Ganz so alt sieht es zwar nicht aus. Aber es hat schon 20 Jahre auf dem Buckel: das rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) der LVB. Sichtbar für Jedermann stehen die Fahrgastanzeiger an vielen Haltestellen. Sie zeigen an, wann die nächste Bahn, der nächste Bus kommt - oder auch nicht. Jetzt wird das ganze elektronische Meldesystem für 9 Millionen Euro ersetzt.

Daran arbeiten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH schon eine Weile. Das alte System war längst an seine Grenzen gekommen. Da halfen auch keine Updates mehr. Immer wieder sorgten kleine Blackouts dafür, dass die Fahrgäste gar keine Informationen mehr an den Informationssäulen sahen.

9 Millionen Euro kostet die Erneuerung des gesamten Systems mit Austausch der Hardware und neuem Programm. Darin steckt auch eine Förderung durch den Freistaat Sachsen aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), die 70 Prozent beträgt.

Das EFRE-Projekt RBL 2.0

Seit über 20 Jahren arbeiten die LVB mit einem rechnergestützten Betriebsleitsystem, das nun ausgedient hat, teilt das Unternehmen mit. Am Grundprinzip wird sich auch bei RBL 2.0 nichts ändern. Über Bordrechner in den LVB-Fahrzeugen sind diese mit der Leitstelle permanent verbunden und übermitteln Daten über den Standort und die Fahrplanlage. Diese Informationen werden direkt auf die Fahrgastanzeiger übertragen. Dort bekommen die Fahrgäste mit RBL 1.0 angezeigt, wann ihre Bahn oder ihr Bus mit höchster Wahrscheinlichkeit abfahren werden.

Das hat seine Tücken, wie jeder Fahrgast weiß. Manchmal kommen sie trotzdem nicht, lassen noch auf den letzten Metern eine Verspätung auflaufen, Reihenfolgen ändern sich. Und oft kommt dann viel zu spät der Hinweis, dass es mal gerade wieder ein Problem gibt unterwegs – meist mit “Kfz im Gleisbett”, Unfällen oder – in jüngerer Zeit immer häufiger – “Falschparker auf den Gleisen”.

Das wird auch RBL 2.0 nicht ausräumen.

Die einzigen, die handeln und Einsatzfahrzeuge, Polizei oder Abschleppwagen losschicken oder gar Ersatzbahnen ins Rollen bringen können, sind die Disponenten in der LVB-Leitstelle.

Sie können bei Unregelmäßigkeiten und Störungen eingreifen und Umleitungen anordnen oder mit dem Fahrer über Funk kommunizieren. Manchmal auch einfach abmoderieren, wenn ein Fahrerwechsel nicht geklappt hat, selbst der Ersatzverkehr das LVB-System an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht hat – jüngst erlebt bei den einsturzgefährdeten Häusern in der Eisenbahnstraße oder der Georg-Schumann-Straße.

Im Rahmen des Projektes RBL 2.0 wird nun die Hardware in den 300 Straßenbahnen, 150 Bussen, ebenso die der 223 elektronischen Anzeigetafeln sowie die Software des rechnergestützten Betriebsleitsystems modernisiert, benennen die LVB den Umfang der Maßnahme. Mit einem einfachen Update war das nicht mehr zu machen. Die ganze alte Elektronik muss ersetzt werden.

Ein kleiner Fortschritt für die Wartenden: Fahrzeuge, die noch nicht im System erfasst werden, werden jetzt nicht mehr mit ihrer wahrscheinlichen Abfahrtszeit eingeblendet, sondern mit ihrer offiziellen Abfahrtzeit aus dem Fahrplan. Statt 2 Minuten oder 7 Minuten steht dann auch an der Anzeigetafel 15.32 oder 17.35 Uhr. Am Freitag, 27. März, wurden die Fahrgastanzeiger entsprechend umgestellt.

Fahrscheinverkauf in Bussen wird flotter

Durch RBL 2.0 soll sich auch der direkte Kundenservice verbessern. So wird in den Bussen der LVB jetzt ein elektronisches Ticketingsystem eingebaut, mit modernen Fahrscheindruckern direkt beim Fahrer. Damit hört jetzt das Verkaufen von Fahrscheinen vom Block auf – die Tickets werden einfach gleich ausgedruckt, der Verkauf beim Busfahrer wird einfacher und zügiger.

Auch für Abo-Karten gibt es dann ein Lesegerät. Dem Fahrer wird dann nicht nur die Gültigkeit angezeigt, sondern auch die Art des Abos. Es kann weiterhin mit Bargeld bezahlt werden, betonen die LVB. Dafür gibt’s in den Fahrzeugen jetzt auch mehr Informationen als bislang zu sehen.

So werden an den Innenmonitoren nun die Umstiegsmöglichkeiten an den nächsten Haltestellen in Echtzeit angezeigt. Das wird dann spannend, wenn man eigentlich beim Einfahren der Bahn glaubt, noch genug Zeit zum Umsteigen zu haben – und die Fahrer trödeln sich bei Einfahren nicht aus.

Aber dann sieht man zumindest, welche Bahnen man gerade mit Karacho verpasst hat. Den Knopf, der den Fahrer zum Anhalten und Öffnen der Türen zwingt, den wird es dann wohl erst mit RBL 3.0 geben. Neu – aber bei einigen Fahrzeugen schon im Testbetrieb – ist das Blinden-Informationssystem, welches in enger Abstimmung mit dem LVB-Fahrgastbeirat sowie dem Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen entwickelt wurde. Beim Halten eines Fahrzeuges an einer Haltestelle werden über Außenlautsprecher in Zukunft die Liniennummer und das Fahrtziel angesagt.

„Für alle Sehbehinderten und Blinden ist diese Entwicklung ein echter Qualitätsgewinn. So erhöhen wir die selbstbestimmte Mobilität dieser Menschen. Aber auch alle anderen LVB-Kunden sowie Touristen profitieren von dieser Neuerung“, erläutert Christiane Mertens, Sprecherin des LVB-Fahrgastbeirates sowie Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Leipzig.

Während der Umbauphase kann’s turbulent zugehen

Die technische Umrüstung des Projektes läuft derzeit auf Hochtouren, betonen die LVB. Dazu gehören unter Anderem die Erneuerung der Leitstellen-Technik und der Umbau aller Straßenbahnen und Busse. Doch die Fahrgäste werden merken, dass hinter den Kulissen eine komplette Technik ausgetauscht wird.

Denn die Leitstellenmitarbeiter arbeiten in der Interimsphase (der Phase, in der das System umgestellt wird) notgedrungen gleichzeitig mit dem alten und dem neuen RBL. Deswegen kommt es an den elektronischen Anzeigetafeln, die nur mit den Echtzeit-Daten aus einem RBL versorgt werden können, bis zum Sommer zu Veränderungen. An den elektronischen Haltestellenanzeigen werden die Abfahrtszeiten der Straßenbahnen und Busse unterschiedlich dargestellt. Bei einem Teil der Fahrzeugflotte wird die Fahrplanzeit (zu erkennen als Uhrzeit-Darstellung), bei dem anderen weiterhin die Abfahrtszeit in Minuten (als „Countdown“) angezeigt. Dies ist abhängig vom jeweiligen Umrüstfortschritt, betonen die LVB und bitten ihre Kunden um Verständnis für diese Einschränkung bis zum Sommer.

Von den Einschränkungen der Datenversorgung sind in der Umrüstungsphase auch die digitalen Auskunftssysteme – wie die Fahrplanauskunft und easy.GO – betroffen.

Über die kurzfristigen Einschränkungen informieren die LVB an Haltestellenaushängen sowie über die Internetseite www.lvb.de/rbl2.

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Es gibt 2 Kommentare

Leider gehört das Sprechen von Ansagen nicht zu den Anforderungen im Stellenprofil für die LVB-Fahrer. (Im Ernst!)

Auch deshalb gibt es die vorprammierten Ansagetexte. Umleitungen müssten aber “live” angesagt werden, und das liegt halt nicht jedem Fahrer, auch wenn er ein netter Mensch ist und z.B. Heranrennende noch hineinlässt. (Ein in die Fahrkanzel gerufenes “Danke schön!” vergessen dann aber die meisten solcher Fahrgäste dann doch “gern” :-/ )

Sympathisch sächselnde Spontanansagen sind seltener geworden…

Hab das neue Anzeigesystem neulich in einer Bimmel gesehen und finde es super. Soll ja auch hörgeschädigte Menschen geben, die die Durchsagen nicht verstehen.

Was aber ganz unabhängig von RBL xxx schon jetzt getan werden kann: Ein klein wenig mehr Servicegedanke bei manchen Fahrern. Während des SEV in der Georg-Schumann-Str wegen des einsturzgefährdeten Hauses, und nicht nur bei diesem SEV, wurde keine Haltestellenansage gemacht. Eine Ortsfremde fragte den Busfahrer mehrmals danach. Antwort war, dass das System das nicht könne. Für Durchsagen gibt es aber ein Mikrofon, also mit bissel gutem Willen wär das schon möglich gewesen. Der sprechende Busfahrer, der seinen Fahrgästen immer mal ein nettes Wort über die Lautsprecher sagt, hätte das garantiert gemacht

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