Wer derzeit mit dem Rad über den Grimmaischen Steinweg oder die Sachsenbrücke fährt, merkt es fast täglich: Es wird enger. Immer mehr Leipzigerinnen und Leipziger steigen aufs Fahrrad um, ob für den Weg zur Arbeit, zur Uni oder einfach für die Fahrt zum Wochenmarkt. Die städtischen Zählstellen bestätigen diesen Eindruck mit Zahlen. An stark befahrenen Routen wie dem Schleußiger Weg werden inzwischen mehrere Hunderttausend Fahrten pro Monat registriert, und der Trend zeigt seit Jahren nach oben.

Für die Stadtverwaltung ist das eine gute und zugleich unbequeme Nachricht. Gut, weil der Radverkehr zu den Zielen der Verkehrswende passt, die der Stadtrat schon vor einigen Jahren beschlossen hat. Unbequem, weil das vorhandene Netz an Radwegen mit dem Zuwachs kaum Schritt hält.

Wer regelmäßig in der Innenstadt unterwegs ist, kennt die Situation: schmale Streifen zwischen parkenden Autos und Straßenbahnschienen, Lücken im Netz und Kreuzungen, die eher für den Autoverkehr gedacht wurden als für Menschen auf zwei Rädern.

Was uns die Verkehrsdaten über Leipzigs Mobilität verraten

Um wenigstens verlässliche Daten für die Planung zu bekommen, hat Leipzig sein Netz an Dauerzählstellen in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Über zwanzig solcher Messpunkte erfassen inzwischen rund um die Uhr, wie viele Räder eine Strecke passieren, unabhängig vom Wetter und unabhängig davon, ob jemand allein oder im Pulk unterwegs ist. Die Ergebnisse fließen in ein öffentlich einsehbares Dashboard und sollen langfristig zeigen, wo der Handlungsdruck am größten ist. Auch die städtische Mobilitätsbefragung liefert dafür Anhaltspunkte.

Sie zeigt, dass der sogenannte Umweltverbund aus Rad-, Fuß- und öffentlichem Verkehr in Leipzig mittlerweile deutlich mehr als zwei Drittel aller Wege ausmacht, während der Anteil des Autos seit Jahren rückläufig ist. Besonders auffällig: Selbst in den äußeren Stadtteilen, wo das Auto traditionell dominiert, steigt der Anteil von Rad und Fußverkehr spürbar an, auch wenn die Wege dort naturgemäß länger sind als in der Innenstadt.

So will Leipzig den Radverkehr bis 2030 ausbauen

Aus diesen Erkenntnissen speist sich auch der neue Radverkehrsentwicklungsplan, mit dem die Stadt bis zum Jahr 2030 nachlegen will. Die geplanten Maßnahmen sind vielfältig und reichen von kleinen Reparaturen bis zu größeren Umbauten ganzer Straßenzüge. Dazu zählen unter anderem folgende Vorhaben, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen:

  • Ausbau und Sanierung zentraler Radhauptrouten, etwa in Plagwitz und Lindenau
  • Neue Fahrradstraßen mit Vorrang für den Radverkehr in mehreren Stadtteilen
  • Zusätzliche, sichere Abstellanlagen an Bahnhöfen und wichtigen Umsteigepunkten
  • Ganzjähriger Winterdienst auf ausgewählten Hauptrouten, damit das Rad auch im Winter alltagstauglich bleibt
  • Mehr Querungshilfen an Kreuzungen, an denen es bislang häufiger zu brenzligen Situationen kommt

Ein Grund für den anhaltenden Zuwachs beim Radverkehr liegt auch in der Technik selbst. Elektrisch unterstützte Räder haben in den vergangenen Jahren viele Menschen aufs Rad gebracht, die sich längere Strecken oder Steigungen zuvor eher mit dem Auto zugetraut hätten.

Gerade in einer Stadt wie Leipzig, die zwar überwiegend flach ist, aber durchaus auch Arbeitswege von zehn oder fünfzehn Kilometern kennt, macht das einen spürbaren Unterschied. Wer sich für den Umstieg interessiert, findet online mittlerweile eine breite Auswahl an Elektrofahrrädern im aktuellen Preisvergleich, mit der sich Modelle unterschiedlicher Hersteller und Preisklassen gegenüberstellen lassen, bevor die Entscheidung für ein bestimmtes Rad fällt.

Dass mehr Menschen mit mehr Tempo unterwegs sind, bringt allerdings auch neue Herausforderungen mit sich. Der ADFC weist in seinem jährlichen Fahrradklima-Test regelmäßig darauf hin, dass sich viele Radfahrende in deutschen Großstädten trotz steigender Nutzerzahlen weiterhin unsicher fühlen, gerade an Stellen ohne getrennte Radwege.

Auch in Leipzig zeigen die Rückmeldungen aus dem Test, dass die gefühlte Sicherheit nicht im gleichen Tempo wächst wie die Zahl der Radfahrenden selbst. Für die Verkehrsplanung bedeutet das, dass mehr Tempo und mehr Komfort allein nicht reichen, wenn die Infrastruktur an neuralgischen Punkten nicht mitzieht.

Auch bundesweit lässt sich diese Entwicklung beobachten. Daten des Umweltbundesamts zeigen, dass der sogenannte Umweltverbund aus Rad, Fuß- und öffentlichem Verkehr in vielen Städten weiter an Bedeutung gewinnt, während der Anteil des motorisierten Individualverkehrs tendenziell zurückgeht. Leipzig liegt mit seinem Trend also im bundesweiten Bild, wenn auch der Ausbau der Infrastruktur hier wie andernorts den steigenden Nutzerzahlen oft hinterherhinkt.

Wer sich einen genaueren Überblick verschaffen möchte, wo in Leipzig aktuell an welchen Straßen gebaut, saniert oder markiert wird, findet auf der laufend aktualisierten Themenseite zum Leipziger Radverkehr regelmäßig neue Meldungen zu Baustellen, Petitionen und Ratsbeschlüssen. Gerade weil sich an vielen Ecken der Stadt in den kommenden Monaten einiges bewegen soll, lohnt sich für Pendlerinnen und Pendler ein Blick auf die aktuellen Planungen, bevor die neue Fahrradsaison im vollen Umfang startet und die Straßen sich wieder deutlich füllen.

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