Bei einer von hunderten Lesungen zur Buchmesse geht es auch um Yoga. Yoga, das ist Fitness, Spiritualität und für viele auch Entspannung. Doch es hat auch eine dunkle Seite. In ihrem Buch „Toxic Tantra“ haben die Journalistinnen Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen die düsteren Aspekte des Yoga beleuchtet. Sie berichten darin von Machtmissbrauch und Manipulation in der internationalen Yoga-Bewegung Atman, die auch Standorte in Deutschland hat. Der Yoga-Guru sitzt aktuell in Paris in Untersuchungshaft und streitet viele Vorwürfe ab.
Die BR-Journalistinnen berichten in ihrem Sachbuch, dass die Betroffenen „am Anfang mit extrem offenen Armen empfangen werden“ und sich dadurch sicher und besonders fühlen. Doch Schritt für Schritt würden sie „von ihrem Umfeld abgeschottet“ und immer stärker kontrolliert. Eine Frau etwa sei „in ein Tantra-Ritual hineingezogen worden, obwohl sie sich innerlich abgestoßen fühlte“.
Das Buch zeigt, wie gefährlich spirituelle Gemeinschaften werden können, wenn sie Vertrauen und Nähe ausnutzen.
Auf das Thema Missbrauch im Yoga sind die beiden Journalistinnen eher zufällig gestoßen. Co-Autorin Katja Paysen-Petersen arbeitet seit einiger Zeit in einem Podcastformat namens Seelenfänger, das sich investigativ mit Kulten und Sekten befasst. Dort wies eine Zuhörerin sie auf ein Yogastudio in München hin, in dem sie selbst zum Opfer von Missbrauch geworden war. Das zählte zu einem Yoga-Verein mit mehreren Standorten in Deutschland.
Yoga, das ist harmlos, das verbindet man gemeinhin mit einem bestimmten gesunden Lifestyle, der Fitness- und Wellnessbranche. Allerdings enthält Yoga auch einen spirituellen Anteil. Für Christiane Hawranek ist es genau dieser spirituelle Bereich von Yoga, der in bestimmten Fällen Tür und Tor für verschiedene Formen von sexuellem oder psychologischem Missbrauch öffnen kann.
Besonders bei den auch spirituell tätigen Yogastudios oder Lehrern, haben die Autorinnen herausgefunden, ist der Weg zwischen körperlichen Übungen, die dort vermittelt werden, hin zu einer Guru-Rolle manchmal kurz. Yoga ist big auf Social Media, da wird von normschönen Menschen, überwiegend jungen Frauen, der Eindruck vermittelt, Yoga könnte gar nicht gesünder und harmloser sein.
Doch neben jenem Fall von systematischem Missbrauch, dem Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen in ihrem Buch nachgegangen sind, stießen die beiden auch auf bestimmte Formen systematischer Ausbeutung. Dort werden engagierte Menschen bewusst ausgenutzt. In einer Yogaschule, über welche die beiden in ihrem Buch berichten, wurde solche Ausbeutung auf die Spitze getrieben, indem man dort Yoga-Unterricht als ehrenamtliche Tätigkeit bezeichnete, die gut fürs Karma sei.
Einige Yogastudios in Leipzig haben abgelehnt, Werbematerial für die Lesung von Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen während der Leipziger Buchmesse auszulegen. Nicht, weil in den Räumen der Studios kein Platz dafür gewesen wäre, sondern weil die Betreiber in Bezug auf Missbrauchsfälle in der Yoga-Szene keine Stellung beziehen wollen.
Christiane Hawranek, Katja Paysen-Petersen „Toxic Tantra“, Econ, Berlin 2026, 19,99 Euro.
Termintipp: Am Donnerstag, dem 19. März, um 19.45 Uhr lesen Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen im Theaterhaus Schille, Otto-Schill-Straße 7, aus ihrem Buch „Toxic Tantra“. Moderation: Eva Hanson.
Disclaimer: Der Autor ist Mitveranstalter der Lesung.
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