sind für Ämter und Einrichtungen im Stadtgebiet bestimmt. Manche gehen auch über die Stadtgrenzen hinweg – bis nach Borna, so Dr. Christian Aegerter, der zuständige Hauptamtsleiter, der am Montag, 3. August, den neuen Kurierdienst für die beiden innerstädtischen Touren vorstellte – die Fulmo Kurierdienst GbR, die mit zwei Rädern mit großem Anhänger vorrollte, zusätzlich elektrisch betrieben.

    Denn das war eine Hauptanforderung in der Ausschreibung, dass die amtlichen Schreiben nicht nur gut verschlossen transportiert werden müssen, sondern dass die Räder auch Ladungen bis zu 200 kg transportieren können müssen. Das Gerät hat noch nicht jeder Kurierdienst.

    Zwischen fünf und zwölf Kilometer lang sind die Touren. Zwei solcher innerstädtischen Touren gibt es. Fulmo fährt dabei 24 Objekte der Stadt innerhalb des Stadtgebietes an – so die Außenstellen in der Otto-Schill-Straße, der Friedrich-Ebert-Straße und der Thomasiusstraße, aber auch die Städtischen Museen, die Volkshochschule und das Marktamt.

    Max von Fulmo und Hauptamtsleiter Christian Aegerter bei der Vorstellung der beiden Lastenräder vorm Neuen Rathaus. Foto: Ralf Julke
    Max von Fulmo und Hauptamtsleiter Christian Aegerter bei der Vorstellung der beiden Lastenräder vorm Neuen Rathaus. Foto: Ralf Julke

    Die Außentouren wurden separat ausgeschrieben. Denn noch scheinen die langen Stecken von bis zu 315 Kilometer Gesamtlänge mit Rad eher unpraktisch zu bewältigen. Also suchte die Stadt nach einem neuen Auftragnehmer, der diese Touren mit Elektrofahrzeugen absolvieren könnte. Im Ergebnis, so Aegerter, war es dann doch auch der bisherige Auftragnehmer, die Sächsische Wach- und Schließgesellschaft, die den Zuschlag erhielt, auch wenn es zum Start noch etwas holpert.

    „Es war gar nicht so einfach, so schnell Elektrofahrzeuge zu bekommen und auch die nötigen Ladestationen an der Strecke zu schaffen“, stellte Aegerter fest.

    Die Umstellung erfolgt also innerhalb eines Jahres schrittweise von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren hin zum Elektroantrieb. Für diesen Teil des Kurierdienstes sind derzeit vier Kraftfahrzeuge im Einsatz, die täglich Strecken von bis zu 315 Kilometer pro Tag zurücklegen. Die Kuriere sichern den Postvertrieb unter anderem für alle städtischen Kindertageseinrichtungen und Schulen, die Außenstellen der Stadtverwaltung, Eigenbetriebe aber auch Gerichte und öffentliche Behörden in Leipzig. Das größte Postaufkommen entfällt dabei auf Ämter wie das Ordnungsamt mit der Bußgeld- und Ausländerbehörde, das Sozialamt sowie das Amt für Jugend, Familie und Bildung.

    „Künftig“, so Aegerter, „werden wir vielleicht auch überlegen, ob wir nicht auch hier einige Teile auf Lastenrad umstellen können.“

    Was wird da so im Lauf eines Tages transportiert?

    Allein im Wahljahr 2019 waren täglich rund 5.800 Sendungen im städtischen Posteingang und 18.600 im Postausgang zu transportieren, zusätzlich kamen jeden Tag etwa 22.000 Stück verwaltungsinternes Schriftgut hinzu. In diesem Jahr – ohne dass Wahlen abgesichert werden müssen – rechnet die Poststelle mit etwa 14.000 täglichen Sendungen im Postausgang und 15.000 verwaltungsinternen Sendungen – der Posteingang pro Tag entspricht im Schnitt dem aus dem vergangenen Jahr.

    Und dann gibt es noch die schnellen Kurierfahrten innerhalb der Stadt, wenn Schriftstücke nicht bis zum Sammeltransport am anderen Morgen warten können. Da sind dann Radkuriere mit gewohntem Rucksack unterwegs und kommen dabei schnell mal auf 20, 30 Kilometer in den Beinen.

    „Wir wollen die Verkehrswende in Leipzig ein Stück mitgestalten und zeigen, dass die Verwaltung auf nachhaltigen Transport setzt. Es war nicht einfach, geeignete Anbieter für die Kurierfahrten per Lastenrad zu finden, aber es ist geglückt. Vielleicht kann unser Beispiel Schule machen“, sagt Aegerter.

    Die erste Tour am Montag lief reibungslos. „Die Mitarbeiter der Stadt haben uns gut eingewiesen“, berichtet Fahrer Max. Probleme auf der Strecke gab’s keine.

    Womit die Leipziger Stadtverwaltung jetzt ein Stück weit das Vorbild wird, das sich die Grünen 2018 mit ihren Antrag gewünscht haben. Auch Aegerter ist sich sicher, dass man in Leipzig künftig immer mehr Lastenräder im Verkehr sehen wird und auch viele Unternehmen in der Stadt ihre Kurierdienste neu organisieren. Denn auch immer mehr Unternehmern wird bewusst, wie drängend die Herausforderungen des Klimawandels inzwischen sind. Und dass es mittlerweile echte Alternativen gibt, die CO2-Last des eigenen Unternehmens deutlich zu senken.

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