Freya Kliers großes Panorama der Stadt Dresden im Jahr 1919

Für alle LeserMenschen sind fehlbar. Und meistens sind sie überfordert, die Folgen ihrer Entscheidungen wirklich zu bedenken. Da dominieren Emotionen von Rache, Wut, tiefer Verletztheit und sorgen dafür, dass die Geschichte für Generationen auf katastrophale Gleise gerät. Was hat das mit Dresden im Jahr 1919 zu tun? Eine Menge. Gerade weil Freya Klier sich um die Komplexität eines Jahres bemüht, das bislang eher so mitdümpelte im Schatten von 1918.

Und das auch noch exemplarisch an der sächsischen Landeshauptstadt, die der bekannten Bürgerrechtlerin und Dokumentarfilmerin schon deshalb am Herzen liegt, weil sie dort geboren wurde. Sie kennt die Stadt und ihre Mentalitäten. Und sie sieht in den Ereignissen der Vergangenheit die Gegenwart aufblitzen. Was auch mit ihrem speziellen Verhältnis zu linken Radikalen und ihrer Vorstellung von Staatsraison zu tun hat.

Denn auch die DDR mit ihrem autoritären Rechtsverständnis ist ein Kind des Jahres 1919. Was zumindest all jene wissen, die sich ein wenig mit der Geschichte der SED und ihrer Mutterpartei KPD beschäftigt haben – und mit der Rolle, die die Radikalsozialisten schon im Herbst 1918 spielten. Das Bild von Karl Liebknecht, der am 9. November 1918 die sozialistische Republik ausrief, war in allen DDR-Geschichtsbüchern, das von Philipp Scheidemann (SPD), der kurz vorher die demokratische Republik ausgerufen hatte, nicht.

Am Rande kommt das auch in Freya Kliers Erzählung vor – denn während Karl Liebknecht augenscheinlich alles dafür tat, die eigentlich schon siegreiche Revolution weiterzudrehen und mit einem bewaffneten Aufstand in das Fahrwasser der russischen Oktoberrevolution zu bringen, war es Rosa Luxemburg, die diese Radikalisierung ablehnte und dafür plädierte, dass die frisch gegründete KPD an den Wahlen zur Nationalversammlung teilnahm.

Und dass Freya Klier das besonders betont, hat auch mit ihrem Blick auf Geschichte zu tun. Sie sucht die Frauen, die damals Geschichte voranbrachten. Und sie findet sie, angefangen bei der Dresdner Schauspielerin und Frauenrechtlerin Marie Stritt, die damals die bekannteste Vorkämpferin des Frauenwahlrechts war, das den Frauen dann tatsächlich mit der Novemberrevolution „in den Schoß fiel“, wie es einige Männer damals sahen.

Dabei lagen über 50 Jahre organisierter Kampf hinter der deutschen Frauenbewegung. Und dass das allgemeine Wahlrecht jetzt nicht mehr nur für alle Männer ab dem 20. Lebensjahr galt, sondern auch selbstverständlich für die Frauen, das hatte damit zu tun, dass es seit August Bebel zu den zentralen Forderungen der SPD gehörte.

Gerade die unerhörte Gewalttätigkeit, die nach der eigentlich erfolgreichen Revolution vom 9. November ausbrach, verstellt bis heute den Blick darauf, dass die Deutschen 1918 tatsächlich ihre erste erfolgreiche Revolution zustande brachten, die das Land zur Demokratie und zur Republik machte – mit Errungenschaften, um die liberale, demokratische und sozialdemokratische Parteien seit Jahrzehnten gekämpft hatten.

Aber die Radikalen unter den Linken zeigten, wohin es führt, wenn eine Weltanschauung in Schwarz/Weiß – oder besser in diesem Fall: Rot/Weiß – erstarrt ist und sich eine radikalisierte Partei anmaßt, ein ganzes Land gewaltsam zu dem zu machen, was in ihrem phrasendurchsetzten Parteiprogramm als Ziel der Menschheit proklamiert wird. Der Spartakus-Aufstand vom Januar 1919 war so ein Versuch, die Revolution an sich zu reißen und mit Gewalt weiterzutreiben. Der erste, aber nicht der letzte.

