Denkzettelareale: Der Versuch zu erfassen, was 33 heutige Dichter/-innen eigentlich machen, wenn sie schreiben

Für alle LeserDie Lyrik ist tot. Es lebe die Lyrik! Kein Mensch liest mehr Gedichte. Kein Mensch versteht mehr, was Dichter schreiben. Lyrik hat es schon nicht einfach in unseren Tagen. Und trotzdem erscheinen – zumeist in kleineren, mutigen Verlagen – Gedichtbände, liebevoll aufgemacht, in zumeist kleinen Auflagen. Und trotzdem stellen sich Herausgeber alle paar Jahre die weltbewegende Frage: Was ist denn eigentlich die aktuelle zeitgenössische Lyrik? Wie ist der Stand der Dinge. Ja, wo laufen sie denn?
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Aron Koban und Annett Groh haben es mit diesem nun bei Reinecke & Voß erschienenen Band ein wenig anders gemacht und nicht einfach eine Sammlung der jüngeren Autorinnen und Autoren zusammengestellt, von denen sie meinen, das könnten die maßgeblichen Stimmen der Zeit sein. Das ist schier unmöglich. Das war auch früher schon gewagt, auch wenn Herausgeber da keinerlei Respekt kannten, einfach aus ihrer Sicht festzulegen, was zum Kanon gehört und was nicht.

Was als repräsentativ zu gelten hat und gültig für alle Zeit. Wie subjektiv das ist, wird im Nachwort von Kurt Drawert deutlich, der die Entstehungsgeschichte eines ähnlichen Sammelbandes vor 20 Jahren („Lagebesprechung“) beschreibt.

In seinem Text reflektiert er auch über die Diskurse innerhalb der lyrischen Szene, diesen erstaunlichen Druck, der augenscheinlich fast alle belastet, die „irgendwas mit Lyrik“ machen – Literaturwissenschaftler, Literaturdozenten, Kritiker, Herausgeber, Poetologen und die Autor/-innen selbst, die oft auch noch alle anderen Rollen ausfüllen.

Es gibt kein Literaturgenre, das derart unter Rechtfertigungsdruck steht wie die Lyrik. Bis hinein ins Existenzielle, wenn die Dichterinnen und Dichter nun der vom Nützlichkeitsdenken besessenen (und meist völlig unbelesenen) Außenwelt erklären müssen (oder zu erklären versuchen), warum sie nun ausgerechnet Gedichte schreiben. Schreiben müssen.

Wer braucht denn schon Gedichte? Kein Mensch.

Alle Menschen brauchen Gedichte.

Aber Gedichte sind wohlfeil. Man kann sie nicht verkaufen und versteigern wie Gemälde. Ein Knopfdruck und sie sind kopiert oder gleich millionenfach veröffentlicht. Kein Mäzen hält sich einen Hofdichter. Kein Landesfürst kommt wohlgefällig nickend in eine Dichterlesung, um sie mit Blitzlichtgewitter zu eröffnen und hinterher gleich den ganzen Büchertisch aufzukaufen. Die Förderbudgets der Bundesländer für Poesie sind eher eine Kaffeekasse als irgendein anständiger Versuch, der Lyrik im eigenen Land eine feste Existenz zu verschaffen.

Auch weil Dichter ja keine Rolle (mehr) spielen im politischen Diskurs. Früher mischten sie sich wenigstens noch wortgewaltig ein – man denke nur an Kästner, Jewtuschenko, Enzensberger, Majakowski, selbst Erich Weinert, Brecht – sie waren politisch, weil das zu ihrem Grundverständnis gehörte. Weil sie sich als das mahnende Gewissen der Zeit verstanden.

Davon taucht übrigens auch in diesem Band kein Wort auf. Was auch eine Menge aussagt über die Verstörung der Lyrik in Zeiten, in denen niemand mehr hinhört, in denen auch das Sensorium für die Bilder und Emotionen verloren gegangen ist. Etwas hat sich im Gewebe des gesellschaftlichen Sprechens radikal verändert, seit völlig entfesselte Medien allen Menschen die Möglichkeit geben, die Welt mit ihren Äußerungen zu füllen. Ergebnis: ein einziges Tohuwabohu, ein Meer von Leuten, die immerfort sprechen und wüten und lärmen.

Und niemand hört mehr zu.

Lyrik lebt vom Zuhören.

Und das Erstaunliche ist: Das ist den meisten (jüngeren) Dichterinnen und Dichtern überhaupt nicht bewusst. Auch wenn einige aus der Spoken-Word-Szene kommen, an Slams teilgenommen haben oder bekannt dafür sind, dass sie ihre Texte auch eindrucksvoll vortragen können. Und trotzdem schreiben die meisten nicht (mehr) für andere. Und ich meine damit wirklich andere.

