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Aphrodisiaka: Nichts macht einsamer als ein Essen ohne Liebe und Sinnenfreude

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    Ute Scheffler ist eine Naschkatze. Essen und Trinken haben bei ihr immer eine sinnliche Dimension. Logisch, dass sich das dann auch auf andere Bereiche der Sinnlichkeit erstreckt und das deutsche Sprichwort von der Liebe, die durch den Magen geht, nicht fehlen darf, wenn sie den Leserinnen und Lesern erzählt, mit welchen Zutaten Gerichte besonders anregend werden. Vielleicht nicht einmal nur zu dem einen.

    Dem, womit man die alte griechische Göttin Aphrodite verbindet, die aber eben nicht nur die Göttin der Liebe war, sondern auch die der Ehe. Denn manche Leute glauben ja, es gehe bei Liebe immer nur um Sex, um aufwallende Gefühle, rauschendes Blut, Schmetterlinge im Bauch und heiße Nächte im Bett. Und so interpretieren wohl auch die meisten das Sprichwort und suchen dann nach lauter Mittelchen, mit denen sie nach dem Genuss schnell zur Sache kommen.

    Aber war es wirklich so gemeint?

    Und: Was sind wirklich Aphrodisiaka? Etliche Nahrungsmittel haben ja seit alters her diesen Ruf – manche einfach nur, weil sie so aussehen, als ob – etwa Spargel und Artischocken –, andere, weil sie bekanntermaßen das Blut in Wallung bringen: Meerrettich, Chili, Rosmarin. Denn am Ende geht es ja vor allem darum, dass der Körper auf Touren kommt. Sex ist ja Sport. Da ist Leistungsbereitschaft und Ausdauer gefragt. Und dann hält er auch gesund. Es ist die schönste körperliche Betätigung, die zwei zusammen anfangen können.

    Und sonst?

    Da Ute Scheffler die Wirkungsweise all der beliebten Zutaten beschreibt, die klassisch zur Liebesküche gehören, merkt man schnell, dass es eigentlich um mehr geht. Denn wer Gerichte mit Liebe zubereitet, sorgt nicht nur für einen Augenschmaus, regt also auch andere Sinne an als nur die auf körperliche Aktion zielenden. Denn eines muss auch heute – im Zeitalter von Fast- und Fertig-Food – immer wieder gesagt werden: Essen sollte eigentlich Sinnenlust sein.

    Vom Anblick der Speisen über die Entfaltung der Aromen bis zum Gefühl der Freude, wenn die Bissen auf der Zunge zergehen. Denn wir sind ja keine Automaten. Wir essen mit allen Sinnen. Und wer wirklich einen Partner oder eine Partnerin hat, der oder die gut kochen kann, der weiß, was für ein Erlebnis ein tatsächlich mit Liebe und Kenntnis zubereitetes Essen ist. Da erzählt dann alles, was auf den Teller kommt, davon, dass hier jemand für jemanden aufmerksam ist.

    Und da kommt dann auch Aphrodites Rolle als Ehe-Beschützerin ins Spiel. Denn am Tisch zeigt sich, ob zwei wirklich noch aufmerksam aufeinander sind und Freude daran haben, einander Freude zu machen. Auch mit Gerichten, bei denen der oder die andere jeweils wegschmelzen. Auch nach Jahren noch. Auch weil das Zubereitete immer wieder davon erzählt, dass man nicht nur früher einmal verliebt war, irgendwie von Hormonen berauscht, sondern dass man sich über die Nähe des anderen immer noch freut. Das Miteinander bleibt auch ein gemeinsames Sinnenerlebnis.

    Und eigentlich erzählen auch die Rezepte, die Ute Scheffler hier – zubereitet mit den vorgestellten aphrodisischen Zutaten – als sinnliches Essvergnügen vorstellt, von nichts anderem als dem aufmerksam gepflegten Vergnügen am Essen. Das geht mit (sinnlichen) Vorspeisen los (vom Liebessalat bis zum Safransüppchen) und endet nicht mit verführerischen Hauptspeisen (in diesem Fall mit erstaunlich vielen Muscheln, Hummer und Fleisch).

    Und wer dann noch nicht zufrieden bis zu den Ohrenspitzen ist, der kann das verliebte Mahl noch ganz sündig und kalorienreich beenden – mit Schoko-Tarte, Kokospudding oder Maronen-Zimt-Creme. Und weil man dann wahrscheinlich ziemlich schwer in seinem Sessel sitzt, wird noch mit lauter fruchtigen Drinks nachgeholfen.

    Da bleibt eigentlich nichts anderes als Ausklang, als sich danach tüchtig gemeinsam zu betätigen. Und wenn man’s nicht mehr ins Bett schafft, dann hilft auch eine Joggingrunde zu zweit, auf der man dem fröhlichen Esserlebnis noch einmal nachspürt, während man die aufgeladenen Kalorien wieder ausschwitzt.

    Denn eigentlich ist die Botschaft ja: Essen sollte wieder etwas Sinnliches sein, wir verlieren sonst einen wichtigen Teil unserer Lebensfreude.

    Und: Essen, das nicht sinnlich ist, sollte man wohl lieber meiden.

    Denn das erzählt von einem Leben ohne Liebe, macht grantig, traurig und einsam. Und wenn man sich so umschaut: Darunter scheinen erstaunlich viele Menschen zu leiden. Wahrscheinlich, weil sie nie darüber nachgedacht haben und nie gelernt haben, dass die Freude am Leben schon beginnt, wenn man die Zutaten für eine wirklich mit Liebe zubereitete Mahlzeit besorgt. Das Büchlein regt eigentlich genau dazu an.

    Ute Scheffler Aphrodisiaka. Kulinarisch verführen, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2019, 5 Euro.

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