2.9 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Milchkühe in Großzschocher?

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 36Frank Weidner sieht eine Gefahr im Südwesten von Leipzig. Der Tierschutzaktivist von der Initiative „Tierfabriken Widerstand“ beobachtet nicht nur in Sachsen sehr genau, wo neue Milchhöfe eröffnet werden sollen oder Vergrößerungsmaßnahmen anstehen. Die Grundargumentation der Tierrechtsaktivisten: „Die unnatürlich hohe Milchleistung belastet den Körper der Tiere so sehr, dass sie bereits im Alter von 5 Jahren geschlachtet werden – bei einer natürlichen Lebenserwartung von gut 20 Jahren. Spätestens die Schlachtung, wenn die Kuh die gewünschte ‚Leistung‘ nicht mehr bringt, ist nicht mehr tiergerecht.“

    Die Alternative für Weidner ist letztlich der Verzicht auf die Milcherzeugung im großen Stil. „Die Bauern können auf biovegane Landwirtschaft umstellen und Menschen können leckere Pflanzenmilch trinken, die ganz ohne Tierleid produziert wird. Dabei kann man inzwischen zwischen Soja-, Reis-, Hafer-, Dinkel-, Mandel-, Haselnussmilch usw. wählen.“

    Seit einigen Tagen ist nun die „Agrarprodukte Kitzen e.G.“ ins Visier der Tierschützer geraten. Diese würde die Anlage in der „Raiffeisenstraße 51 mit aktuell 480 Tierplätzen“ erweitern wollen. „Zukünftig sollen dort 1.409 Rinder und 100 Kälber gehalten werden“, so die Initiative.

    Thomas Rößner, Vorstand der „Agrarprodukte Kitzen e.G.“ widerspricht auf LZ-Nachfrage, dass die Genossenschaft den Tierbestand erweitern würde. Der Unternehmerverbund mit gesamt 32.000 ha Nutzfläche in Sachsen betreibe zwei mittelgroße Milchviehanlagen, je einen in Kitzen und einen in Großzschocher in der Raiffeisenstraße. An beiden bemühe man sich auch um den Direktverkauf vom Erzeuger über sogenannte Milchautomaten vor Ort. Doch „aufgrund des Preisdrucks im Bereich der Milch haben wir uns entschlossen aus zwei Milchviehanlagen nur noch eine zu machen, um Kosten, vor allem für den teuren Melkstand, zu sparen. Dabei soll die Anzahl der Kühe insgesamt nicht erhöht werden, sondern nur eine Umverlegung des Bestandes von Kitzen nach Großzschocher erfolgen“, so Rößner.

    Eine von zwei „Milch-Tankstellen“. Foto: Agrarprodukte Kitzen e.G.
    Eine von zwei „Milch-Tankstellen“. Foto: Agrarprodukte Kitzen e.G.

    Richtig sei, dass für den Bauantrag erst einmal eine Tieranzahl von 1.509 (etwa 800 Milchkühe und Nachzucht) beantragt wurde. Der Genossenschaftsvorstand zu den Plänen: „Es ist jedoch davon auszugehen, dass letztlich deutlich weniger Tiere in Großzschocher stehen werden, nämlich die Milchkühe und ein paar wenige Kälber. Der Bereich Aufzucht soll nach jetzigem Stand weiterhin in Kitzen erfolgen.“ Aktuell seien in Großzschocher 750 Tiere beheimatet, davon 350 Kühe und die entsprechende eigene Nachzucht. Nach der Erhöhung der Kapazitäten würde man wieder den Stand von 1990 in Großzschocher erreichen.

