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Rum: Ein Büchlein mit dem nötigen Grundwissen für das aromatische Getränk aus der Karibik

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    Man lernt doch immer wieder etwas Neues, selbst in so kleinen Einsteiger-Büchern zur durchaus unüberschaubaren Welt der Spirituosen, die Carlos Steiner für die Mini-Serie des Buchverlags für die Frau zusammenstellt. Denn eines ist ja wichtig beim Genuss der Alkoholika: Man sollte das Zeug nicht saufen, sondern lieber langsam genießen und das Aroma wahrnehmen. Auch wenn es die Piraten möglicherweise mal flaschenweise gesoffen haben sollten.

    Das mit der Buddel voll Rum lernen ja Kinder schon, wenn sie frühzeitig mit der „Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson in Berührung kommen. Darin gibt es ja einige wirklich sauflustige Piraten und das berühmte Lied mit des Totenmanns Kiste. Und Piratenkapitäne schmücken auch so manches Etikett auf einer Flasche voll Rum aus tropischen Gefilden.

    Was kein Zufall ist, denn Rum wird nun einmal aus Zuckerrohr gemacht. Und das wächst nur in tropischen Breiten. Und es war einer der Hauptexportartikel der spanischen, englischen und französischen Kolonien in Mittel- und Südamerika. Es war nicht das Gold, das so wichtig war für Europa, sondern der billige Rohrzucker (in dem jede Menge Sklavenarbeit steckte).

    Erst mit diesen Zuckerrohrplantagen in den Kolonien wurde der Zucker in Europa überhaupt zu einem bezahlbaren Lebensmittel. Für frühere Jahrhunderte war er ein absolutes Luxusgut. Bei der Zuckerproduktion fiel auch immer ein zähflüssiges Abfallprodukt an, mit dem man anfangs gar nichts anfangen konnte. Aber irgendwo in der Karibik muss es da doch ein paar Tüftler gegeben haben, die wissen wollten, ob man aus der Melasse nicht ein ordentlich alkoholhaltiges Getränk destillieren konnte.

    Wenn es um ein leckeres Tröpfchen geht, werden Menschen erstaunlich erfindungsreich. Und mit dem Zuckerrohr hatten sie Glück: Das Produkt, das dabei entsteht, ist voller Aromen. Irgendwann im 17. Jahrhundert muss dann auch die größere Produktion von Rum begonnen haben, denn wenig später war er auf den Schiffen anzutreffen (nicht nur denen der Piraten) und wurde auch tonnenweise nach Nordamerika eingeführt, wo die Herren der Neuen Welt die Eingeborenen regelrecht süchtig machen nach dem Zeug, das die Ureinwohner Nordamerikas so nicht kannten. Zu Tausenden starben sie nun auch durch „König Alkohol“.

    Diese zwiespältige Geschichte lässt Steiner nicht weg, der sehr wohl weiß, dass man mit Alkohol – gerade höherprozentigem – vorsichtig umgehen muss. Gut möglich, dass selbst der Name des Getränks mit den Folgen des Alkohols zu tun hat. Oder mit den Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrplantagen. Denn wahrscheinlich stand am Anfang die Rumbullion, ein Aufstand der (berauschten) Sklaven gegen die mörderischen Arbeitsbedingungen.

    Dennoch hat der Rum heute einen anderen Ruf, denken Bewohner der nordischen Breiten voller Sehnsucht an weiße Strände, Palmen und exotische Klänge, wenn sie sich einen Mojito, eine Pina Colada oder einen Cuba Libre mit Rum bestellen – oder selber mixen, denn die Rezepte dazu findet man am Ende des Büchleins.

    Vorher führt Steiner die Leser/-innen ein in die Zuckerrohrproduktion und die Ausgangsprodukte für den Rum – oder besser die diversen Rum-Arten, die ja dann auch in hiesigen Regalen oft mehrere Fächer füllen und den Unbelesenen erst einmal in Verzweiflung stürzen, weil auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, was denn nun ein guter Rum ist, was ein orginaler und was ein verschnittener. Woran erkennt man sie? Was besagt die Farbe? Wo erkennt man die Herkunft des Getränks? Oder wurde das Tröpfchen gar in hiesigen Landen erst abgeschmeckt und abgefüllt?

    Mit Rum kann man augenscheinlich so einiges anstellen, ohne ihm seinen Charakter zu nehmen (aber natürlich auch einiges, das ihm jeden Charakter nimmt). Sogar gewürzt oder mit Fruchtgeschmack („Flavour“) gibt es ihn. Aber schon da wird es spannend, weil einige dieser Kniffe, dem Endprodukt ein besonders reiches Aroma zu verpassen, schon vorher in der Destillation angewendet werden. Warum dort wichtige Entscheidungen passieren, die am Ende das Endprodukt prägen, erzählt Steiner schön ausführlich, bevor er dann zur groben Etiketten-Kunde kommt, mit der man zumindest eine erste Orientierung bekommt zu den Grund-Arten des Rums.

    Und dann bleibt wohl wirklich nur die Verkostung – ganz ähnlich wie beim Wein. Denn welcher Geschmack einem wirklich gut gefällt, das bekommt man nur heraus, wenn man sich mit allen Sinnen einmal intensiver den Rum-Sorten aus aller Welt widmet. Wobei die Grobsortierung nach Arten schon hilft. Denn alle Sorten im Spirituosenregal durchzukosten, dürfte nicht nur teuer sein, sondern auch heftig an die Nieren gehen. Also lieber die Tipps nutzen und den Suchpfad einengen.

    Vielleicht findet man ja tatsächlich den einen Rum, der einem das Herz erwärmt. Vielleicht merkt man dann auch, dass man vorher auf einen geschmacksverstärkten Billig-Rum reingefallen ist. Oder dass einem die Produkte aus Flensburg (der alten Rum-Hauptstadt Deutschlands) besser munden als die aus Barbados oder Kuba. Oder umgekehrt.

    Und augenscheinlich regt das reiche Aroma eben auch die Phantasie an, kann man beim Genießen die Augen zumachen und sich wegwohin träumen auf eine richtig schöne Insel mit netter Strandbar und ab und zu einem Segelboot am Horizont. Oder man schnappt sich den geliebten Stevenson und lässt sich in die alte Piratengeschichte entführen.

    Glücklich und zufrieden im Trockenen und ganz froh, dass man nicht auf einem alten Kahn mit betrunkenen wilden Kerlen auf See ist. Und auch nicht so viel saufen muss, sondern das Tröpfchen auf der Zunge zergehen lassen kann mit ein paar Hintergedanken an die Mühe der Hersteller. Denn, so Steiner: „Für einen hochwertigen Rum kann etwas Hintergrundwissen nicht schaden.“

    Carlos Steiner Rum, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2020, 5 Euro.

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