Denkzettelareale: Der Versuch zu erfassen, was 33 heutige Dichter/-innen eigentlich machen, wenn sie schreiben

Für alle LeserDie Lyrik ist tot. Es lebe die Lyrik! Kein Mensch liest mehr Gedichte. Kein Mensch versteht mehr, was Dichter schreiben. Lyrik hat es schon nicht einfach in unseren Tagen. Und trotzdem erscheinen – zumeist in kleineren, mutigen Verlagen – Gedichtbände, liebevoll aufgemacht, in zumeist kleinen Auflagen. Und trotzdem stellen sich Herausgeber alle paar Jahre die weltbewegende Frage: Was ist denn eigentlich die aktuelle zeitgenössische Lyrik? Wie ist der Stand der Dinge. Ja, wo laufen sie denn?

Aron Koban und Annett Groh haben es mit diesem nun bei Reinecke & Voß erschienenen Band ein wenig anders gemacht und nicht einfach eine Sammlung der jüngeren Autorinnen und Autoren zusammengestellt, von denen sie meinen, das könnten die maßgeblichen Stimmen der Zeit sein. Das ist schier unmöglich. Das war auch früher schon gewagt, auch wenn Herausgeber da keinerlei Respekt kannten, einfach aus ihrer Sicht festzulegen, was zum Kanon gehört und was nicht.

Was als repräsentativ zu gelten hat und gültig für alle Zeit. Wie subjektiv das ist, wird im Nachwort von Kurt Drawert deutlich, der die Entstehungsgeschichte eines ähnlichen Sammelbandes vor 20 Jahren („Lagebesprechung“) beschreibt.

In seinem Text reflektiert er auch über die Diskurse innerhalb der lyrischen Szene, diesen erstaunlichen Druck, der augenscheinlich fast alle belastet, die „irgendwas mit Lyrik“ machen – Literaturwissenschaftler, Literaturdozenten, Kritiker, Herausgeber, Poetologen und die Autor/-innen selbst, die oft auch noch alle anderen Rollen ausfüllen.

Es gibt kein Literaturgenre, das derart unter Rechtfertigungsdruck steht wie die Lyrik. Bis hinein ins Existenzielle, wenn die Dichterinnen und Dichter nun der vom Nützlichkeitsdenken besessenen (und meist völlig unbelesenen) Außenwelt erklären müssen (oder zu erklären versuchen), warum sie nun ausgerechnet Gedichte schreiben. Schreiben müssen.

Wer braucht denn schon Gedichte? Kein Mensch.

Alle Menschen brauchen Gedichte.

Aber Gedichte sind wohlfeil. Man kann sie nicht verkaufen und versteigern wie Gemälde. Ein Knopfdruck und sie sind kopiert oder gleich millionenfach veröffentlicht. Kein Mäzen hält sich einen Hofdichter. Kein Landesfürst kommt wohlgefällig nickend in eine Dichterlesung, um sie mit Blitzlichtgewitter zu eröffnen und hinterher gleich den ganzen Büchertisch aufzukaufen. Die Förderbudgets der Bundesländer für Poesie sind eher eine Kaffeekasse als irgendein anständiger Versuch, der Lyrik im eigenen Land eine feste Existenz zu verschaffen.

Auch weil Dichter ja keine Rolle (mehr) spielen im politischen Diskurs. Früher mischten sie sich wenigstens noch wortgewaltig ein – man denke nur an Kästner, Jewtuschenko, Enzensberger, Majakowski, selbst Erich Weinert, Brecht – sie waren politisch, weil das zu ihrem Grundverständnis gehörte. Weil sie sich als das mahnende Gewissen der Zeit verstanden.

Davon taucht übrigens auch in diesem Band kein Wort auf. Was auch eine Menge aussagt über die Verstörung der Lyrik in Zeiten, in denen niemand mehr hinhört, in denen auch das Sensorium für die Bilder und Emotionen verloren gegangen ist. Etwas hat sich im Gewebe des gesellschaftlichen Sprechens radikal verändert, seit völlig entfesselte Medien allen Menschen die Möglichkeit geben, die Welt mit ihren Äußerungen zu füllen. Ergebnis: ein einziges Tohuwabohu, ein Meer von Leuten, die immerfort sprechen und wüten und lärmen.

