Das Projekt „Lebendige Luppe“ ist nicht nur der Versuch, ein paar alte Wasserläufe in der Burgaue wieder mit dem einen oder anderen kleinen Hochwasser zu befüllen. Es geht auch um Forschung in diesem Projekt. Denn wann kommen denn Leipziger Biologen mal dazu, wirklich intensiv die Tierwelt im Auenwald zu untersuchen? Gar den Kammmolch, eine der geschützten Tierarten im Leipziger Auwald?

Seit Anfang Juni führen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Leipzig und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Molchfänge mittels Reusen in den Papitzer Lehmlachen durch. Der Hintergrund ist: Beobachtungen von Naturschützern nährten die Sorge, dass der Kammmolch als europaweit streng geschützte FFH-Art auch in den Lachen als einzigem Lebensraum im Leipziger Auensystem zunehmend verschwindet.

Die erste Einschätzung jedoch gibt jetzt Grund zur Hoffnung, teilt die Projektleitung mit: Erstaunlich viele Molchexemplare sind in den Reusen gelandet, wurden gewogen, vermessen und für die spätere Wiedererkennung fotografisch dokumentiert. Eine ausführliche Auswertung der Fangergebnisse soll bis zum Herbst erfolgen. Für die Erhebungen wird auch ein Monitoring-Hund eingesetzt, der darauf trainiert wird, die Molche in ihren Landlebensräumen aufzuspüren.

Wie Molche riechen, hat er schon erschnuppert. Gebraucht wird er, weil die Molche nach ihrem Frühlingsstart in den Lachen an Land gehen und sich unter Stein-, Laub- und Totholzhaufen verstecken. Der Molch-Hund Zammy soll sie dann erschnuppern, sodass die Forscher herausfinden, wie und wo die Molche im Auwald bzw. dessen sonnigen Freiflächen leben.

Der Kammmolch findet in den Papitzer Lachen einen idealen Lebensraum, denn er liebt offene Landschaften und besonnte, dauerhafte Stillgewässer mit einer reich verkrauteten Unterwasservegetation. Da diese Bedingungen auch von anderen Amphibienarten bevorzugt werden, weist das Vorkommen von Kammmolchen häufig auf eine besonders artenreiche Amphibiengesellschaft hin. Der Kammmolch ist die größte heimische Molchart, aber auch die am stärksten gefährdete. Denn sein bevorzugtes Habitat, größere Feuchtgebiete mit unterschiedlichen Gewässern, ist selten geworden.

Die Begleitforschung durch Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) ist wesentlicher Bestandteil des Projekts Lebendige Luppe und liefert essenzielle Erkenntnisse für die Planungen der Revitalisierungsmaßnahmen. Zur Langen Nacht der Wissenschaften am 22. Juni präsentieren die Wissenschaftler an der Forschungsstation Auwald (Alte Wache in der Burgaue) ihre Arbeiten im Projekt. Außerdem thematisiert eine Ausstellung Wissenswertes und Interessantes zum Auwald, der lokalen Gewässergeschichte sowie den Ökosystemleistungen von Stadtnatur.

Das Projekt Lebendige Luppe

Im Rahmen des Projekts Lebendige Luppe arbeiten die Städte Leipzig und Schkeuditz, die Universität Leipzig, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ und der NABU Sachsen gemeinsam an Förderung und Erhaltung auentypischer Biotopstrukturen auf dem Gebiet der Städte Leipzig und Schkeuditz. Durch die Wiederbelebung ehemaliger Flussläufe sollen dem Auwald neue Lebensadern geschenkt, der Wasserhaushalt des Auensystems soll insgesamt verbessert und die biologische Vielfalt in diesem wertvollen Ökosystem gefördert werden.

Die Lebendige Luppe erhält als erstes sächsisches Projekt eine Förderung im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, das durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit realisiert wird. Gefördert wird es zudem durch den Naturschutzfonds der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt. Es ist ein Schlüsselprojekt des Grünen Rings Leipzig und des NABU Leipzig.

