Andere Städte haben so etwas schon länger. Es liegt ja auf der Hand: Jeder Einweg-Kaffeebecher sorgt für neuen Ressourcenverbrauch und wachsende Müllberge. Das wollen nicht mal die Menschen, die gern ihren „Coffee to go“ mit sich tragen. Was also liegt näher, als auch diese Kaffeebecher in ein Mehrweg-System zu packen? Der BUND Leipzig hat dafür einen Becherlieferanten gefunden. Und Cafés und Bäckereien können jetzt mitmachen.

Am Donnerstag, 11. Oktober, stellte der BUND Leipzig seine Mehrwegbecher-Kampagne Recycling2go zusammen mit der Stadtverwaltung im Neuen Rathaus vor. Kampagnenleiter Sebastian Gerstenhöfer hatte dazu Angelika Freifrau von Fritsch (Leiterin Amt für Umweltschutz), Thomas Kretzschmar (Leiter Eigenbetrieb Stadtreinigung Leipzig), Titus Kunze (Geschäftsführer, 8Gramm) und Florian Pachaly (Geschäftsführer, Recup) eingeladen. Bis Anfang 2019 soll das von der Stadtverwaltung geförderte Pfandbecher-System in ganz Leipzig verfügbar sein.

Die Becher sind also da – bis zu 500 Mal waschbar, bevor sie spröde werden und das Ende ihrer Lebensdauer erreicht ist. Und dann können sie problemlos recycelt werden, nur nicht wieder zu Kaffeebechern. Das verbietet die EU-Gesetzgebung.

Aber es ist offensichtlich: Ein 500 Mal verwendbarer Becher ist wesentlich ressourcenschonender als einer, den man nach ein Mal benutzen wegschmeißt.

Sebastian Gerstenhöfer vom BUND Leipzig sagte dazu: „Damit wir viele Menschen mit unserer Kampagne erreichen, ist es wichtig, nun schnell ein Netz an teilnehmenden Kaffee-Ausschankstellen aufzubauen. Über die Anwesenheit der Vertreter von IHK und DEHOGA habe ich mich daher sehr gefreut. Aber auch Kaffee-Liebhaber*innen können mithelfen und ihr Lieblings-Cafés von der Teilnahme überzeugen. Unser Projektpartner Recup steht in den Startlöchern, alle teilnehmenden Gastronomien mit Bechern zu beliefern.“

Denn erst wenn viele mitmachen, macht das System Sinn. Dann könnte Leipzig – vor allem im Innenstadtbereich und mit vielen Bäckereifilialen im Stadtgebiet – ein Ausschank- und Rückgabesystem bekommen, wie es andere Städte längst haben. Aber als die Grünen-Fraktion 2015 vorpreschte, gab sich Leipzigs Verwaltung sichtlich schwerhörig. Das war ihr irgendwie zu kompliziert.

Obwohl die meisten umweltfreundlichen Ideen erst einmal nichts anderes brauchen als die Kommunikation: Man muss mit den Betroffenen und Kammern einfach mal reden. Die einen machen gleich mit, weil sie es verstanden haben, die anderen später, wenn sie ihre Unternehmensleitungen in Jottwedeh überzeugt haben, dass das jetzt in Leipzig der Renner ist.

Die Rückgabe der Becher ist schon in über 1.500 Kaffeeausschankstellen in ganz Deutschland möglich, wie Florian Pachaly betonte. Damit die Mehrwegbecher bald in Leipzig flächendeckend verfügbar sind, finden sich auf bund-leipzig.de/recycling2go Informationen zu allen Rückgabeorten sowie Infomaterial, um das eigene Lieblingscafé oder die Bäckerei an der Ecke zu überzeugen. Auch die Fragen von interessierten Gastrobetrieben werden dort umfangreich beantwortet.

Tatsächlich gibt es noch gar keine offiziellen Rückgabeorte. Die Kampagne hat ja gerade erst begonnen. Jetzt sind die Cafés und Filialbetreiber gefragt, sich anzumelden und mitzumachen. Denn eines ist sicher: Wer demnächst das Becher-Rückgabe-Logo am Schaufenster kleben hat, macht sich Freunde.

Und die Grünen sind jetzt happy, dass der BUND die Sache ins Rollen bringt.

„Wir Grünen haben nach Jahren kreativer Lösungssuche jetzt einen Grund zur Freude: Auch Leipzig ist jetzt so weit und wird ein Mehrwegbecher-System für Coffee to go einführen. Vor drei Jahren hatte die Fraktion erstmals das immense Müllaufkommen durch den Lifestyle-Trend, Kaffee aus Einwegbechern unterwegs zu konsumieren, scharf kritisiert und im Stadtrat zum Thema gemacht. Nachdem der entsprechende Antrag ‚Einwegbechern Einhalt gebieten – Leipzig auf den Mehrweg bringen‘ vor einem Jahr beschlossen worden war, wird er nun heute umgesetzt“, sagt Norman Volger, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion.

„BUND Leipzig und Recup werden den Leipziger Mehrwegbecher im Stadtgebiet etablieren und suchen dafür weitere Cafés und Bäckereien, die jetzt in das System einsteigen und den Kaffeeliebhaber*innen ein umweltschonendes Verhalten und zugleich einen modernen Lifestyle ermöglichen. Das ist ein echter grüner politischer Erfolg – der nachhaltig wirkt.“

Die Deutsche Umwelthilfe hat mal die unglaubliche Menge von 2,8 Milliarden Kaffee-Einwegbecher beziffert, die in Deutschland jedes Jahr befüllt und weggeschmissen werden. Das ergibt jährlich mehr als 40.000 Tonnen Müll. Wer es nachrechnen will: Auf Leipzig allein entfallen dabei über 20 Millionen Wegschmeiß-Kaffeebecher. Oder auf den Tag heruntergebrochen: 55.000 solcher Becher, die gleich wieder im Abfall landen und eigentlich nicht recycelbar sind, da sie ja aus beschichteter Pappe bestehen.

Die Recycling2go-Becher, die Recup am Donnerstag vorgestellt hat, werden aus widerstandsfähigen, lebensmittelechten Poylpropylen (PP) gefertigt. Sie sind frei von BPA/Weichmachern oder Schadstoffen, und Heißgetränke können aus ihnen keine Stoffe herauslösen, betont der BUND. Obendrein sind die Becher langlebig, energieeffizient in der Herstellung und zu 100 Prozent recyclebar.

Jetzt geht es ans Sammeln von Anbietern, die ab nächstem Jahr mitmachen und den Kaffee zum Mitnehmen im Recycling2go-Becher anbieten.

Der Stadtrat tagt: Der Kampf gegen Einwegbecher bleibt Privatsache

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