Denn es folgen noch mehrere solcher Aufstandsversuche, auch in Sachsen. Was auch die junge sächsische Regierung unter dem SPD-Ministerpräsidenten Georg Gradnauer zu spüren bekam, die eigentlich alle Hände voll zu tun hatte, denn im (Nach-)Kriegsjahr 1919 war die Versorgungslage der Deutschen katastrophal. Bis zur Unterzeichnung des Versailler Vertrags blieben die Handelswege blockiert. Im Land herrschte Hunger, die Energieversorgung war gefährdet, Seuchen grassierten, hunderttausende Kriegsversehrte brauchten Unterstützung, Hunderttausende Wohnungen fehlten. Nur die Hoffnung war da, dass die Ausrufung Deutschlands zur Republik die einstigen Kriegsgegner besänftigen und einen guten Frieden ermöglichen würde.

Das aber, was die Deutschen dann unterzeichnen mussten, war das Gegenteil davon. Und zu Recht beschäftigen sich in diesem Jahr mehrere Historiker mit der Frage, was die Siegermächte in ihrem Wunsch nach Vergeltung mit diesem Vertrag eigentlich angerichtet haben. Auch für die junge Demokratie in Deutschland, die nun auf einmal die Lasten für das, was die abgedankte Kaiserregierung verschuldet hatte, aufgebürdet bekam. Von einer Hypothek für die junge Demokratie schreibt Freya Klier.

Aber je mehr man darüber liest, umso deutlicher wird, wie dieser Friedensvertrag ab dem Sommer 1919 die rechtsradikalen Kräfte in Deutschland befeuerte. Waren es Anfang 1919 noch die Linken, die versuchten, ihre Radikalrevolution herbeizuzwingen, sorgte die gewaltige Enttäuschung über den Versailler Vertrag ab Sommer 1919 dafür, dass sich gerade das bürgerliche Lager zunehmend radikalisierte.

Freya Klier bleibt nicht beim Jahr 1919 stehen. Sie zeichnet auch ein paar Linien darüber hinaus, die dieses turbulente Jahr ausweisen als Beginn all der Konflikte und Krisen, die die Weimarer Republik bis 1933 immer wieder durchlodern sollten, um dann zuletzt den Zerstörern der Demokratie wieder die Macht in die Hand zu legen.

Unüberlesbar: Freya Klier schreibt das Buch auch als Warnung, dass genau das nicht wieder passieren darf. Ganz am Ende des Buches erzählt sie auch über den in der Regel tragischen Ausgang der Schicksale jener Menschen, die sie zu Heldinnen und Helden ihres Buches gemacht hat. Bis auf die Frauen sind es allesamt bekannte Personen. Und die Frauen sind nur deshalb nicht so bekannt, weil die Geschichtsschreibung sie bis heute immer wieder aussortiert, weil sie das, was Frauen tun, nicht für so wichtig hält.

Siehe Marie Stritt, die mit der Einführung des Frauenwahlrechts einen Erfolg feierte, der selten gewürdigt wird. Gleiches aber gilt für die ersten sächsischen Frauen in der Nationalversammlung und in der sächsischen Volkskammer: Julie Salinger, Anna Geyer, Helene Wagner, Marie Juchacz. Die Parlamentsprotokolle belegen bis heute, was für eine ambitionierte Arbeit sie in den Parlamenten leisteten – natürlich zumeist für „Frauenthemen“: Wohnungslose, uneheliche Kinder, Armenküchen, Arbeiterinnenrechte, Wohlfahrt, Kinderbetreuung, Schulen …

Frauenthemen deshalb, weil die Männer sich darum bis dahin eher selten gekümmert haben. Männer sehen vieles nicht. Und schon damals war die Doppelt- und Dreifachbelastung der Frauen ein Thema. Viele mussten sich nicht nur um die Kinder kümmern, sondern nun auch noch um ihre kriegsversehrten Männer.