Lange Nacht der Wissenschaften

Dem Leipziger Auwald seine Geheimnisse entlocken. Präsentationen und Führungen 18:00 bis 24:00 Uhr.

Wir lieben ihn – unseren Auwald. Wir erholen uns, gehen spazieren oder joggen, sammeln Pilze, beobachten Tiere und Pflanzen. Heute Abend gibt es Filme, Präsentationen und Führungen über und im Leipziger Auwald. Stündlich Hauptpreis beim Auwaldquiz!

Tour 7 – Bustour Nordwest / Auwald / Eine Forschungsstation im Auwald

„Wache“ im Auwald / Bustransfer ab Augustusplatz, Abholung und Führung ab Haltepunkt Gustav-Esche-Straße

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Wissenschaft ist wichtig. Wenn sie Erkenntnisgewinne erbringt, neue Zusammenhänge findet, unbequeme Fragen stellt – und vor allem: wenn sie unabhängig ist, sich nicht zum Lakai der Auftraggeber macht oder zum reinen Selbstzweck und Selbstrechtfertigung “forscht”. Sonst nämlich werden Gutachten gefertigt, die ungeniert die Intentionen der Auftraggeber bedienen, Forschungsergebnisse so oft “gewaschen”, bis sie zur Hypothese oder zur Fragestellung passen. Oder Untersuchungen aufgeblasen, die eigentlich nichts bestätigen als das, was es im Normalfall geben sollte: in einem eigentlichen Auengebiet mit den entsprechenden (hier nun in einem tollen Projekt künstlich angelegten) Gewässervorkommen viele Molche. Wir sind schon so weit von einer natürlichen Lebenswelt entfremdet, dass wichtige Wissenschaftler sich über Wochen damit beschäftigen, normale Zustände zu “erforschen”. Was waren das noch für Zeiten, als ein Wissenschaftler sich dafür auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ, weil er nicht widerrufen wollte, dass die Erde in Wirklichkeit keine Scheibe sondern eine Kugel ist! Heute ist Wissenschaft, zu sagen, dass es dem Eisvogel im Floßgraben trotz massiv eingeschränkter Ruhezeiten während der Fortpflanzungs- und Brutphase im Vogeschutzgebiet (!) gut geht, weil er 4 bis 5 Junge (statt optimaler Weise 7 bis 9) in einer Brut hat, dass es an den Papitzer Lachen jetzt viele auentypische Molche gibt. Und, das ist der Untertext: deswegen mit dem immer weiter trocken fallenden Auwald alles in Ordnung ist und die betriebenen Projekte großartig. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Und Namen ließen sich nennen von rennomierten Wissenschaftlern, die, um weiterhin Aufträge der öffentlichen Hand (auch zusätzlich zu einer Festanstellung) zu bekommen, willfährig geschönte Gutachten verfassen und darin “wissenschaftlich” beweisen, dass alls gut ist. Und das Projekt Lebendige Luppe ist auch so ein feines Forschungsgegenständchen: ABMs für die Wissenschaft. Die eigentlich antreten müsste und sagen: gar nichts ist in Ordnung, Wasser gehört in die Aue, sie stirbt, da nützen auch kleine Enklaven für Molche nichts und keine kleinen, “gebauten” Gewässerchen ohne nennenswerte hydrologische Dynamik (Lebendige Luppe), der Leipziger Gewässerknoten gehört renaturiert (statt gerade jetzt für Motorboote einbetoniert wie die Pleiße im Süden), komplett und als großes Projekt, alle Leipziger Gewässer (auch über Leipzig hinaus) müssen renaturiert werden, Deiche rückgebaut oder zumindest zurückverlegt, das ist alles so überhaupt nicht nötig!, macht nur die Aue endgültig kaputt. Übrigens: diese Aussagen liegen der Stadtverwaltung vor, wissenschaftlich belegt und in Schubladen ganz, ganz, ganz weit hinten abgelegt. Wo sind sie, die Wissenschaftler, die für das, was sie sehr wohl erkannt haben, eintreten, statt sich zu prostituieren.

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