Und niemand hört mehr zu.

Lyrik lebt vom Zuhören.

Und das Erstaunliche ist: Das ist den meisten (jüngeren) Dichterinnen und Dichtern überhaupt nicht bewusst. Auch wenn einige aus der Spoken-Word-Szene kommen, an Slams teilgenommen haben oder bekannt dafür sind, dass sie ihre Texte auch eindrucksvoll vortragen können. Und trotzdem schreiben die meisten nicht (mehr) für andere. Und ich meine damit wirklich andere.

Nicht immer nur dieselben schreibenden Kolleginnen und Kollegen, die auch noch die kühnsten Experimente goutieren. Oder gar die Theoretiker, die ganze Seiten mit gewichtig klingendem Blabla füllen können, das wie eine unerhört ausgefeilte Expertise klingt – und eigentlich die Unverständlichkeit nur noch ins Absurde steigert.

Das wird in diesem Sammelband ziemlich deutlich, in dem 33 jüngere Dichterinnen und Dichter gewürdigt werden. Das „jüngere“ mit Einschränkungen, denn es sind auch einige ältere Autor/-innen dabei, die aber selbst nach mehreren eindrucksvollen Veröffentlichungen immer noch wie eine Neuentdeckung wirken, wie nie angekommen im Kanon. Was eben auch heißt: Es gibt in ganz Deutschland keine Instanz, die wirklich noch in der Lage wäre, den Überblick zu behalten und das Vergängliche vom Dauerhaften zu trennen.

Das hat auch mit den Irritationen zu tun, die dadurch entstanden, dass der Diskurs über Lyrik nur noch in den engen Kreisen der sowieso Involvierten passiert. Sie merken oft gar nicht mehr, wie hermetisch dieser Diskurs in Literaturzeitschriften und Theorien geworden ist. Das wird unübersehbar, wenn nicht nur gestandene Dichter/-innen in ihren Würdigungstexten versuchen zu erklären, was ihnen am Schreiben der Gewürdigten eigentlich wesentlich ist.

Das ganze Buch ist so aufgebaut: Ein Würdigungstext führt die Leser ein in die Gedichtwelt der Gewürdigten. Dann folgen mehrere ausgewählte Texte. Und dann kommt eine Selbsteinschätzung der Gewürdigten – mal als Essay, mal als kleines Interview. Das ist durchaus neu. So einen poetologischen Diskurs gab es bei einer solchen Auswahl noch nie.

Und damit auch noch nie so viel Erhellendes zur Sicht aufs Schreiben. Oder zumindest den Versuch, die Sache zu erhellen. Der manchmal auch gründlich scheitert. Da sitzt man da, hat eben noch versucht zu begreifen, was der Rezipient da eigentlich in die Texte des Gewürdigten hineingeheimnist hat – und dann sind die Texte klar, lebendig, überhaupt nicht so künstlich und konstruiert, wie eben noch behauptet.

Manchmal ist es auch andersherum, liest der Würdigende in den Texten etwas, was beim besten Willen nicht drin zu finden ist.

Was aber eben auch deutlich macht: Es gibt nicht die eine Lesart. Es gibt auch nicht die einhellige Sicht der Schreibenden auf die Zeit und das, was dazu zu sagen wäre. Es gibt nicht einmal die gemeinsame Motivation, auch wenn die Autor/-innen manchmal mit viel Akribie versuchen zu erklären, was sie da tun und warum.

Und warum nicht anders. Wobei: Viele weichen aus. Und sie haben recht. Sie verweigern die Poetologie. Weil sie gar keine brauchen. Denn das ist der Unfug von Kritiker/-innen, die einfach nicht anders können, sonst bekommen sie Lyrik einfach nicht eingespannt und eingekastelt. Die Literaturwissenschaft scheint Berge solchen Sperrmülls zu verwalten.

Gerade deshalb aber sind die Aussagen einiger der befragen Autor/-innen wichtig und angenehm zu lesen. Weil sie das Eigentliche wieder benennen: Dass niemand nur für sich schreibt (gerade diejenigen nicht, die besonders hartnäckig behaupten, die Leser würden sie beim Schreiben nicht die Bohne interessieren). Sie denken alle an genau diese Leser. Manche freilich an die falschen – nämlich an Literaturwissenschaftler und Kritiker. Dann wird es natürlich sehr abstrakt, selbst das Schreiben.

