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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (16): Vorladung zum Direktor

Marko Hofmann
Das Haus des Direktors.
Das Haus des Direktors.
Foto: Sascha Bethge
Nicht nur ich bin neu am Kelly College. Auch der Direktor ist neu. Um alle Lehrer kennenzulernen, kamen er und seine Frau auf die Idee die Lehrer nach und nach in Gruppen zum Abendessen in ihr Haus einzuladen. Auch ich fand irgendwann eine Einladung in meinem Fach.

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“Bitte im Anzug“ war darauf vermerkt. Ich dachte erst, dass sich die Aktion mit den zerschlissenen Jeans Anfang des Schuljahres herumgesprochen hat, musste aber dann feststellen, dass auch auf anderen Einladungen dieser Vermerk zu finden war.

Von anderen Kollegen hatte ich vor meinem Besuch schon wichtige Hinweise bekommen, beispielsweise: “Marko, als ich eingeladen war, habe ich mich gleich über das Essen hergemacht, bis dann der Direktor auf einmal ein Tischgebet sprach.“ oder “Lass dich nicht abfüllen, der Direktor will nur den neuesten Klatsch & Tratsch“. Zum Glück trinke ich nicht.

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Dossier Marko auf der Insel:
Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
Aber was bringt man zu so einem Abendessen mit? Ein einfacher Strauss Schnittblumen kostet beim Floristen ab 14 Pfund aufwärts. Wer soll das bezahlen? Da blieb nur der Gang zum Supermarkt und das Bündel Blumen für 5 Pfund. Ich bin extra sieben Minuten um die Eimer getanzt, um auch die Schönsten zu finden.

Das Haus des Direktors ist gleich auf einem Hügel neben dem College. Ich hatte also noch genügend Zeit, als ich mich um 19 Uhr langsam anzog. Es sollte ja erst ab 19:30 Uhr losgehen. Nun kamen aber die modisch-philosophischen Fragen: Passt ein längsgestreiftes gelb-weisses Hemd zu einem grauen Anzug mit ocker Nadelstreifen? Denken alle Gäste, der Zirkus sei in der Stadt wenn ich dazu noch die quergestreifte gelb-weisse Krawatte anziehe? Die Zeit lief und fünf vor halb konnte ich nur noch das Hemd abruppen und es gegen ein weisses Hemd tauschen. Immerhin konnte ich nun die quergestreifte gelb-weisse Krawatte riskieren und ein wenig Frühling im Februar präsentieren.

Um nicht einzeln zu klingeln, war ich noch mit den anderen Referendaren und Sprachassistenten verabredet, die mir auch sogleich einen Vortrag über deutsche Püntklichkeit hielten. Ich konnte es doch auch nicht ändern.

Als wir klingelten wurden wir, was nicht überraschend ist, von Herr und Frau Direktor hereingelassen. Der Direktor ist ein großer Mann in seinen 40ern, die Haare immer akkurat und mit firmem Händedruck. Ein sehr netter Mann, der jeden Lehrer nach wenigen Tagen beim Namen kannte. Nicht zuletzt war er sich auch nicht zu schade, am Abenteuerwochenende teilzunehmen und im Baum herumzubaumeln (siehe Tagebuch Teil 2). Seine Frau ist etwas kleiner, schmal und liebenswert, immer lächelnd und intelligent.

Zitterpartie für einen angehenden Lehrer: Das Haus des Direktors.
Zitterpartie für einen angehenden Lehrer: Das Haus des Direktors.
Foto: Sascha Bethge

Kaum waren wir eingetreten, kam das erste Problem. Fragt man in England, ob man die Schuhe anbehalten darf? Ich hab's gemacht und natürlich sollten wir sie anlassen. Es schloss sich “ungezwungene“ Konversation im Wohnzimmer an. Dieses ist im finnischen Stil gehalten, aber ungezwungene Atmosphäre kommt bei solchen Besuchen bekanntlich erst mal nicht auf. Man besprach also eher Triviales und hoffte, dass bald alle da sind und es ans Essen geht.

Selbstverständlich gab es bei den acht Gästen eine Sitzordnung und ich saß leider immer mindestens einen Platz von den Gastgebern entfernt die jeweils an den Stirnseiten Platz nahmen. Des Weiteren hatte ich das zweifelhafte Vergnügen neben zwei Männer zu sitzen, die thematisch auf einer ganz anderen Welle schwammen als ich. Kurzum: Das Essen konnte nicht schnell genug serviert werden.

Der Direktor ging noch einmal höchstpersönlich mit Getränken um den Tisch, als das Essen wie von Zauberhand unter der Durchreiche durchgeschoben wurde. Ich wollte gerade anfangen, als der Direktor das ominöse Tischgebet sprach. Danach war es endlich freigegeben. Die Vorsuppe war eine Tomaten-Paprika-Suppe. Endlich konnte ich zugreifen.

Aber dann, oh Schreck, wie war das noch mal mit dem Brotteller und dem Umgang mit Brot bei Tisch? Fettnäpfchen?

Um übersichtliche Küche, einen ungewollten Kaffee und die Cayman-Inseln geht es dann nächste Woche beim nächsten Teil dieses “ja so ungezwungen Abends, an dem alle nur zeigen wollen, was sie können“.


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