Wenn der Freistaat so zögerlich ist, wenn es um Fördergelder für den ÖPNV geht, dann muss man den Ministerpräsidenten eben mal einladen, fanden die LVB. Am Montag, 3. März, rauschte er an in Heiterblick, wo die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ihre neue Hauptwerkstatt bauen. Noch ist sie nicht ganz fertig. Ab Mai, Juni rechnen die LVB mit der endgültigen Inbetriebnahme. Aber die Werkstatt ist nur der erste Baustein für das Infrastrukturprojekt.

Auch drei Leipziger CDU-Landtagsabgeordnete ließen sich den Vor-Ort-Termin mit Stanislaw Tillich nicht nehmen. Horst Seidel, Robert Clemen und Ronald Pohle hörten schon gespannt zu, als Juhrs und Middelberg das Projekt Heiterblick erklärten.

Ursprünglich sollte Heiterblick als zentraler Baustein des neuen Straßenbahnnetzes in einem Rutsch gebaut werden. Jahrelang wurde an den Plänen gefeilt, versuchte man den Freistaat immer wieder mit ins Boot zu holen. Doch der wollte so groß nicht einsteigen. Nach zähen Verhandlungen bewilligte er 10 Millionen Euro für die erste Baustufe in Heiterblick – eben die Hauptwerkstatt, die insgesamt 45,6 Millionen Euro kostet und am dringendsten von allen in Heiterblick geplanten Bausteinen gebraucht wird.Denn aktuell haben die LVB keine funktionierende Hauptwerkstatt mehr, wo sie ihre Niederflurfahrzeuge regelmäßig checken, warten und generalüberholen lassen können. In Paunsdorf kann die einfache Wartung nur noch mit Sondergenehmigung erfolgen.

Aber die in den 1990er Jahren gekauften Niederflurfahrzeuge sind mittlerweile reif für die Generalüberholung. Rund 32 Jahre hält eine moderne Straßenbahn im Schnitt – wenn sie gut gepflegt wird und zur Mitte ihrer Lebenszeit noch einmal völlig auseinander genommen, geputzt, geölt, neu lackiert wird. All das soll in Heiterblick erfolgen und wird ab Mai auch möglich sein.Am Montag, 3. März, sah noch Manches nach Baustelle aus. Parkettböden fehlten noch, Kabel hingen noch als dickes Bündel von der Decke, Lampen wurden montiert. Aber die neuen Arbeitsbühnen waren schon zu sehen genauso wie die Wannen, in denen gearbeitet werden kann. Zur Illustration hatten die LVB eins ihrer XXL-Fahrzeuge in die Halle geschoben, so dass Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gleich sehen konnte, wie auf drei Ebenen an so einem Fahrzeug gearbeitet werden wird.

Effizienz ist das Zauberwort. Nicht nur im Fahrbetrieb, wo künftig drei Knotenpunkte die Bedienung des Straßenbahnnetzes konzentrieren – Angerbrücke (das 2005 modernisiert in Betrieb ging), Dölitz (wo am 28. Februar die Umbauarbeiten begannen) und eben Heiterblick. Wo es künftig neben der Hauptwerkstatt auch noch eine Betriebswerkstatt und eine große Abstellanlage für 60 moderne Straßenbahnen geben soll. Nicht zu vergessen als wichtiger Baustein, den die Stadt Leipzig erneuert hat: die Teslabrücke – bis 2012 ein rustikales Bauwerk aus der Urzeit der Eisenbahn, jetzt eine moderne zweispurige Brücke, über die der Wechsel der Straßenbahnen zur Torgauer Straße problemlos erfolgen kann.Aber Betriebswerkstatt und Abstellhalle wurden aus der 1. Baustufe gestrichen. Wie weiter, heißt die große Frage. Denn um das Effizienz-Projekt rund zu machen, sind sie notwendig.

Die neue Hauptwerkstatt wird viele Arbeitsabläufe schon durch optimierte Arbeitsbedingungen deutlich verbessern. Ronald Juhrs, Geschäftsführer der LVB, bringt es für Stanislaw Tillich in das Bild der Wegstrecke, die für einen modernen Straßenbahnwagen zurückgelegt werden müssen, wenn er in der Werkstatt ist. In der alten Werkstatt – die Tillich an diesem Tag auch kurz besuchte – fallen dabei 8,7 Kilometer Wegstrecke an. Nichts ist optimal. In der neuen ist auch die Materiallagerung so optimiert, dass es nur noch 4,3 Kilometer sein werden.

Gesünder sind die Arbeitsbedingungen auch. Dazu kommt eine moderne Klimatechnik. Geheizt wird mit Erdwärme, das Regenwasser vom begrünten Dach wird gesammelt.

Aktuell wird die automatische Fahrstraßensteuerung getestet. Stück für Stück werden nun die verschiedenen Gewerke wie die Drehgestellwerkstatt, die Schlosserei usw. samt den benötigten Maschinen in die neue Halle umziehen. Im Juni wird dann wohl der volle Werkstattbetrieb beginnen. Acht Hauptuntersuchungen werden noch in diesem Jahr stattfinden.

Die Leistungsfähigkeit des Bereiches Instandhaltung und interne Wartung wird durch die neue Halle deutlich gesteigert, sagt auch LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg. “Die Betreuung des eigenen Fahrzeugparks wird effizienter und kostengünstiger realisiert. Wir können so insgesamt effizienter wirtschaften.”

Heißt übersetzt: Wenn die LVB sparen wollen im Betrieb, brauchen sie dieses wichtige Investitionsobjekt Heiterblick. Das spart bei der Organisation des Netzbetriebs und bei der fließenden Instandhaltung der Fahrzeuge. Aber wie gesagt: Erst einmal steht “nur” die Hauptwerkstatt, der wichtigste aller Bausteine. Für Betriebswerkstatt und Abstellhalle braucht es noch einmal die wichtige Unterstützung des Freistaats.

www.technisches-zentrum-heiterblick.de

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