Widerrede und Plädoyer

Warum Demokraten und Europäer wieder lernen müssen, miteinander am Familientisch zu reden

Für alle LeserWas passiert eigentlich, wenn man sich mit seinen klugen und weltbereisten Kindern an einen Tisch setzt und über die aktuellen Probleme Europas und unserer Demokratie spricht? So, wie es Martin Roth getan hat, der nach dem Brexit-Referendum kurz für Wirbel sorgte, als er den Direktorposten des Victoria and Albert Museums aufgab. Das Ergebnis ist auch sein Vermächtnis.

Denn am 6. August starb der Mann, der einer der prägendsten Museumsmacher Europas und ein überzeugter Europäer war, in Berlin. Die Dresdner kennen ihn noch als langjährigen Direktor des Hygiene-Museums und der Staatlichen Kunstsammlungen. Den Brexit empfand er als persönliche Niederlage.

Und darauf kommt er im Gespräch mit seinen Kindern Mascha, Clara und Roman auch zu sprechen. Immerhin hat er die Stimmungsmache der Brexit-Befürworter in London live erlebt – hat zusehen können, wie die Wähler mit Lügen, Vorurteilen und blanken Emotionen dazu gebracht wurden, mehrheitlich für den Austritt Großbritanniens aus der EU zu stimmen. Monatelang war das Klima richtig vergiftet. Roth erkannte sein London nicht wieder – für ihn immerhin das Vorbild einer europäischen Stadt. Mit britischer Gelassenheit hatte das Ganze nichts mehr zu tun. Es wurden die primitivsten Vorurteile geschürt. Und es wurde mit Erfolg demonstriert, wie man mit dem Schüren von rassistischen und nationalistischen Ressentiments eine Entwicklung entfesseln kann, die mit rationalen Argumenten nicht mehr aufzuhalten ist.

Aber England ist mit diesem Effekt ja nicht allein. Ganz ähnliches erlebten die Amerikaner bei der Wahl Donald Trumps. Und in einigen Ländern Europas regieren diese Stimmungsmacher schon längst – Polen und Ungarn nur als Beispiel. Und in anderen Ländern sorgen diese Gruppen dafür, dass die politische Diskussion zusehends vergiftet wird und immer mehr abdriftet in rechtsradikale Deutungsmuster. In Großbritannien kam hinzu, dass ausgerechnet die jungen Wähler, die mehrheitlich gegen den Brexit waren, am Referendum nicht teilgenommen haben und damit den Alten überlassen haben, über ihre Zukunft, die Zukunft der jungen Leute, zu entscheiden.

Was nicht nur in Großbritannien ein Problem ist. Nicht nur, weil die Zahl der Senioren überall wächst und sie schon durch ihren wachsenden Bevölkerungsanteil immer mehr politische Entscheidungsmacht haben – junge Menschen nehmen ihre politischen Einflussmöglichkeiten hingegen oft nicht wahr. Und dabei geht es nicht nur um die Teilnahme an Wahlen und das bisschen Mumm, das man braucht, einer demokratischen Partei sein Kreuz zu geben. Das ist ja die große Sorge von Martin Roth im Gespräch mit seinen Kindern, dass sich junge Menschen viel zu selten politisch engagieren. Und wenn sie es dann tun – wie bei den Protesten gegen den gewählten Donald Trump und die Demokratie-Demontage in Polen – dann ist es zu spät. Dann haben auch große Demonstrationen keine Wirkung mehr, weil die Feinde der Demokratie längst in den Machtpositionen sitzen und den Staatsapparat dazu nutzen können, jeden Protest zu unterdrücken, und den Apparat so umbauen, dass die autokratische Macht auf Dauer zementiert wird.

Was tun?

