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Eine vierteilige Rezension zu „Kapital Macht Politik“ – Teil 2: Warum das Große Geld auf Demokratie keinen Wert legt

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    Es gibt natürlich noch genug Wirtschaftstheoretiker, die anhand ihrer hübschen Modelle beweisen, dass dem nicht so ist, dass das Große Geld gar nicht die Macht hat, eine Gesellschaft wie die unsere zu zerstören. Wir leben doch in einer Demokratie.

    Wir leben noch in einer Demokratie, schreibt Harald Trabold. Noch tun wir das. Aber wir sind schon lange auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der von Demokratie nicht mehr viel übrig bleiben wird, in der das Volk, der demos, völlig entmachtet ist und keinen politischen Einfluss mehr hat.

    Im Grunde haben wir ja alle zugeschaut, zuschauen müssen, wie das Kapital seinen Einfluss auf die Politik in allen westlichen Staaten verstärkt hat. Einfluss hatte es schon vorher. Aber um Gesetze, Verträge und Verordnungen so zu verändern, dass es sich wieder – wie bis 1929 – zügellos und unkontrolliert vermehren kann, muss es tatsächlich auch die politische Macht übernehmen, sich solchen Zugriff auf Parlamente und Regierungen verschaffen, dass selbst Wahlen und Regierungsstürze nichts an seinem Zugriff auf die politischen Entscheidungen ändern.Und welches Mittel ist dabei wirksamer als das, über das die großen Kapitalbesitzer am reichlichsten Verfügen, das Geld? – Wer das Geld hat, hat die Macht. Wer noch mehr Geld hat, hat noch mehr Macht.

    Der Leser sei gewarnt: Es ist ein dichtes Buch. Harald Trabold entfaltet ein Feuerwerk der Fakten. Allein sein Quellenverzeichnis am Ende des Buches umfasst 50 Seiten – und es umfasst alles, was an Notwendigem zum Thema geschrieben wurde. Die Endnoten, die er beifügt, umfassen weitere 50 Seiten. Trabold weiß, wo er die Belege findet, die Ideengebäude und die wichtigsten kritischen Autoren, die sich in den letzten Jahren vermehrt mit den Auswüchsen des Kapitalismus beschäftigt haben, die unsere Welt und unsere Gesellschaften zerstören.

    Denn – und das wird gern vergessen: Das Kapital kennt keine Grenzen und keine Zügel. Wo es Regeln aushebeln kann zu seinen Gunsten, werden diese Regeln ausgehebelt. Wo man es schafft, Politiker zu kaufen (ob nun mit Bestechung oder die schöne Aussicht auf Parteispenden, Aufsichtsratsposten oder gleich den gut dotierten Wechsel in die „freie Wirtschaft“), wird es getan. Wo man Meinungen manipulieren, sich Ressourcen aneignen, Staaten aushöhlen und privatisieren kann, tut man es.

    Trotzdem lässt sich Trabold natürlich Zeit, dem Leser noch einmal alles auseinanderzuklamüsern – widmet dem ein ganzes Kapitel „Grundlegendes“, in dem er noch einmal deutlich macht, wie sehr die dienstbaren PR-Abteilungen des Kapitals in den letzten Jahren alles dafür getan haben, dass heute nicht nur Wirtschaftstheoretiker Kapitalismus mit Marktwirtschaft verwechseln und das Agieren des großen Kapitals immer wieder verstecken hinter dem Begriff Marktwirtschaft. Was ruckzuck dazu führt, dass jeder Kritiker des rücksichtslosen Agierens der Superreichen zum Kritiker der Marktwirtschaft gemacht wird.

    Und wer das Agieren dieser riesigen Geldvolumina in Frage stellt, steht dann auch schnell als Gegner der Demokratie im Fokus. Denn wer „freie Märkte“ kritisiert, der kritisiert ja doch wohl auch die Demokratie. Demokratie und freier Markt, das ist doch eins, oder?

    Ist es nicht, stellt Trabold fest. Und begründet es mit immer neuen Fakten und Belegen. Und es ist, als risse er einem nun seit 30, 40 Jahren anhaltenden Prozess der Verschleierung und Umdeutung die Fassade ab. Man darf erschrecken. Auch weil man damals vielleicht schon erschrocken ist, als in Großbritannien Margaret Thatcher und in den USA Ronald Reagen die Gesellschaft auf den Kurs der großen Kapitalgesellschaften gesetzt haben und einen Prozess eingeleitet haben, der die Politik immer mehr zum Spielplatz derer gemacht hat, die das Geld haben, sich Stimmen, Kampagnen und ganze Parteien zu kaufen.

    Auch die Frage stellt sich Trabold: Welches ist eigentlich die Wunschregierungsform des großen Geldes? Ist es wirklich die Demokratie?

    Auch das analysiert er gründlich und kommt zu der folgerichtigen Antwort: Nein.

    In Chile und in China hat der Kapitalismus längst gezeigt, dass er die Demokratie gar nicht braucht, um seine Renditen zu sichern. Im Gegenteil. Regierungen, die in seinem Auftrag die Demontage von Gesellschaften, Regeln und Normen übernehmen, sind ihm sogar lieber. In Diktaturen hat er sogar noch viel besseren Durchgriff auf alle Werte, da hindern ihn keine Parlamente, sturen Volksvertreter, gar Gewerkschaften daran, sich anzueignen, was er zur Geldvermehrung haben möchte.

    Und deswegen arbeitet das Kapital seit Reagan, Thatcher und Kohls legendärer „Wende“ daran, die Demokratien der westlichen Welt zu zerstören.

    Wie es das tut und was da auf uns zukommt – dazu mehr gleich in Teil 3.

    www.tectum-verlag.de

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