Die Not war mit Händen zu greifen. Und nicht nur Georg Gradnauer mit seiner Regierung aus Mehrheits-SPD und Demokratischer Partei hatte alle Hände voll zu tun, das ausgepowerte Sachsen am Laufen zu halten und die Versorgung der Bevölkerung einigermaßen zu sichern. Dasselbe gilt auch für den Dresdner OBM Bernhard Blüher, der auch mehrfach ins Bild kommt. Da und dort gewinnt die schiere Not, die damals für die meisten Dresdner der Alltag war, Konturen. Genauso wie die Hoffnung, es würde einen guten Frieden geben und das Hungern würde ein Ende nehmen.

Gerüchte genügten, um die Arbeiter, die Arbeitslosen, die Kriegsversehrten wieder auf die Straße zu bringen. Tausende kleine und große Streiks erschütterten das Land. Und so ein Protest war auch der Beginn jenes Dramas, bei dem am 12. April 1919 der sächsische Minister für Militärwesen Gustav Neuring (SPD) ermordet wurde.

Ein Ereignis, das Freya Klier besonders akribisch untersucht, denn in DDR-Geschichtsbüchern wurde die Ermordung als eine Tat rechtsradikaler Täter gebrandmarkt und zum Auslöser der rigiden Maßnahmen der sächsischen Regierung gegen die Arbeiter- und Soldatenräte in Chemnitz und Leipzig stilisiert. Das soll bis heute so in den Geschichtsbüchern stehen.

Und es ist falsch. Denn Aufputscher des Angriffs auf das Dresdner Blockhaus, wo Neurings Ministerium untergebracht war, waren wohl eher die von den Protokollen erwähnten Spartakusleute, die vorher schon mit Reden und Attacken gegen die Regierung die Stimmung angeheizt hatten.

Dass ein Jahr später die Radikalen von rechts mit dem Kapp-Putsch auch in Dresden ein Blutbad anrichten würden, erzählt Freya Klier natürlich auch noch. Die Weimarer Republik war von Anfang an unter Beschuss der Radikalen – in diesem Fall wirklich von rechts und links.

Aber gerade das lenkt den Blick eben auch auf die Frage: Wie leicht sind Menschen radikalisierbar? Wie schnell lassen sie sich von Proklamationen und Ideologien dazu aufheizen, zur Gewalt zu greifen und die Dinge ins Extrem zu treiben, als müsste erst alles in Chaos versinken?

Denn dass es diese junge Demokratie so schwer hatte, hat ja genau damit zu tun. Noch ist es nicht eingeübt, dass man in einer Demokratie Konflikte im Gespräch klären muss, gemeinsam um eine für alle günstige Lösung ringen muss. Dazu kamen die vier Jahre Kriegserfahrung der Männer, wo sie ja das Gegenteil gelernt hatten: Ergebnisse erreicht man nur mit Gewalt. Es liegt – auch wenn das viele der damaligen Quellen nicht so offenkundig zeigen – eben auch ein großer psychologischer Moment über diesem Geschichtskapitel. Remarque hat ihn ja beschrieben. Aber der war ja kein Dresdner.

Dafür kommt ein anderer Dresdner ins Bild: Arnold Friedrich Vieth von Golßenau, Offizier im Weltkrieg, auch 1919 noch Offizier, aber 1920 weigert er sich dann während des Kapp-Putsches, auf die Arbeiter zu schießen, die den Putsch mit Streiks und Demonstrationen zu beenden versuchen. Er lässt sich degradieren und entlassen. Und wird bald zu einem der bekanntesten linken Schriftsteller als Ludwig Renn. 1928 wird er sein Buch „Krieg“ veröffentlichen.