Reden. Miteinander reden. Das ist der Grundansatz der Initiative Offene Gesellschaft, für die sich Martin Roth engagiert hat und der in diesem Buch modellhaft vorgelebt wird. Denn dass Populisten und Postfaktiker (Lügner) derart den Ton angeben in einer aufgeheizten Diskussion, das hat auch damit zu tun, dass viel zu wenig miteinander geredet wird. Auch aus Angst. Ein paar Kneipenszenen kommen so beiläufig ins Bild, in denen auch diese vier gesprächsbereiten Menschen merkten, dass man es immer mit Situationen der Angst zu tun hat. Denn Rassisten und Chauvinisten sind immer laut – sie haben ja keine Argumente. Sie hören auch nicht zu. Und sie greifen schnell zu Drohung und Gewalt. Damit dominieren sie den Kneipenlärm und sorgen dafür, dass erst gar keiner wagt, sich mit Bedenken und Widerspruch zu Wort zu melden.

Das Hauptinstrument jedes Populismus ist Einschüchterung.

Aber wo fängt man dann an? Vielleicht nicht unbedingt in der Kneipe. Vielleicht doch lieber da, wo es schwerfällt, aber doch meistens friedlich bleibt. Denn auch die heutigen Elterngenerationen sind nicht mehr so emotional verschlossen, hartleibig und autoritätsgläubig wie noch ihre Eltern oder gar die davor. Meist sind sie – wie Martin Roth – in Zeiten aufgewachsen, in denen Bewegungen wie die 1968er dafür gesorgt haben, dass endlich ein erster, zaghafter gesellschaftlicher Dialog begann und langjährige Tabu-Themen endlich angesprochen wurden.

Deswegen sind die Neuen Rechten von heute so wütend auf die Achtundsechsziger: Weil diese Offenheit, diese Bereitschaft, das Schweigen der Täter und Lämmer zu brechen, allem zuwiderlaufen, was Befürworter von Autokratien und Diktatoren wollen.

Aber gerade deshalb findet Roth es so bedrückend, dass ausgerechnet diese Gestrigen und Vorgestrigen sich heute als Heilsarmee für Europa verkaufen und damit auch noch Widerhall finden bis hin in Parteien, die sich mit dem Dialog auch nicht gerade leicht tun. Deswegen kommt ein deutscher Bundesinnenminister auch gar nicht gut weg in diesem Buch, denn mit seiner Ausgrenzungs- und Abwertungspolitik verfolgt er die Pläne der Gestrigen, nicht die einer offenen und pluralistischen Gesellschaft. Worin eigentlich schon ein Teil der Antwort liegt, denn wenn selbst wichtige Politiker demokratischer Parteien die grimmigen Töne der Autokraten aufnehmen, verliert die demokratische Gesellschaft natürlich ihre Konturen. Dann scheint auf einmal jeder Schritt nach rechts möglich – auch in Trippelschritten kann man in die Diktatur marschieren.

Und das Problem dabei ist, dass die Befürworter eines offenen und demokratischen Europa so selten zu hören sind und selten mit einem markanten „Hier stehe ich …“. Fast immer ist ein hingemurmeltes „Ja, aber …“ dabei. Als wenn den Rednern überhaupt nicht mehr bewusst ist, wie wertvoll und hart errungen nicht nur die Demokratie in Deutschland ist (nur zur Erinnerung: Sie ist erst 72 Jahre alt, für die Ostdeutschen noch ein Stück jünger) und wie selten das, was die EU heute ist, in der europäischen Geschichte. Augenscheinlich verlieren gerade die Dummköpfe jede Angst, wenn sie selbst niemals einen Krieg am eigenen Leib erlebt haben. Augenscheinlich fehlt ihnen jede Phantasie – halten sie Krieg für ein virtuelles Heldenepos, in dem der Mensch zum Heros wird … was sie ja in Bergen dämlicher Kriegsfilme und Ballerspiele genauso erleben. Die Regisseure inszenieren selten das wirkliche Leid. Und vor allem vermitteln sie nicht, wie viele Tote solche Kriege produzieren.