Das sind dann Texte, die man als Leser nicht wirklich genießen kann. Texte, von denen man jetzt schon ahnt, dass sie künftig nie wieder jemand zur Hand nehmen wird, nicht mal auf der Suche nach einer Stimmung, dem Ton einer Zeit. Gut möglich, dass diese Texte irgendetwas zeigen, was zeittypisch ist. Von der Unsagbarkeit des Rasens und der Fragmentierung des Alltags bis zur Zerfetzung des Sprechens. Mag sein.

Aber es gibt genug Autor/-innen in diesem Band, die gerade dadurch, dass sie deutlich und bildhaft werden, zeigen, dass das eigentliche Dichten dort zu Hause ist, wo das eigentliche Sprechen beginnt. Und da ist es nur ein kleiner, liebenswerter Verschleierungsakt, wenn eine Autorin sagt, sie schriebe nur für sich selbst, wolle auch nur das sagen, was sie sieht und erlebt. Und just da spricht sie eigentlich, berührt ihr Sprechen die Phantasie der Leser/-innen. Denn da erkennen sie sich wieder. Das Unverstellte ist das Authentische. Und daran ändern alle Moden nichts.

Bleiben werden immer die Stimmen, die wirklich genau zu erfassen versuchen, was so bewegend ist am Dasein als Mensch. Die Uneitlen, die keinen Feuilletonisten beeindrucken wollen und auch nicht ausstellen wollen, wie viel experimentelle Lyrik sie schon verdaut haben. Die, die sich einfach bemüht haben, ihren ureigenen Ton zu finden.

Und die wortwörtliche Genauigkeit, die einen Text so eindeutig und kompakt macht, dass das Anliegen auch beim Leser ankommt – und zwar nicht nur dem zeitgenössischen (was für ein bescheuertes Wort: Zeitgenossenschaft!), sondern auch dem späteren und noch viel späteren. Menschen, für die unser Jetzt eine längst vergangene Welt ist und die dennoch in guten Gedichten das wiederfinden, was auch sie noch berührt und aufwühlt.

Oder, um mal den Leipziger Dichter Carl-Christian Elze zu zitieren: „Nun hat man hoffentlich ohne bewussten Zweck, also ekstatisch, mit Worten gespielt, ein Gedicht gemacht, hat mit möglichst allen seinen zur Verfügung stehenden menschlichen Kräften gewirbelt, also mit Vernunft, Gefühl, Einbildungskraft, Erinnerung, Erwartung, aber auch Risikobereitschaft, Ehrlichkeit und Selbstkritik, und vertraut plötzlich darauf, dass sich alles das, was am Ende dasteht, auch einem anderen Menschen erschließt, um sich, nun ja, in diese Welt verbundener zu fühlen.“

Denn gute Gedichte zwingen zur Aufmerksamkeit, bringen etwas auf den Punkt, in ein Bild, das mit dem üblichen Tagesgeplapper nicht zu fassen und auch nicht zu sehen ist. Dichter/-innen schaffen eine unerhörte Aufmerksamkeit auf das, was wesentlich ist. Die besten tun es mit einer Sprache, die so genau ist, dass die Leser stolpern und stutzen müssen, weil durch derart dichtes Sprechen der doppelte Boden, das Unfassbare in unserer Welt erst be-greifbar wird, aufscheint und einen erwischt wie ein Faustschlag, ein Staunen, ein Weinen oder ein Erschrecken. Deshalb heißen Gedichte ja so – weil sie das Poetische in unserem Weltdenken sagbar und sichtbar machen.

Gut: Es gibt auch einige wortreich gewürdigte Autoren, bei denen davon nichts zu spüren ist. Der Band ist nicht konsistent. Schön wäre es. Aber das wäre schon ein Werten und Sortieren. Vielleicht finden es ja andere spannend und aufregend. Vielleicht hat jeder Mensch ein anderes Sensorium für Poesie. Kann sein. Ist wohl auch so.

Aber es begegnen dem Leser doch einige Namen, die gerade den Leipzigern sehr vertraut sind, weil sie hier leben und schreiben oder hier veröffentlichen. Leipzig ist wohl doch irgendwie immer noch ein wichtiger Ort für Poesie (auch wenn man das im Rathaus völlig anders sieht). Und so trifft man auch die vertrauten Stimmen von Thomas Böhme, Lydia Daher, Carl-Christian Elze, Kerstin Preiwuß, Marlen Pelny …

Und als Interviewer/-innen auch Ulrike Almut Sandig, Jan Kuhlbrodt, Jayne-Ann Igel und Kathrin Schmidt. Und es überrascht auch nicht, dass diejenigen, denen sehr bewusst ist, dass sie ganz und gar nicht nur für sich schreiben, auch das größte Sensorium haben für das Sagen und Schreiben der von ihnen Vorgestellten.

Und sie orakeln auch nicht so viel über Moden und Zeitgeister, weil sie wissen, dass gute Gedichte zeitlos sind und zeitlos verständlich sein müssen. Wie es die Dichter/-innen anstellen, dass es so wird, das ist ihre Sache, ihr Talent, ihr Können. Und manche sind einfach unvergleichlich. Da merkt man schon, dass ihre Texte auch noch viel später die Leser/-innen finden werden und diesen herrliche Effekt erzeugen, den nur wirklich gute Gedichte hinbekommen: Ich hab’s geahnt – aber ich hätte es so treffend niemals in Worte fassen können.

Und man fühlt sich im Moment zutiefst getroffen und ganz genau verstanden, auch wenn die Dichter/-innen nur über das schrieben, was ihnen selbst passiert ist. Aber das ist genau der Stoff, der Gedichte wesentlich und mitreißend lebendig macht.

Aron Koban und Annett Groh (Hrsg.) Denkzettelareale, Reinecke & Voß, Leipzig 2019, 24 Euro.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

RezensionenGedichte
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Grüne und Linke vermissen in den Plänen zum Bahnbogen Leutzsch fast alles, was eine Stadt zum Leben braucht
Blick von der Georg-Schwarz-Brücke über den Nordteil des Plangebietes. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBisher machte dieses Eckchen Land zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg nur Schlagzeilen mit den heiß umstrittenen Plänen für die Georg-Schwarz-Brücken, die die Stadt in den nächsten Jahren komplett erneuern muss. Da ging glattweg unter, dass links und rechts dieser Brücken ein ganzes Stadtgebiet all die Jahre wild vor sich hingewuchert ist. Jetzt hat das Dezernat Stadtentwicklung und Bau einen Bebauungsplan „Bahnbogen Leutzsch“ vorgelegt, der bei zwei Ratsfraktionen auf allerhöchstes Interesse stößt.
Autobesitz in Leipzig nimmt nicht ab und Radfahrer haben ihre eigene Meinung über die Radverkehrspolitik
Die Verkehrsmittelwahl der Leipziger/-innen zu unterschiedlichen Wegen. Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Grafik: Stadt Leipzig, Bürgerumfrage 2018

Für alle LeserBeim Verband der Automobilindustrie (VDA) hofft man noch. Nach dem Einbruch wegen des Corona-Shutdowns würden die deutschen Autoverkäufe zwar gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgehen. Aber vielleicht werden zum Jahresende ja doch noch 2,8 Millionen neue Autos verkauft, seufzt der Verband in einem „Zeit“-Beitrag. Aber auch der VDIK meldet: „Der deutsche Pkw-Markt hat im ersten Halbjahr 2020 infolge der Coronakrise ein Minus von 35 Prozent verzeichnet.“ Auch der Juni brachte keine Entspannung.
Staatsregierung gibt alle Nase lang andere Zahlen zum Bedarf an Sozialwohnungen in Leipzig heraus
Ein Baukran in Leipzig - aber noch nicht für sozialen Wohnungsbau. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Zahlen können nicht stimmen. Die Linksfraktion im Sächsischen Landtag fragt zwar regelmäßig die Bedarfe der sächsischen Kommunen an Sozialwohnungen bei der Staatsregierung ab, aber die gibt jedes Mal völlig andere Auskünfte. Mal sind es 4.437 Sozialwohnungen, die in Leipzig fehlen, mal 10.353, nun wieder 7.758 in der Antwort auf eine Grünen-Anfrage. Kein Wunder, dass die Linke mit ihren Anträgen bisher gegen Mauern rennt.
Nadine Stitterich und Peter Bär fordern Amtsinhaber Jens Spiske heraus
Nadine Stitterich. Foto: Alexander Sens

Foto: Alexander Sens

Für alle LeserEs war auf jeden Fall ein mutiger Schritt, als Nadine Stitterich im Mai als unabhängige und parteilose Bürgermeisterkandidatin ihren Hut in den Ring warf und am 20. September versuchen will, Amtsinhaber Jens Spiske zu besiegen. Oder doch Peter Bär von der CDU? Fällt Markranstädt doch wieder zurück an die CDU, die Jens Spiske 2012 mit breiter Unterstützung aus dem Feld geschlagen hat?
Sind Fleischesser extrovertiert, weil das in ihrer Natur liegt? Oder brauchen sie mehr Beifall für ihr Essverhalten?
Es ist nicht alles Wurst ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMitte Juni gab das Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften die Ergebnisse einer Studie bekannt, die zumindest nachdenklich macht: „Vegetarier sind schlanker und weniger extrovertiert als Fleischesser“ war sie betitelt. Je weniger tierische Produkte man zu sich nimmt, desto geringer der Body-Mass-Index und desto weniger neigt man zu Extrovertiertheit, meinten die Studienautoren. Aber vielleicht ist es ja andersherum?
Gastkommentar von Christian Wolff: „Die Basis bröckelt leise“ – Anmerkungen zu den Kirchenaustritten
Die Säule der mitteleuropäischen Kultur – das Christentum. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEigentlich hätte eine Schockwelle zumindest durch die Kirchen gehen müssen, als vor wenigen Tagen die neuesten Zahlen zur Mitgliedschaft in der evangelischen und katholischen Kirche veröffentlicht wurden: 2019 haben 273.000 Menschen die katholische und 270.000 Menschen die evangelische Kirche verlassen, zusammen über eine halbe Millionen Menschen. Damit gehören nur noch knapp über 50 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an.
„Planmäßiger“ Kohleausstieg bis 2038 oder doch ein völlig anderes Szenario?
Landschaftsidylle Braunkohletagebau mit Kraftwerk Lippendorf. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserWährend die Politiker sich selbst auf die Schultern klopften, demonstrierte draußen „Fridays for Future“. Nur wenige Stunden nach dem Deutschen Bundestag stimmte am Freitag, 3. Juli, der Bundesrat dem Kohleausstiegsgesetz und dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen zu. Somit sind die Rahmenbedingungen für den Ausstieg aus der Kohleverstromung geschaffen worden, freute sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig. Und liegt wohl ziemlich daneben.
Alle Sting-Konzerte in Deutschland und der Schweiz auf 2021 verschoben
Sting © Martin Kierszenbaum