Und er ist nicht der einzige berühmte Künstler, den Freya Klier in diesem Dresden des Jahres 1919 auftreten lassen kann. Der junge Erich Kästner taucht natürlich auf, der gerade in dieser Zeit beschließt, eben doch nicht Lehrer zu werden, sondern lieber an der Universität Leipzig zu studieren. In Leipzig wird dieser Kästner seine Laufbahn als Journalist und Autor beginnen.

Und Dresden ist im Jahr 1919 ein Ort, wo die moderne Kunst zu Hause ist. Oskar Kokoschka wird Lehrer an der Kunstakademie, Otto Dix beginnt hier, seine mitreißenden und eruptiven Bilder zu malen. Mit Otto Griebel kommt ein dritter Künstler dieses Ranges ins Bild.

Und es ist auch das Jahr, in dem der Romanist Victor Klemperer aus München (das er überhaupt nicht mag) nach Dresden an die TU wechselt, der heute vor allem durch sein Buch „LTI“ und seine großen Tagebücher bekannt ist. Da es in München noch viel turbulenter zuging als in Dresden, haben ihn die Nachrichten aus der sächsischen Hauptstadt nicht wirklich beunruhigt. Und dass auch Friedrich Wolf damals als Arzt in Dresden tätig war, bevor er zu einem der bekanntesten linken Dramatiker wurde, ist auch nicht vielen bekannt.

Dass er – genauso wie Kokoschka (den ausgerechnet dessen Geliebte Alma Mahler in den Krieg getrieben hatte) – unter den Folgen des Krieges leidet, gehört natürlich auch zur Geschichte. Der Krieg wetterleuchtet nicht nur in den Seelen der Revolutionäre und Konterrevolutionäre, sondern auch und gerade in den Köpfen der Künstler. Und Künstlerinnen. Deswegen kommt auch Elfriede Wächtler ins Bild, eine der bekanntesten expressionistischen Malerinnen, die dann aber, als sie später psychisch erkrankte, Opfer des NS-Mordprogramms wurde.

Es ist ein Panorama einer Stadt im Fegefeuer der Geschichte, das Freya Klier hier zeichnet – mit allen Farben, die sie finden kann. Sie zeigt die enorme Armut, die die Stadt belastet, die lange anhaltenden Folgen des Krieges, das mühsame Ringen darum, die junge Demokratie zu retten und – etwa über das reformierte Schulsystem – ihre Werte auch in die Köpfe der Kinder zu tragen. Wogegen es natürlich auch bizarre Gegenkräfte gab.

Und bei all dem Gezerre um eine mögliche Zukunft wirken die Künstler fast wie Irrlichter. Aber so wirken sie nur, weil sie das, was sie bedrückt und bewegt, anders ausdrücken müssen. Sie müssen dafür Kunstwerke schaffen, die mehr erzählen als Protokolle und Zeitungsartikel. Und die Erwähnten sind allesamt Beispiele dafür, dass es ihnen gelungen ist. Ihre Werke beeindrucken bis heute.

Und da und dort sind sie auch wieder Fundstellen für Freya Klier gewesen, die mit diesem Buch exemplarisch zeigt, wie Geschichte in einer sächsischen Kulturstadt erlebt wurde. Aus unterschiedlichen Perspektiven, in gewisser Weise auch ein bisschen dadaistisch, weil vieles scheinbar gar nicht zusammenpasste und die Gesellschaft regelrecht zu zerreißen schien.

So gesehen gibt es natürlich Parallelen auch zur Gegenwart. Das klingt immer wieder an. Weil es selbst wieder dadaistisch ist, dass renitente Radikale nicht nur die schwer errungene Demokratie wieder infrage stellen, sondern auch den Frieden. Und auch für Freya Klier stehen am Ende Fragen, auf die sie eine Antwort sucht: „Wieso fallen so viele Menschen, und dies weltweit, auch im 21.Jahrghundert noch auf Demagogen herein, lassen sich auf Kommando auf fremde und auch nahe Mitmenschen hetzen?“

Eine Frage, die natürlich auch Freya Kliers Geburtsstadt gilt: Warum?

Freya Klier Dresden 1919, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2018, 26 Euro.

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