Martin Roth hat es zumindest indirekt noch erlebt, als ihm seine Eltern die Kriegsruinen und die Gräbermeere der getöteten Soldaten zeigten. Und ein Brief seiner Mutter machte ihm nachträglich noch klar, dass seine Eltern ihn doch irgendwie zu einem politisch denkenden Menschen gemacht haben. Etwas, was er versucht hat, seinen Kindern weiterzugeben. Die aber streiten das zum Auftakt des Gesprächs vehement ab – am Ende erzählen sie fast nur noch davon, wie diese fast zurückhaltende Ermunterung eben doch dazu geführt hat, dass sie sich mit Politik beschäftigten – aber trotzdem nicht in die Politik gingen. Das ist wirklich ein Unterschied. Aber irgendwie laufen alle vier Gespräche, in denen die Vier über die Welt, Europa, Deutschland und am Ende sich selbst reden, genau darauf hinaus: Dass dieser wichtige Unterschied aber auch ein entscheidender Unterschied ist. Dass Politik wohl doch keine Sache ist, die man anderen Leuten überlassen darf, die damit Karriere machen und am Ende oft nur noch dafür sorgen, dass ihre Macht zementiert wird. Autokratie beginnt nicht erst, wenn kleine Diktatoren eine Wahl gewinnen. Sie fängt schon vorher an, wenn politische Karrieren und Ämter dazu missbraucht werden, Machtpositionen dauerhaft zu sichern. Was es gerade jungen Leuten so schwer macht, in Parteien Fuß zu fassen. Denn sie merken sehr schnell, mit welchen Seilschaften und erstarrten Strukturen sie es zu tun bekommen.

Wer Lösungen erwartet in diesem Gespräch, wird sie nicht unbedingt finden. Jedenfalls keine einfachen. Was auch daran liegt, dass Engagement auf viele Arten möglich ist. Schlimm ist nur, wenn sich niemand engagiert und alle schweigen, wenn die Schreihälse die politische Bühne übernehmen. Und dieses Schweigen hat meist den einen, entscheidenden Grund: Man redet nicht mehr miteinander. Man lässt sich von Leuten, die großmäulig oder verächtlich allen anderen ihre Meinung aufdrücken, in Angst versetzen. Und sie scheinen heute ja überall zu sein. Nachdem sie die a-sozialen Netzwerke im Internet mit ihrem Geschrei zugedröhnt haben und die Gegenredner mit Drohungen und Beleidigungen versuchen, mundtot zu machen, tauchen diese Egomanen auch immer öfter in öffentlichen Räumen auf.

Einen Punkt berührt dabei Martin Roth, der ihn seit seiner Dresdner Zeit beschäftigt. Denn den vergrätzten und dialogunfähigen Ostdeutschen hat er dort auch schon kennengelernt und ihn dann mit dem Aufkommen von Pegida auch im Fernsehen gesehen. Doch für ihn war wichtig, die Enttäuschung dieser Leute zu spüren, ihr Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, selbst dann, wenn sie im neuen Staat gut versorgt sind. Es ist ganz unübersehbar ein psychologisches Problem. Denn um über Emotionen, Verwundungen und eine komplizierter werdende Welt reden zu können, braucht man ein Mindestmaß an Selbstbewusstsein und Souveränität. Das augenscheinlich viele Menschen nicht haben. Hinter Wut und Hass kann man sich gut verstecken. Da muss man nicht herauskommen und sich dem Gespräch stellen.

Die Frage, die natürlich am Ende steht, ist die: Klappt das, was Martin Roth mit seinen klugen, welterfahrenen Kindern gelungen ist? Auch über die eigene gemeinsame Geschichte zu sprechen und die eigenen Befindlichkeiten zu hinterfragen? Klappt das auch mit diesen von der Welt eigentlich erschreckten Eltern in Sachsen? Haben die wenigstens den Mut, mit ihren Kindern am Familientisch darüber zu reden?

Die Frage lasse ich einfach hier so stehen. Die betroffenen Kinder und Enkel wissen selbst, was sie bei ihren Versuchen erlebt haben, die Eltern zum Sprechen über das zu bringen, was wirklich wichtig ist. Mit dem Gespräch fängt alles an. Und mit dem Mut, für ein Europa zu kämpfen, das auch all das wird, wofür es sich zu kämpfen lohnt: pluralistisch, weltoffen, friedlich, kooperativ usw. Womit auch das Zugeständnis verbunden ist, dass Europa in vielen Dingen ein Erfolgsmodell ist, um das es weltweit beneidet wird. Aber weil die Chauvinisten so laut „Bäh!“ schreien, vergisst man das immer wieder. Und man vergisst auch, dass diese Nationalisten genau dieses Europa zerstören wollen. Auch wenn sie Kreide fressen und wunderbare Zeiten versprechen. Die haben ihre Vorgänger auch immer versprochen.

Wir wissen alle, was dabei jedes Mal herausgekommen ist.

Martin Roth Widerrede, Edition Evangelisches Gemeindeblatt, Stuttgart 2017, 9,95 Euro.

In eigener Sache: Abo-Sommerauktion & Spendenaktion „Zahl doch, was Du willst“

DemokratieEuropa
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 

Kommentar schreiben



Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Das Leipziger „Café kaputt“ fordert ein „Recht auf Reparatur“ für alle Verbraucher
Die Mannschaft des "Café kaputt". Foto: Sebastian Kastenholz, Café kaputt

Foto: Sebastian Kastenholz, Café kaputt

Für alle LeserDass unsere Müllberge so wachsen und unsere Umwelt so zerstört wird, hat auch mit einer Art des heutigen Wirtschaftens zu tun, die Dinge so herstellt, dass sie immer schneller verschleißen, geplant kaputtgehen und dann nur noch weggeschmissen werden können. Selbst Dinge, die in einer vernünftigen Welt alle wieder zu reparieren wären. Logischer Schluss: Eine Forderung nach einem EU-weiten Recht auf Reparatur.
Sachsens Vorstoß im Bundesrat zur Änderung des Wolfsschutzes ist blanker Populismus
Rüde des Daubitzer Wolfsrudels auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im sächsischen Teil der Lausitz. Foto: NABU/Jan Noack

Foto: NABU/Jan Noack

Für alle LeserBundesweit orakeln ja die Parteien aus der Großen Koalition in Berlin, woran es liegt, dass sie bei Wahlen derart abgestraft werden. Auch in Sachsen geht ja das große Geheule um. Aber am Mittwoch, 17. Oktober, machte Sachsens Agrarminister Thomas Schmidt deutlich, warum das so ist. Und warum mit der CDU im jetzigen Zustand kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Ein exemplarisches Beispiel von So-tun-als-ob-Politik.
André Herrmanns „Platzwechsel“ oder Zurück mit allen Gefühlen in der mittelostdeutschen Provinz
André Herrmann: Platzwechsel. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEiner unser treuesten Leser warf uns gleich vor, wir würden eine nicht wirklich begründete Jubelmeldung veröffentlichen, als wir ankündigten, für André Herrmanns neuen Roman „Platzwechsel“ seien die Filmrechte schon vergeben worden. Und dann liest man das Buch und weiß schon beim Lesen: Das kann ein gnadenlos guter Film werden. Wenn es nur nicht die üblichen ÖRR-Regisseure in die Hand bekommen.
Video „Sportpunkt“: Ein langes Fußball-Interview und die Einladung zur Selbstzerstörung
Norman Landgraf (li.) und Martin Hoch drücken allen Leipziger Sportvereinen die Daumen. Foto: Screenshot Sportpunkt

Foto: Screenshot Sportpunkt

Für alle LeserVideo Der 41. Sportpunkt flimmert seit Mittwoch über die Bildschirme. Ein langes Interview mit Philipp Bludovsky vom Vorstand des FC Blau-Weiß Leipzig bildet den Mittelpunkt der Sendung. Zudem lockt der Ex-Kanu-Weltmeister Stefan Holtz die Leipziger Freizeitsportler mit einem Event, um sich "richtig schön zu zerstören".
Verklebte Vögel verenden in Leipzig – NABU Sachsen erstattet Strafanzeige
Der verklebte Hausrotschwanz wurde im Mai tot in der Leipziger Innenstadt gefunden. Foto: NABU Leipzig