© Martin Kierszenbaum

Nach den bereits zuvor angekündigten Terminverschiebungen der „My-Songs“-Tour von Sting sind jetzt auch die für Oktober 2020 vorgesehenen Konzerte in Deutschland und der Schweiz in den Herbst 2021 verlegt worden. Dies ist auf die Fortdauer der Verbote von Großveranstaltungen zurückzuführen. Die Auftritte in Leipzig, Oberhausen, Hamburg und Zürich finden jetzt zwischen dem 6. und dem 15. Oktober 2021 statt.
Kino der Jugend: Konzeptverfahren für künftiges Kulturzentrum startet endlich
Die IG Fortuna demonstrierte 2016 vor der Ratsversammlung für ihr Anliegen. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserVielleicht bekommen die Leipziger/-innen ja alle irgendwann die Medaille in Gold für geduldiges Abwarten. Es gibt kaum einen wichtigen Beschluss im Stadtrat, der wirklich schnell umgesetzt wurde. Jede Umsetzung dauert Jahre. Meist weil es an Planungspersonal fehlt oder an Geld. Auch beim „Kino der Jugend“ in Volkmarsdorf dauerte es vier Jahre bis zum nächsten Schritt, den am Freitag, 3. Juli, das Liegenschaftsamt bekannt gab.
In der Leipziger Stadtgeschichte fehlt nach wie vor das Kapitel Kolonialismus
Bilderschmuck an der Stadtbibliothek: Exotischer Blick auf "primitive" Völker. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMit der Diskussion um den Leipziger Zoogründer Ernst Pinkert hat die Debatte um die koloniale Vergangenheit Leipzigs endlich eine Stufe der Aufmerksamkeit erreicht, auf der sich auch Stadt und Stadtrat nicht mehr wegducken können. Nicht weil nun ausgerechnet Pinkert einer der herausragenden Vertreter des Kolonialismus war. Aber dass ausgerechnet er nun im Mittelpunkt der Debatte steht, zeigt ja nur zu deutlich, dass die eigentliche koloniale Vergangenheit Leipzigs nach wie vor im Dunkeln liegt.
Stadtbezirksbeitrat beantragt die Änderung der Verkehrsorganisation trotzdem noch 2020
Plandarstellung des umgestalteten Lindenauer Marktes. Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserIm Schatten des für September geplanten EU-China-Gipfels in Leipzig hatte die Stadt einige Pläne storniert, die eigentlich zwingend umgesetzt werden sollten. Dazu gehört auch die schon 2017 vom Stadtrat beauftragte Umgestaltung des Lindenauer Marktes. Die Geschichte kocht seit 2015 und im Stadtbezirksbeirat Alt-West fragt man sich jetzt zu Recht, warum die Stadt nach Absage des Gipfels am Lindenauer Markt vor 2021 trotzdem nichts tut.
Auch hinter dem neuen Verfassungsschutz-Skandal steckt augenscheinlich organisierte Schlamperei
Welche Politiker beobachtet der Verfassungsschutz in Sachsen? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Zweifel bleibt, auch nachdem Sachsens Innenminister Dr. Roland Wöller (CDU) am Donnerstag, 2. Juli, im Innenausschuss des Sächsischen Landtages den neuen Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz vorgestellt hat und auch Stellung nahm zu den Vorwürfen, dieser habe von seinem Vorgänger zu Unrecht die Löschung der Daten von AfD-Abgeordneten verlangt. Nach der Sitzung freilich stand nicht mehr das Ob im Fokus, sondern die alte Frage nach dem schlampigen Wie.
Turnfest-Geschäftsführerin Kati Brenner: „Wir sind gerade dabei, etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen.“
Die Stadiongala, wie hier in Berlin, wird auch 2021 in Leipzig ein absolutes Highlight des Turnfestes sein. Foto: DTB, Volker Minkus

Foto: DTB, Volker Minkus

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 80, seit 26. Juni im HandelDas Turnen hat Kati Brenner bereits von klein auf begleitet. Lange Zeit war die gebürtige Rostockerin dabei selbst leistungssportlich aktiv – zunächst im Gerätturnen, später dann in der Sportakrobatik. Als Schülerin machte sie 1983 in Leipzig erstmals selbst bei einem Turnfest mit. „Wer einmal an einem Turnfest teilgenommen hat, will meist auch wieder dabei sein“, versichert sie im Interview mit der LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) und sollte einige Jahre später enger mit dem alle vier Jahre stattfindenden Spektakel verbunden sein als je zuvor.
It is like it is: Corona-Mahnmal auf dem Augustusplatz
Ein Mahnmal zur Coronakrise vor dem Leipziger Gewandhaus. Foto: Pia Benthin

Foto: Pia Benthin

Für alle LeserAus der Ferne wirkt es ein wenig als sei der Augustusplatz an diesem Freitag einfach nur voller Menschen. Es könnte eine Demo sein, vielleicht Fridays for Future? Aber dafür ist die Masse sehr rot-weiß angezogen. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass es sich hierbei auch nicht um Menschen handelt, sondern um Schaufensterpuppen. Genauer gesagt 111 Stück umwickelt mit rot-weißem Absperrband.
Freitag, der 3. Juli 2020: Polizei, Kritik und Volksverhetzung
Die Graffitiwand am Streetballplatz in Connewitz mit einem der vielen Gesichter der vergangenen Jahre. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser/-innenNach der langen Debatte um eine „taz“-Kolumne, die sich um Polizei und Müllentsorgung drehte, gibt es nun einen neuen Aufreger: Die Polizei in Thüringen prüft nach eigenen Angaben, ob sich eine Ortsgruppe von „Fridays for Future“ mit scharfer Polizeikritik strafbar gemacht hat. Der Vorwurf lautet: Volksverhetzung. Auch die Graffitiwand in Connewitz ist wieder ein Thema. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 3. Juli 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.