Friedrich der Weise und Johann der Beständige: Wie Luthers Fürsten zu seiner Zeit Kirchenpolitik machten

Für alle LeserWer die Zeit der Reformation erforschen möchte, kommt an den beiden Kurfürsten, die Martin Luther beschützten, nicht vorbei. Und auch nicht an ihren Staatsarchiven. Auch wenn es dann doch wieder so ein großes Jubiläum braucht wie das 500-jährige von Luthers Thesenanschlag 2017, dass die Forscher der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sich die kurfürstlichen Archive vornahmen unter der Fragestellung: Wie änderte sich damals die Kirchenpolitik?

In einem Editionsprojekt an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig wird seit 2014 die Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen für den Zeitraum von 1513 bis 1532 erforscht. Nachdem 2017 der erste Band der Edition für die Jahre 1513 bis 1517 im Druck erschienen ist, sind nun alle Schriftstücke dieses Zeitraums vollständig und kostenfrei mit ihren Regesten und vielfach auch Quellentexten online verfügbar. Die digitale Aufbereitung in einer Datenbank bietet Nutzern einen großen Mehrwert: Sie ermöglicht unter anderem Volltextsuchen, das Anzeigen von Quellen und optimierte Kartendarstellungen.

Friedrich der Weise (1463–1525) und Johann der Beständige (1468–1532) gelten als Schlüsselgestalten der frühen Reformationsgeschichte. Als Landesherren Martin Luthers schufen sie nicht nur den politischen Rahmen für die Ausbreitung und Verfestigung der Wittenberger Reformation im mitteldeutschen Raum. Die beiden Fürsten setzten auch bereits vor 1517 ihre Interessen zum Wohl ihrer Untertanen gegenüber der Kirche durch.

Das Forschungsprojekt an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig macht die kirchenpolitischen Akten dieser beiden herausragenden Reformationsfürsten in gedruckter und elektronischer Fassung zugänglich und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur reformationsgeschichtlichen Grundlagenforschung.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler edieren dazu die Korrespondenzen zwischen den beiden Brüdern, mit ihren Verwaltungsbeamten sowie verschiedenen Korrespondenzpartnern im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und in Europa. Hinzu kommen Urkunden, zum Beispiel Stiftungen, Testamente oder Schiedssprüche.

Die Datenbank wurde in Zusammenarbeit mit dem Trierer Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften entwickelt. Neben den 658 nun vollständig einsehbaren und durchsuchbaren Quellen bis 1517 werden auf der Internetseite zurzeit rund 800 weitere Quellen in Metadaten geboten. Kontinuierlich wird künftig ihre Zahl bis auf insgesamt etwa 6.000 erweitert und vervollständigt.

Die Quellen erfassen hauptsächlich die Gebiete des Kurfürstentums Sachsen, die heute zu Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehören. Sie bieten umfassende Einblicke in das Regierungshandeln der beiden Fürsten, in deren persönliche Frömmigkeit sowie in das religiöse Leben vor der Reformationszeit. Der Druck aller Quellen soll bis 2028 erfolgen. Nach Abschluss des Projekts wird die gesamte Edition auch digital verfügbar sein.

Die Datenbank ist abrufbar unter: bakfj.saw-leipzig.de

Hat Martin Luther seine 95 Thesen nun an die Wittenberger Schlosskirche geschlagen oder nicht?

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