Foto: NABU Leipzig

Für alle LeserDa sind nun das große Insektensterben und der Rückgang der Vogelbestände in aller Munde, Leipzig diskutiert über das Verschwinden wichtiger Habitate für Vögel wie Hecken, große, alte Bäume oder Brachen – aber einige Hausbesitzer führen einen regelrechten Krieg gegen Vögel. Und zwar mit verbotenen Methoden. Der NABU Sachsen hat Strafanzeige gestellt.
Linke Abgeordnete kritisiert, dass Sachsen das Menschenrecht auf Bildung für geflüchtete Kinder nicht einlöst
16. Schule in Volkmarsdorf. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist eine symptomatische Antwort auf eine grundlegende Frage, die die Landtagsabgeordnete der Linken, Juliane Nagel, jetzt von der Staatsregierung bekommen hat. Laut der Antwort auf ihre aktuelle Anfrage bleibt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen (EA) des Landes untergebracht werden, hoch. Und damit bleiben sie auch monatelang der Schule fern. Sachsens Flüchtlingspolitik verhindert auch hier frühe und sinnvolle Integration.
Erste Wasserstofftankstelle der Region Leipzig im Güterverkehrszentrum eröffnet
Eröffnung der Wasserstofftankstelle in Leipzig. Foto: H2 MOBILITY/ Michael Bader

Foto: H2 MOBILITY/ Michael Bader

Für alle LeserDie Mobilität auf unseren Straßen wird sich ändern. Das steht fest. Ob tatsächlich das individuell besessene Auto die Zukunft sein wird, ist offen. Wahrscheinlich nicht. Das verkraften unsere immer kompakteren Städte nicht. Derzeit fokussiert sich die Entwicklung trotzdem erst einmal auf alternative Antriebe. Das erste E-Taxi fährt jetzt bei 4884 und die erste TOTAL-Tankstelle stellt jetzt auch Wasserstoff bereit.
Hochrechnung: Rund 490.000 Sachsen sind von Depression betroffen
Arbeiten, auch wenn's hart wird. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas passiert eigentlich mit einer Gesellschaft, in der die Ansprüche an Mobilität, Flexibilität und Verfügbarkeit der Beschäftigten immer weiter wachsen? In der auch die Freizeit immer weiter durchplant, optimiert und nutzbar gemacht wird? – Sie zeigt Überlastungserscheinungen. Die Menschen sind dafür nicht gemacht und erkranken psychisch. Die Barmer Ersatzkasse hat jetzt einmal Zahlen für 2016 vorgelegt.
Warum hat die Rheinische Post die Zahlen eher als der Abgeordnete, der gefragt hat?
Bundestagsabgeordneter Sören Pellmann (Die Linke). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSören Pellmann ist sauer. Und das wohl zu Recht. Seit 2017 sitzt er für die Linkspartei im Bundestag. Und er nimmt seine Arbeit ernst und beschickt die Bundesregierung auch immer wieder mit Anfragen zu Themen, bei denen die Regierung immer nur herumdruckst. Normalerweise bekommt ein Abgeordneter nach einer Woche Antwort. Aber nun tauchen dise Zahlen auf einmal in der Presse auf, ohne dass Pellmann die Antwort der Verteidigungsministerin bekommen hätte.
Gedichtetes und Geträumtes von Michelle Steinbeck: Eingesperrte Vögel singen mehr
Michelle Steinbeck: Eingesperrte Vögel singen mehr. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMit Michelle Steinbeck hat der Verlag Voland & Quist eine neue große Autorin gewonnen. Eine mit einer richtigen Vor-Geschichte. Darauf spielt schon das Zitat an, das die 1990 geborene Schweizerin ihrem Buch beigegeben hat: Elke Heidenreich „Wenn das die neue Generation ist, dann gnade uns Gott.“ Hinter dem Zitat steckt der Skandal, den Heidenreich 2016 mit ihrem Auftritt im „Literaturclub“ ausgelöst hat.
Ein Gastbeitrag zu einem Lichtfest-Demontage-Artikel der LVZ
Endlich mal nur Frauen beim Lichtfest 2018 auf der Bühne. Das Thema? 100 Jahre Kampf um Gleichberechtigung. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser„Politiker rechnen mit Lichtfest ab – nächste Feier ohne Meier?“, titelte die LVZ (auch online) am 13. Oktober. Ein Beitrag, der gegen den künstlerischen Leiter des Lichtfestes, Jürgen Meier, zielte, aber aus der Politik nur Vertreter der CDU und ausgerechnet der AfD zu Wort kommen ließ. Bewusst wurde darauf angespielt, es handele sich ja bei Meier um einen Westdeutschen. Völlig daneben jedoch fand die Übernahme rechter Argumentationsmuster dabei der Leipziger Professor für Romanische Literaturwissenschaft und Kulturstudien Alfonso de Toro. Sein Kontra dazu hier als Gastbeitrag.
DOK-Festival freut sich über hohen Frauenanteil und Eröffnungsfilm von Werner Herzog
Werner Herzog (l.) im Gespräch mit Gorbatschow. Foto: DOK Leipzig / Lena Herzog