    Um den Menschen dabei einen Einblick in die Bedingungen der Haltung der Tiere zu verschaffen, würde man auf den „gläsernen Kuhstall“ setzen. Regelmäßig könnten Interessenten sich so davon überzeugen, dass das Leben einer Kuh in einem großen Stall sogar besser sei, als in einer kleineren Anlage, wo sich die Tiere kaum aus dem Weg gehen könnten. Mit Sicherheit sei man, so Rößner, „nicht daran interessiert, dass unsere Kühe früh sterben. Denn wem hilft es, eine Kuh über 2 Jahre aufzuziehen, um diese dann frühzeitig aus dem Bestand zu verlieren, wenn sie endlich einmal in dem Alter ist in dem sie Milch gibt.“

    Natürlich gebe es, wie in jeder Branche, sowohl bei den größeren als auch bei den kleineren Kuhställen schwarze Schafe. Doch je länger eine Kuh lebt, umso wirtschaftlicher sei sie am Ende.

    Ob eben jene Sichtweisen derjenigen, die mit der Erzeugung von Milch ihren Lebensunterhalt zu verdienen suchen, mit denen der zunehmend vegan orientierten jungen Aktivisten ganz grundsätzlich in Übereinstimmung zu bringen sind, bleibt offen. Es seien noch keine Aktionen geplant, teilt Frank Weidner auf Rückfrage mit. Doch „wir versuchen derzeit, Menschen vor Ort zu motivieren und würden diese dann auch unterstützen.“

    Dieser Artikel erschien am 21.10.16 in der aktuellen Ausgabe 36 der LEIPZIGER ZEITUNG. An dieser Stelle zum Nachlesen auch für L-IZ.de-Leser. Dieses und weitere Themen finden sich in der aktuellen LZ-Ausgabe, welche neben den normalen Leipziger Presseshops hier im Szeneverkauf zu kaufen ist.

    Staatsversagen in Sachsen, Armut in Leipzig, pralles Leben in Plagwitz, Reudnitz und Connewitz

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      16 KOMMENTARE

      1. Niemand braucht eine Milchproduktion im leipziger Stadtteil Großzoscher.
        „Die MIlch macht’s“ ist ein Werbespruch aus den Fünfzigern um der Viewirtschaft nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen.

        http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/schwangerschaft/macht-uns-milch-krank-steigt-das-krebsrisiko-aid-1.4503675

        Höchst interessant ist auch folgender Link.
        Allerdings meine ich nicht den Text „Wie gesund ist Milch?“, da er seine geollte Antwort (Milch sei gesund) schon impliziert, sondern die Leserkommentare darunter.
        http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-gesund-ist-Milch,milch254.html

      2. Keine Panik, der Hinweis musste sein, nicht jeder kennt sich bei dem ganzen Verschwörungskram aus. Und in Zeiten, in denen erwachsene Menschen immer noch glauben, dass Kühe gemolken werden MÜSSEN, weil die ja angeblich „von Natur aus automatisch“ Milch geben, setz ich gar nichts voraus. Schon gar kein Denken.^^

      3. Oh, Sabine verzeih, ich setzte selektives Denken voraus 😉
        Nichts ist „nur“, „grundsätzlich“, „total“, „immer“ oder „ausschließlich“. Es gibt keine Betrachtung im Charakter eines Superlativ.
        Oder wie der Volksmund es sagt, „irgendwas ist ja immer“.
        Und wie wir aufgeklärten Menschen ja längst wissen, gibt es für JEDE Aussage eine fundierte Gegenaussage.

        Bennene mir Deine „gute“ allwissende Quelle.

        Gib mal Milch und Osteoporose ein ….
        http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60658
        (ich hoffe das Ärzteblatt ist als Quelle genehm.)

      4. Oh, JG, kein guter Link. Eine Seite, die gern mal HIV oder Aids leugnet und teilweise gefährliche „alternative Krebsbehandlungen“ vorschlägt, sollte man nicht auch noch verbreiten. Auch wenn zwischendurch mal die Wahrheit vorkommt.

