Der Club „Institut für Zukunft“ berichtet auf Facebook von einem versuchten Naziangriff in der Nacht auf Samstag auf ihre Räume im Kohlrabizirkus. Etwa 20 bis 30 Personen, die „dem Umfeld der Imperium Fighting Championship“ zuzuordnen seien, sollen versucht haben, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Laut Polizei habe es einen solchen Vorfall jedoch so nicht gegeben. Am heutigen Abend wollen mehrere hundert Antifaschisten vom nahegelegenen Connewitz ausgehend gegen die Kampfsportveranstaltung demonstrieren.

Gegensätzlicher könnten die Aussagen kaum sein. Bereits am späten Freitagabend vermeldete der Twitter-Account der kommunistischen Gruppe „the future is unwritten“ einen Angriff von Nazis auf das „Institut für Zukunft“ (IfZ). In der Nacht bestätigte der Club den Vorfall auf seiner Facebookseite. Die Angreifer hätten versucht, sich mit Eisenstangen und Zangen gewaltsam Zutritt zu verschaffen und seien „dem Umfeld der Imperium Fighting Championship“ zuzuordnen.

Dabei handelt es sich um eine Kampfsportveranstaltung, die am heutigen Samstagabend im Kohlrabizirkus stattfinden soll. Dort ist auch das IfZ beheimatet. Dieses spricht von einem „gezielten Angriff“. Vor einigen Tagen hatte das IfZ dazu aufgerufen, sich an einer gegen die Veranstaltung gerichteten Demonstration zu beteiligen. Eine antifaschistische Kampagne weist seit Wochen auf Verstrickungen von Teilnehmern in die rechtsradikale Szene hin. Einige von ihnen sollen sich zudem an dem Überfall in Connewitz am 11. Januar beteiligt haben. Diese gehe laut der Kampagne aus Recherchen der L-IZ hervor.

Das Lagezentrum der Polizei widersprach auf Anfrage der Darstellung des IfZ: „Es gab keinen Angriff.“ Man habe jedoch einen Notruf erhalten und sei vor Ort gewesen. Pressesprecher Andreas Loepki erklärte gegenüber LVZ-Online, dass „drei Personen in ein Objekt am Kohlrabizirkus eindringen wollten“. Für einen Angriff von mehreren dutzend Rechtsradikalen auf das IfZ gebe es jedoch seitens der Beamten keine Anzeichen.

Die Darstellung des “Institut für Zukunft” am heutigen Tag

Neila Schmidt, Sprecherin des IfZ schildert den Verlauf aus Sicht des Clubs am gestrigen Abend so: „Der Angriff ereignete sich gegen 21.30 Uhr. Mehrere Personen sammelten sich auf dem Parkplatz und versuchten sich durch die als Schutzmaßnahme aufgestellten Zäune Zutritt zu verschaffen. Dabei entfernten sie einen der Zäune. Zeitgleich gelangten weitere Personen von der Halle, in der das Kampfevent stattfinden wird, in die Atelier- und Studioetagen des Institut fuer Zukunft. Dabei versuchten sie eine verschlossene Tür aufzubrechen.“

Schon zuvor sei zu beobachten gewesen, wie mehrere Personen sich mit Eisenstangen und Zangen auf dem Gelände bewegten. “Das ist ein gezielter Angriff auf das Institut fuer Zukunft”, so Neila Schmidt. “Schon zuvor berichteten Medien vom zu erwartenden Gewaltpotential und den Verbindungen in die rechte Szene der Veranstalter um den als Neonazi bekannten Benjamin Brinsa. Dass es nun schon am Vorabend des Kampfevents zu einem solchen Angriff kommt, hätten wir nicht erwartet.”

Auch wenn niemand zu Schaden gekommen ist und die Polizei schnell vor Ort war, sei die Gefahr, die von diesem Event ausgeht, nicht zu unterschätzen. “Dass gewaltbereite Kämpfer hier unweit vom Leipziger Zentrum ein solches Großevent durchführen können, schafft nicht nur für unseren Club, sondern auch darüber hinaus, ein enormes Gefahrenpotential”, so Neila Schmidt weiter. “Wir können nicht nachvollziehen, wie man eine solche Bedrohung zulassen kann.”

Nach bisherigen Erkenntnissen der L-IZ hat es tatsächlich einen Angriff gegeben. Dies bestätigten mehrere Augenzeugen unabhängig voneinander. Das IfZ war für Nachfragen nach der offiziellen Mitteilung bislang nicht zu erreichen.

Die antifaschistische Demonstration gegen die Kampfsportveranstaltung startet um 17 Uhr an der Ecke Herder-/Wolfgang-Heinze-Straße.

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Keine Kommentare bisher

“Es gab keinen Angriff.“
„drei Personen in ein Objekt am Kohlrabizirkus eindringen wollten“.
Ja was denn nu?
Vielleicht muss man Fragen an die Polizei einfach anders stellen. Drei rechte Eindringlinge in der Nacht laufen da vielleicht nur als unangemeldete Besucher? Ein Angriff ist es doch erst, wenn linke Parolen gerufen werden, oder nicht?^^

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