Foto: DOK Leipzig / Lena Herzog

Für alle LeserAls angeblich erstes Filmfestival der Welt hatte sich das DOK eine Frauenquote für die Regie im Deutschen Wettbewerb auferlegt. Nun sind nicht nur in diesem Wettbewerb, sondern auch im gesamten Programm die Regisseurinnen in der Überzahl. Die Organisatoren freuen sich zudem über prominente Namen zum Auftakt: Der diesjährige Eröffnungsfilm kommt von Werner Herzog und porträtiert Michail Gorbatschow, den letzten Präsidenten der ehemaligen Sowjetunion.
Auch selbstständige Sachsen meiden, wo es geht, die Wohltaten des Jobcenters
Kassensturz mit Groschen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSachsen wollen arbeiten. Für sie ist Arbeit nicht nur Sinngebung, sondern auch ein Stück ihres Stolzes. Und das würde wohl auch funktionieren, wenn es kein „Hartz IV“ gäbe und die Sanktionspraxis der Jobcenter, bei der ja die sächsischen besonders eifrig sind. Da arbeiten die Sachsen lieber für einen Hungerlohn, als sich bürokratisch drangsalieren zu lassen. Oder sie versuchen sich als Selbstständige durchzuschlagen, auch wenn’s eigentlich nicht zum Leben reicht.
SPD-Stadträtin fordert den OBM auf, kleinere Müllfahrzeuge kaufen zu lassen
Sammelfahrzeug im Einsatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVerwaltungen machen es sich gern einfach. Viele neue Vorschriften haben oft nur den Zweck, Kosten und Aufwand (für die Verwaltung) zu reduzieren und sich anstrengende Änderungen zu ersparen. So auch bei der nun auch in der Leipziger Abfallwirtschaftssatzung auftauchenden Neuregelung, Straßen, die schmaler als 3,55 Meter sind, künftig nicht mehr mit Abfallfahrzeugen zu befahren. Da vermisste auch Nicole Bärwald-Wohlfarth ein bisschen Anstrengung im Eigenbetrieb Stadtreinigung.
Warum eine Umfrage zum Sicherheitsempfinden nur von rosa Elefanten erzählt
Kleiner Willy-Brandt-Platz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Der Artikel über den Fragebogen enthält mehr Vorurteile als der Fragebogen selbst....wie sicher fühlen sie sich in ihrem Umfeld....was ist an dieser Frage unwissenschaftlich?“, fragte uns Leser/-in „peku“ unter unserem ersten Bericht dazu. Zu Recht. Weil diese Frage den Blick auf das richtet, was an dieser Umfrage schon im Ansatz nicht stimmt. Der Fragebogen macht einen Frame auf, einen Rahmen. Oder noch genauer: Er verengt den Fokus. Damit wird er unwissenschaftlich.