      5. Das sehen Forscher anscheinend anders. Zumindest, was die Knochen angeht.

        http://www.soja-wissen.de/soja-und-osteoporose.php

        Kuhmilch allerdings fördert Osyoporose, das zeigen neueste Studien deutlich.
        Man kann aber auch locker auf beides verzichten, es gibt mittlerweile viele Alternativen. Z.B. unglaublich leckere Lupinenprodukte. Sojafrei, Gentechnikfrei, Lokal, Tierleidfrei. Der Schokopudding ist der Wahnsinn.^^

      6. @JG: Damit war nicht gemeint daß Männer durch Östrogen dicker werden sondern daß Osteoporose gefördert wird, von anderen Effekten eines reduzierten Testosteronspiegels mal abgesehen. Mehr Östrogen bedeutet weniger Testosteron. Bei einigen jüngeren wäre das allerdings wünschenswert; zuviel macht bekanntlich aggressiv.

      7. @Rudolf
        Wenn Männer sich bloß genauso viele Gedanken machen würden, wenn sie zur Bierflasche greifen! Ganz ehrlich: Ich habe schon viele Männer gesehen, bei denen der Bierkonsum deutliche Spuren am Körper hinterlassen hat, aber ich kenne persönlich niemanden, bei dem das durch Soja passiert ist.
        Die Grundaussage, dass der Mensch das einzige Lebewesen auf der Erde ist, welches die Milch einer anderen Art trinkt, bleibt Tatsache.
        Was jeder sich dabei denkt, der dabei ins denken kommt, ist individuell.

      8. Rudolf, in Europa wird zumindest zur Zeit kein Genverändertes Soja angebaut, soweit ich weiß. Bei dem zur Futtermittelherstellung stimmt das allerdings, und sollte TTIP sich durchsetzen, wird sich auch das wahrscheinlich ausweiten.

      9. Achso, was mir grad noch einfällt. Das Argument mit dem angeprangerten Anbau von Soja in armen Ländern wäre ein Klasse Argument pro Vegan. Das wird nämlich zur Futtermittelherstellung für die ganze Welt angebaut. Unter anderem für Milchkühe. 😉
        Aber das nur am Rande, kam mir grad so in den Sinn.

      10. Soja ist oftmals genetisch verändert und erhöht den Östrogenspiegel (sagt mein Osteopath) Ab 50 Jahren beim Mann nicht so DER beste Gedanke.

      11. Weniger Energie als in der Viehwirtschaft, und Soja für Nahrungsmittel wird in Europa angebaut. Aber auch als Veganer muss man weder das eine noch das andere konsumieren. 😉

      12. Haselnuss, Mandel usw reagiere ich allergisch, Soja und Co sind der absolute GAU für jeden Gichtgeplagten.

        Wenn man Milch nicht als Getränk, sondern als Nahrungsmittel betrachtet und sie auch so verwendet, dann sinkt der Verbrauch von allein.

        Ich habe ja nix gegen Veganer. Aber sie können und sollen ihre Überzeugung leben. Heuchlerisch genug ist sie ja, zumindest oft nicht öko. Wieviel Energie wird verschwendet, um aus Haferflocken eine Hafermilch herzustellen? Um aus Soja, dessen Anbau niemanden zu interessieren scheint, Tofu und Seitan und andere Dinge herzustellen um normale Lebensmittel nachzuäffen?

        Es ist richtig Tierhaltung zu kontrollieren und Missstände anzuprangern.
        Aber dabei gleich wieder zu missionieren finde ich nicht ok. Dieser Veganerterrorismus nervt immer mehr

      13. „Doch je länger eine Kuh lebt, umso wirtschaftlicher sei sie am Ende.“

        Na Bravo. Je länger so eine Kuh lebt, umso länger muss sie leiden. Da können die noch so moderne Anlagen bauen, es ist und bleibt Tierquälerei. Und das für ein Getränk, dass dem menschlichen Körper mehr schadet als nutzt.

      14. Der Mensch ist die einzige Spezies, welche die Milch einer anderen Art trinkt.
        Es ist Muttermilch mit entsprechenden Wachstumsinformationen und Inhaltsstoffen für Kälbermägen – nicht für Menschen!

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige