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Autotanken ist noch billiger geworden, Wohnen und Essen dafür teurer

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    Wir leben immer noch im fossilen Zeitalter, das wird selbst im Jahresrückblick des Statistischen Landesamtes auf die Verbraucherpreise 2020 deutlich. Denn dass die sogenannte Inflationsrate so gering ausfiel, hat vor allem damit zu tun, dass 2020 ein Jahr war, in dem die Welt wegen Corona weniger Kraftstoffe kaufte. Die Spritlager waren voll, die Preise fielen. Autofahren wurde billiger, während das eigentliche Leben eine ganz durchschnittliche Teuerung erlebte.

    Das Problem an den Verbraucherpreiserhebungen der Statistiker in Deutschland ist und bleibt, dass sie immer einen normierten Warenkorb für alle benutzen. So eine Ergebung zeigt nicht wirklich, wie Teuerungsraten auf unterschiedliche Einkommens- und Nutzergruppen durchschlagen. Wer kein Auto fährt und kein Eigenheim mit Heizöl betankt, hat von den Preisdämpfungen im Jahr 2020 praktisch nichts mitbekommen.

    Nicht einmal die Senkung der Mehrwertsteuer hat den Einkauf wirklich billiger gemacht. Selbst dass müssen die sächsischen Statistiker feststellen: „Die Hauptgruppen Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (2,5 Prozent) sowie alkoholische Getränke und Tabakwaren (2,7 Prozent) lagen, trotz der seit Juli 2020 geltenden Mehrwertsteuersenkung, nennenswert über den Jahresdurchschnitten von 2019.“

    Wobei man normalerweise nicht auf Alkohol und Tabakwaren schaut, wenn es um den täglichen Einkauf geht. Viel wichtiger ist etwa Frischobst, das gegenüber 2019 im Schnitt um 9 Prozent teurer wurde. Was wieder mit den klimatischen Veränderungen zu tun hat und der Tatsache, dass die zunehmenden Dürren und ausbleibenden Niederschläge natürlich auch die Obsternten beeinträchtigen.

    Das wichtige Gemüse ist zum Glück um 3 Prozent billiger geworden, nachdem es in den Vorjahren einen Preisauftrieb gegeben hatte. Für Obst und Gemüse zahlt man inzwischen 15 bzw. 12 Prozent mehr als 2015, während Tanken im Schnitt 5 Prozent preiswerter ist als 2015.

    Für Autofahrer dämpft das die Preisentwicklung erheblich, wie die Statistiker feststellen: „Beeinflusst wurde dies nicht zuletzt durch die Entwicklung auf dem Rohölmarkt. Deutliche Preissenkungen im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2019 verzeichneten die Bereiche Heizöl (-21,3 Prozent) und Kraftstoffe (-9,4 Prozent). Ohne deren Einfluss hätte die durchschnittliche Jahresteuerungsrate 2020 bei 1,3 Prozent gelegen.“

    Was nicht ganz zutrifft. Für Nicht-Autofahrer lag die Teuerungsrate eben nicht bei den so berechneten 0,8 Prozent, sondern bei 1,3 Prozent.

    Wer kaum Geld für Haushaltswaren ausgab oder ausgeben konnte, zahlte womöglich noch viel mehr. Unter anderem Fleisch wurde um 6,9 Prozent teurer. Ob das schon die Folge der Skandale in den Fleischfabriken war, verraten die Statistiker nicht. Eigentlich hätte es – nachdem auch noch China den Schweinefleischimport gestoppt hat wegen der Schweinepest in Deutschland – eine regelrechte Fleischschwemme geben müssen.

    Aber stattdessen gab es einen Schweinestau, weil sich die Fleischfabriken zum Nadelöhr entwickeln, denn das Billigfleisch war natürlich auf eine maximale Ausbeutung der Arbeitskräfte gerechnet, nicht darauf, dass die Fabriken wochenlang stillstehen und nach und nach die Produktionskette entzerrt wird. Fleisch ist also vom Preis her auf dem richtigen Weg, auch wenn von einer tiergerechten Haltung und Produktion nach wie vor nur in Nischen gesprochen werden kann.

    Insgesamt wurde der Preiskorb für Lebensmittel um 2,5 Prozent teurer. Und da das neben der Miete meist die Hauptlast ist in Haushalten mit kleinen Einkommen, liegt man wohl nicht allzu weit daneben, wenn man bei ihnen eher eine Jahresteuerung von 2,5 Prozent sieht.

    Denn Wohnen ist nach dem Warenkorb der Statistiker zwar nur um 0,4 Prozent teurer geworden. Aber auch nur, weil Heizöl um satte 21 Prozent billiger geworden ist. Was ja den wilden Kampf der USA gegen die Ostseepipeline erklärt. Sie werden ihre ganzen Öl- und Gasvorräte nicht mehr los auf dem Weltmarkt und suchen dringend Abnehmer.

    Auch wenn das Zeug nicht die Zukunft sein kann. Nur ein wenig profitierten Fernwärmekunden von dieser Entwicklung des Preisverfalls bei fossilen Brennstoffen. Bei ihnen ging der Durchschnittspreis wenigstens um 1,3 Prozent zurück. Dafür wurde die Gasheizung 1,3 Prozent teurer und die Wasserversorgung 1,4 Prozent. Und noch heftiger hat die Preisentwicklung bei Strom zugeschlagen: 4,4 Prozent. Das ist der negative Effekt, der entsteht, wenn zu viel Energie in die Stromnetze eingespeist wird, weil immer noch viel zu viele Kohlekraftwerke am Netz hängen. So verfällt der Strompreis an den Börsen, mit dem eigentlich die Erneuerbaren Energien finanziert werden sollen. Die Differenz muss der Stromkunde zahlen.

    Und wenn es ein Haushalt ohne großes Einkommen ist, schlagen auch andere Kosten stärker ins Kontor, wie das Statistische Landesamt erläutert: „Indexwirksam wurden im Jahr 2020 die überwiegend bereits im Januar erfolgten Preisanpassungen für die Müll- (3,8 Prozent) und die Abwasserentsorgung (1,0 Prozent) sowie für die Versorgung mit Strom (4,4 Prozent) und Erdgas (1,6 Prozent).

    Der ebenfalls zu Jahresbeginn 2020 angepasste Mindestlohn spiegelte sich überwiegend in den Teilindizes Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen (3,3 Prozent) sowie ,Andere Waren und Dienstleistungen‘ (3,5 Prozent) wider. Insbesondere bei Friseurleistungen und anderen Dienstleistungen für die Körperpflege (5,5 Prozent) sowie bei Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (10,7 Prozent) gab es spürbare Preissteigerungen.“

    Was zumindest vermuten lässt, dass das ganz normale Leben in Sachsen um 2,5 Prozent teurer geworden ist und mancher seine Abrechnung erst im Frühjahr bekommen wird, höchst entsetzt, was es zum Beispiel heißt, im Corona-Jahr im Homeoffice gearbeitet zu haben, wo ja die Wohnkosten über Nacht zu Betriebskosten geworden sind.

    Die Bilanz der Statistiker für den gesamten (also hochgradig fossilen) Warenkorb: „Insgesamt kann auf ein bewegtes Indexjahr zurückgeblickt werden. Dies zeigt die aktuell berechnete v o r l ä u f i g e durchschnittliche Jahresteuerungsrate für 2020 von 0,8 Prozent, die im Vergleich zu 2019 (1,4 Prozent) um 0,6 Prozentpunkte geringer war.“

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