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Falsch entsorgte Feuchttücher legen die Abwasserpumpen der Wasserwerke lahm

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    Was in London die berühmten Fettpropfen sind, die das Kanalsystem der Riesenstadt immer wieder verstopfen, das sind in Leipzig die Rohr- und Pumpenverstopfungen mit feuchten Toilettentüchern. Feuchttücher aller Art sorgen im Leipziger Kanalnetz zunehmend für Probleme. Und die Wasserwerke rufen entsprechend Alarm aus.

    Die feuchten Tücher landen nach der Nutzung oftmals nicht im Hausmüll, sondern unachtsam in der Toilettenschüssel. Zusammen mit Wattestäbchen, Hygieneartikeln, Kondomen oder Haaren verschlingen sie sich zu langen, festen Zöpfen.

    „Ein echtes Problem für unsere Pumpen in der Kanalisation, die verstopfen und ihrer eigentlichen Aufgabe, das Abwasser abzuleiten, nicht mehr nachkommen können“, erklärte am Montag, 13. November, beim Vorort-Termin im Klärwerk im Rosental Thomas Fieberg, der als Fachbereichsleiter der Leipziger Wasserwerke mit seinen Mitarbeitern ein knapp 2.900 Kilometer langes Kanalnetz unter Leipzigs Straßen im Auge hat.

    Das Problem ist eins der modernen Kosmetikindustrie, die auch noch stolz darauf ist, haltbarere Papiertücher für alle möglichen Zwecke herzustellen: Anders als herkömmliches Toilettenpapier aus Zellstoff lösen sich die meisten Kunstfasern von Feuchttüchern nicht im Wasser auf.

    Im Gegenteil: Gerade in feuchter Umgebung sollen sie den hohen Anforderungen ihrer Nutzer gerecht werden und besonders reiß-, wring- und wasserfest sein. Entsprechend werden sie selbst bei langen Verweildauern nahezu unverändert durch das Kanalsystem gespült und sorgen dort dann bei Fiebergs Mitarbeitern für Arbeit. Fallen Pumpen aus, müssen sie aufwendig ausgebaut und instandgesetzt werden. Zusätzliche Instandhaltungs-, Kontroll- und gegebenenfalls Umbaumaßnahmen an den Pumpenanlagen sind die Folge – verbunden mit Kosten für neue Technik und erhöhten Betriebsaufwand.

    „2016 hatten wir durch Verstopfungen etwa 300 Pumpenausfälle. Die Kosten summieren sich insgesamt auf etwa 150.000 Euro, die über die Abwasserpreise auch beim Kunden landen“, rechnet Fieberg vor.

    Und auch am Ende der Kanalkette, im Klärwerk, macht sich die falsche Entsorgung der feuchten Wisch- und Waschlappen bemerkbar. Denn was durchgekommen ist durch die Kanäle, das landet dort. 2010 haben die Leipziger Wasserwerke an ihrem größten Klärwerk im Rosental rund 645 Tonnen feste Bestandteile aus dem Abwasser geholt. 2014 waren es 1.650 Tonnen, im vergangenen Jahr schon 1.960 – also dreimal so viel.

    Fast 2.000 Tonnen feste Bestandteile, die die Leipziger einfach ins Kanalsystem gespült haben. Und die wieder herausgefischt werden müssen.

    „2013 haben wir zwar unsere Rechen von Kletterrechen auf engere und damit leistungsfähigere Filterbandrechen umgestellt – dennoch ist die Zunahme unseres Rechenguts auch auf eine Zunahme von Grobstoffen insgesamt zurückzuführen“, sagt Klärwerkschef Daniel Jentzsch. Für die kommenden Jahre erwartet er eine weitere Zunahme an Rechengut.

    Und so bitten die Wasserwerke dringend darum: Achten Sie auf die Herstellerhinweise!

    „Wir möchten niemandem verbieten, diese Tücher zu benutzen. Aber in die Toilette gehören ausschließlich Wasser, Toilettenpapier und menschliche Ausscheidungen“, sagt Kanalexperte Fieberg. Im Live-Test kann er zeigen, wie sich normales Toilettenpapier im Rührgerät schnell im Wasser auflöst. Die Feuchttücher bleiben – in unterschiedlicher Stärke – stückweise erhalten.

    Bei Feuchttüchern lohnt sich, so Fieberg, ein Blick auf die Hinweise auf der Verpackung, die nicht immer ganz eindeutig sind. „Viele Verpackungen tragen ein eindeutiges Signet mit durchgestrichener Toilette. Andere geben Hinweise zur Spülbarkeit. Aber dass Tücher spülbar sind, bedeutet eben nicht, dass sie sich zersetzen oder pumpbar sind“, sagt Fieberg.

    Er setzt auf eine einfache Formel: „Feuchttücher, die nicht explizit als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind, müssen über den Restmüll entsorgt werden. Das ist die beste Prävention.“

    Zersetzungsversuch mit Toiletenpapier und Feuchttüchern. Foto: KWL
    Foto: KWL

    Im Foto sieht man – von links nach rechts – den Zersetzungsversuch.

    Gerührt wurde mit Magnetrührern. Im linken Behälter sieht man – schön aufgelöst – herkömmliches trockenes Toilettenpapier
    Im zweiten: Feuchtes Toilettenpapier (Packungshinweise: „herunterspülbar, biologisch abbaubar“, „nicht mehr als 3 Tücher gleichzeitig verwenden“) Im dritten: Feuchtes Toilettenpapier (Packungshinweis: „Tücher können über die Toilette entsorgt werden“)
    Im vierten: Feuchtes WC-Reinigungstuch (Packungshinweise: „einfach über WC wegspülbar“, „maximal drei Tücher pro Spülgang“)

    Bei Nr. 3 und 4 ist klar: Die Hersteller empfehlen das Falsche. Die Tücher lösen sich nicht auf und verstopfen am Ende die Leitung. Sie gehören eindeutig in den Restmüll.

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