Nicht immer nur dieselben schreibenden Kolleginnen und Kollegen, die auch noch die kühnsten Experimente goutieren. Oder gar die Theoretiker, die ganze Seiten mit gewichtig klingendem Blabla füllen können, das wie eine unerhört ausgefeilte Expertise klingt – und eigentlich die Unverständlichkeit nur noch ins Absurde steigert.

Das wird in diesem Sammelband ziemlich deutlich, in dem 33 jüngere Dichterinnen und Dichter gewürdigt werden. Das „jüngere“ mit Einschränkungen, denn es sind auch einige ältere Autor/-innen dabei, die aber selbst nach mehreren eindrucksvollen Veröffentlichungen immer noch wie eine Neuentdeckung wirken, wie nie angekommen im Kanon. Was eben auch heißt: Es gibt in ganz Deutschland keine Instanz, die wirklich noch in der Lage wäre, den Überblick zu behalten und das Vergängliche vom Dauerhaften zu trennen.

Das hat auch mit den Irritationen zu tun, die dadurch entstanden, dass der Diskurs über Lyrik nur noch in den engen Kreisen der sowieso Involvierten passiert. Sie merken oft gar nicht mehr, wie hermetisch dieser Diskurs in Literaturzeitschriften und Theorien geworden ist. Das wird unübersehbar, wenn nicht nur gestandene Dichter/-innen in ihren Würdigungstexten versuchen zu erklären, was ihnen am Schreiben der Gewürdigten eigentlich wesentlich ist.

Das ganze Buch ist so aufgebaut: Ein Würdigungstext führt die Leser ein in die Gedichtwelt der Gewürdigten. Dann folgen mehrere ausgewählte Texte. Und dann kommt eine Selbsteinschätzung der Gewürdigten – mal als Essay, mal als kleines Interview. Das ist durchaus neu. So einen poetologischen Diskurs gab es bei einer solchen Auswahl noch nie.

Und damit auch noch nie so viel Erhellendes zur Sicht aufs Schreiben. Oder zumindest den Versuch, die Sache zu erhellen. Der manchmal auch gründlich scheitert. Da sitzt man da, hat eben noch versucht zu begreifen, was der Rezipient da eigentlich in die Texte des Gewürdigten hineingeheimnist hat – und dann sind die Texte klar, lebendig, überhaupt nicht so künstlich und konstruiert, wie eben noch behauptet.

Manchmal ist es auch andersherum, liest der Würdigende in den Texten etwas, was beim besten Willen nicht drin zu finden ist.

Was aber eben auch deutlich macht: Es gibt nicht die eine Lesart. Es gibt auch nicht die einhellige Sicht der Schreibenden auf die Zeit und das, was dazu zu sagen wäre. Es gibt nicht einmal die gemeinsame Motivation, auch wenn die Autor/-innen manchmal mit viel Akribie versuchen zu erklären, was sie da tun und warum.

Und warum nicht anders. Wobei: Viele weichen aus. Und sie haben recht. Sie verweigern die Poetologie. Weil sie gar keine brauchen. Denn das ist der Unfug von Kritiker/-innen, die einfach nicht anders können, sonst bekommen sie Lyrik einfach nicht eingespannt und eingekastelt. Die Literaturwissenschaft scheint Berge solchen Sperrmülls zu verwalten.

Gerade deshalb aber sind die Aussagen einiger der befragen Autor/-innen wichtig und angenehm zu lesen. Weil sie das Eigentliche wieder benennen: Dass niemand nur für sich schreibt (gerade diejenigen nicht, die besonders hartnäckig behaupten, die Leser würden sie beim Schreiben nicht die Bohne interessieren). Sie denken alle an genau diese Leser. Manche freilich an die falschen – nämlich an Literaturwissenschaftler und Kritiker. Dann wird es natürlich sehr abstrakt, selbst das Schreiben.

Das sind dann Texte, die man als Leser nicht wirklich genießen kann. Texte, von denen man jetzt schon ahnt, dass sie künftig nie wieder jemand zur Hand nehmen wird, nicht mal auf der Suche nach einer Stimmung, dem Ton einer Zeit. Gut möglich, dass diese Texte irgendetwas zeigen, was zeittypisch ist. Von der Unsagbarkeit des Rasens und der Fragmentierung des Alltags bis zur Zerfetzung des Sprechens. Mag sein.

Aber es gibt genug Autor/-innen in diesem Band, die gerade dadurch, dass sie deutlich und bildhaft werden, zeigen, dass das eigentliche Dichten dort zu Hause ist, wo das eigentliche Sprechen beginnt. Und da ist es nur ein kleiner, liebenswerter Verschleierungsakt, wenn eine Autorin sagt, sie schriebe nur für sich selbst, wolle auch nur das sagen, was sie sieht und erlebt. Und just da spricht sie eigentlich, berührt ihr Sprechen die Phantasie der Leser/-innen. Denn da erkennen sie sich wieder. Das Unverstellte ist das Authentische. Und daran ändern alle Moden nichts.

