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Der Miesepups auf dem Mond: Wie ist das eigentlich, wenn man sich zum Aufdenmondschießen gern hat?

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    Der Miesepups ist überhaupt kein absonderlicher Zeitgenosse. Eher so ein nur allzu gut bekannter: griesgrämig, grummelig, am liebsten für sich allein und nicht ständig genervt von den blöden anderen. Also so ungefähr wie jeder Zweite unter uns. Manchmal der immer schlecht gelaunte Nachbar oder die meckernden Alten im Park. Aber irgendwie auch wir selbst. Früher natürlich, als wir noch klein waren und unsere schlechte Laune auch gern mal an unseren überforderten Eltern ausließen. Längst vergessen, nicht wahr?

    Genauso wie den Ärger im Kindergarten mit diesen seltsamen borstigen und widerborstigen Spielkameraden, die einen nie mitspielen lassen wollten oder einem alles kaputtmachten. Die man auch selbst manchmal war. Denn als Kind merkt man schnell, dass es auch miese Tage gibt, an denen man immer nur murren und irgendwas kaputtmachen will.

    Kann man so einen Miesepups eigentlich gern haben?

    Die meisten Eltern werden an so einer Stelle ausrufen: „Nie im Leben!“ und „Ja, immer!“

    Eltern können nicht anders. Auch wenn sie sich eigentlich immer so ein muschelpuffiges Kucks gewünscht haben: immer nett, freundlich, neugierig, hilfsbereit. So, wie sich alle Leute ihre Kinder wünschen.

    Und irgendwann wird bestimmt auch Kirsten Fuchs in dieser Verzweiflung gelandet sein, die alle Eltern kennen: wenn sich ein geliebtes kleines Knuddel auf einmal in so einen richtigen Miesepups verwandelt hat, den man – nachdem man alles versucht hat – am liebsten auf den Mond schießen würde. Dieses dritte Miesepups-Buch, das Kirsten Fuchs wieder gemeinsam mit der Grafikerin Cindy Schmidt erzählt, kam also ziemlich zwangsläufig daher.

    Diesmal ist der Miesepups wirklich auf dem Mond. Aber das Kucks war’s nicht, sondern ein ganz neues Miesepups – oder besser: eine Miesepups. So ist das ja im Leben: Man trifft die Griesgrame meistens zu zweit. Und sie befeuern sich meist auch gegenseitig im Miese-Laune-Haben. Das steckt an. Und irgendwann wird so ein empörtes Immer-Recht-Haben daraus. Und ein immerzu Zetern und Wettern über die Zumutungen des Lebens und die Manieren (!!!) der anderen Leute.

    Das Kucks hat zwar gelernt, mit seinem Miesepups umzugehen und auch seinen neckischen Spaß zu haben, wenn der Miesepups nicht aus seiner Trauerkloß-Stimmung herauskommen will. Aber die neue moosgrüne Miesepups ist ganz eindeutig noch eine Nummer schärfer. So wie im richtigen Leben.

    Nur lässt sich das Kucks auch davon nicht abschrecken, sondern macht sich umgehend daran, auch auf den Mond zu kommen. Was natürlich – wer hätte anderes gedacht? – in so einer Griesgram-Geschichte am Ende nur funktioniert, wenn man die neue Miesepups so richtig auf die Palme bringt und sich von ihr auch auf den Mond schießen lässt.

    Sternenreise und Mondlandung mit inbegriffen. Es wird also doch noch richtig schön märchenhaft mit schwatzhaften Sternen, einem kosmischen Krebs und einer hochbeschäftigten Sternschnuppe, die man am Ende immer braucht, wenn man wieder zurück will auf die Erde. Und auch der Miesepups will zurück. So ist das im Leben. Man möchte sich zwar gegenseitig manchmal auf den Mond schießen, ist so sauer, dass es kracht.

    Aber eigentlich kann man nicht ohne einander. Da fehlt was. Man hat sich im gemeinsam Grollen und Krachen eigentlich eingerichtet. Irgendwie gehört das bei manchen Leuten einfach dazu, sonst können sie das Zusammensein einfach nicht aushalten. Manche merken erst, dass sie ohne den anderen nicht können, wenn sie mal wirklich auf dem Mond waren.

    Ganz weit weg. Da, wo man merkt, dass einem dann doch irgendwas Großes und Wichtiges fehlt. Kann es sein, dass man an anderen Menschen deshalb so hängt, weil sie so kantig und borstig sind, wie sie sind? Dass das Liebhaben gar nichts mit Liebsein zu tun hat?

    Eine wieder schön in launige Phantasiefiguren gepackte Frage, die sich nicht nur Eltern stellen, sondern natürlich auch Kinder. Und andere Leute auch – auch die, die immer so tun, dass alles ein Herz und eine Seele sein muss und immer nett. Wirklich keine leichte Frage, wenn man da draußen so unter Leuten ist und das dumme Gefühl hat, dass manche sich extra so miesgelaunt geben, weil sie als Kinder vielleicht so erzogen wurden.

    Denn wie wird man so? Als Kind hat man zwar so seine Phasen. Aber eigentlich hält man das doch nicht länger als zwei Stunden aus. Und schon gar nicht, wenn die anderen einen dann auch nicht mehr mögen.

    So landet man mit einer eigentlich ganz einfachen Gute-Freunde-Geschichte (denn Miesepups hat ja gelernt, wie toll das ist, das Kucks als Freund zu haben) mitten in unserer leibhaftigen Gesellschaft der Griesgrame, Nörgler, Miesmacher und Launeverderber. Sind die alle nur das Ergebnis einer falschen Erziehung? Oder produzieren wir die jeden Tag, weil sich mit mieser Laune dollere Geschichten erzählen lassen? Oder wissen die nur nicht mehr, wie es anders geht, weil sie das Kucks in sich vergessen haben?

    Fragen über Fragen, die sich so manche Eltern mit ihren Sprösslingen durchdeklinieren können, wenn sie in dieser dritten Miesepups-Geschichte auf den Mond fliegen und wieder zurück. Zurück zur Miesepups-Höhle, wo die kleinen Miesepupse natürlich mit Begeisterung „Mensch ärgere dich“ spielen. So, wie man das in unserer Gesellschaft lernt. Denn richtig dicke da ist man ja nur, wenn man andere so richtig ärgern kann. Bis sie platzen vor Wut.

    Dumm nur, wenn sie es dann wie Mama Miesepups draufhaben und einen so richtig, aber wirklich so richtig auf den Mond schießen können.

    Kirsten Fuchs, Cindy Schmidt Der Miesepups auf dem Mond, Voland & Quist, Dresden und Berlin 2020, 16 Euro.

    Was passiert eigentlich, wenn das Kucks nicht da ist, wenn man es vermisst?

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