Bleiben werden immer die Stimmen, die wirklich genau zu erfassen versuchen, was so bewegend ist am Dasein als Mensch. Die Uneitlen, die keinen Feuilletonisten beeindrucken wollen und auch nicht ausstellen wollen, wie viel experimentelle Lyrik sie schon verdaut haben. Die, die sich einfach bemüht haben, ihren ureigenen Ton zu finden.

Und die wortwörtliche Genauigkeit, die einen Text so eindeutig und kompakt macht, dass das Anliegen auch beim Leser ankommt – und zwar nicht nur dem zeitgenössischen (was für ein bescheuertes Wort: Zeitgenossenschaft!), sondern auch dem späteren und noch viel späteren. Menschen, für die unser Jetzt eine längst vergangene Welt ist und die dennoch in guten Gedichten das wiederfinden, was auch sie noch berührt und aufwühlt.

Oder, um mal den Leipziger Dichter Carl-Christian Elze zu zitieren: „Nun hat man hoffentlich ohne bewussten Zweck, also ekstatisch, mit Worten gespielt, ein Gedicht gemacht, hat mit möglichst allen seinen zur Verfügung stehenden menschlichen Kräften gewirbelt, also mit Vernunft, Gefühl, Einbildungskraft, Erinnerung, Erwartung, aber auch Risikobereitschaft, Ehrlichkeit und Selbstkritik, und vertraut plötzlich darauf, dass sich alles das, was am Ende dasteht, auch einem anderen Menschen erschließt, um sich, nun ja, in diese Welt verbundener zu fühlen.“

Denn gute Gedichte zwingen zur Aufmerksamkeit, bringen etwas auf den Punkt, in ein Bild, das mit dem üblichen Tagesgeplapper nicht zu fassen und auch nicht zu sehen ist. Dichter/-innen schaffen eine unerhörte Aufmerksamkeit auf das, was wesentlich ist. Die besten tun es mit einer Sprache, die so genau ist, dass die Leser stolpern und stutzen müssen, weil durch derart dichtes Sprechen der doppelte Boden, das Unfassbare in unserer Welt erst be-greifbar wird, aufscheint und einen erwischt wie ein Faustschlag, ein Staunen, ein Weinen oder ein Erschrecken. Deshalb heißen Gedichte ja so – weil sie das Poetische in unserem Weltdenken sagbar und sichtbar machen.

Gut: Es gibt auch einige wortreich gewürdigte Autoren, bei denen davon nichts zu spüren ist. Der Band ist nicht konsistent. Schön wäre es. Aber das wäre schon ein Werten und Sortieren. Vielleicht finden es ja andere spannend und aufregend. Vielleicht hat jeder Mensch ein anderes Sensorium für Poesie. Kann sein. Ist wohl auch so.

Aber es begegnen dem Leser doch einige Namen, die gerade den Leipzigern sehr vertraut sind, weil sie hier leben und schreiben oder hier veröffentlichen. Leipzig ist wohl doch irgendwie immer noch ein wichtiger Ort für Poesie (auch wenn man das im Rathaus völlig anders sieht). Und so trifft man auch die vertrauten Stimmen von Thomas Böhme, Lydia Daher, Carl-Christian Elze, Kerstin Preiwuß, Marlen Pelny …

Und als Interviewer/-innen auch Ulrike Almut Sandig, Jan Kuhlbrodt, Jayne-Ann Igel und Kathrin Schmidt. Und es überrascht auch nicht, dass diejenigen, denen sehr bewusst ist, dass sie ganz und gar nicht nur für sich schreiben, auch das größte Sensorium haben für das Sagen und Schreiben der von ihnen Vorgestellten.

Und sie orakeln auch nicht so viel über Moden und Zeitgeister, weil sie wissen, dass gute Gedichte zeitlos sind und zeitlos verständlich sein müssen. Wie es die Dichter/-innen anstellen, dass es so wird, das ist ihre Sache, ihr Talent, ihr Können. Und manche sind einfach unvergleichlich. Da merkt man schon, dass ihre Texte auch noch viel später die Leser/-innen finden werden und diesen herrliche Effekt erzeugen, den nur wirklich gute Gedichte hinbekommen: Ich hab’s geahnt – aber ich hätte es so treffend niemals in Worte fassen können.

Und man fühlt sich im Moment zutiefst getroffen und ganz genau verstanden, auch wenn die Dichter/-innen nur über das schrieben, was ihnen selbst passiert ist. Aber das ist genau der Stoff, der Gedichte wesentlich und mitreißend lebendig macht.

Aron Koban und Annett Groh (Hrsg.) Denkzettelareale, Reinecke & Voß, Leipzig 2019, 24 Euro.

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