Zu den sich weiter konkretisierenden Kürzungsplänen, zu deren Formulierung die Leitung der Universität Leipzig durch den von der schwarz-gelben Regierung beschlossenen Stellenabbau gezwungen wird, hat der der wissenschafts- und hochschulpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, Prof. Gerhard Besier, klare Worte: So ruiniert man Standorte.

Dass das Wissenschaftsministerium von Wirtschaft nicht viel Ahnung hat, das kann vorkommen. Volkswirtschaften sind komplexe Gebilde. Aber moderne Volkswirtschaften haben eine ganz elementare Grundlage: Wissen, Bildung und die Fähigkeit, die Welt in komplexen Zusammenhängen zu erfassen. Wenn Sachsens Unternehmen exportieren, dann bekommen sie es nicht nur mit Unternehmen und Behörden in anderen Ländern zu tun, dann bekommen sie es auch mit anderen Sprachen und Kulturen zu tun.

Aber in Dresden scheint man sich dessen nicht einmal bewusst zu sein. Wozu kulturelle und sprachliche Kompetenzen schaffen, wenn man nur lauter Ingenieure will? Einmal ist die Diskussion um die Romanistik in Sachsen schon hochgekocht. Das war 2011, als in Dresden die Schere angesetzt wurde.

Darauf weist Besier hin: “Als es 2011 an die Streichung der Hispanistik im Studiengang Romanistik der TU Dresden ging, erhob sich zu Recht energischer Widerspruch: Welcher informierte Student schreibt sich schon in einem unvollständigen Fach ein? Jetzt passiert das Gleiche in Leipzig, wo 2015 die Professur für lateinamerikanische, portugiesische und brasilianische Sprachwissenschaft gestrichen werden soll, wie jetzt bekannt wurde. Damit hat Sachsen zwei unvollständige Romanistik-Fächer, die in dieser beschnittenen Form kaum konkurrenzfähig sind und darum nicht werden überleben können. Das kommt davon, wenn man dem gewollten Hochschulrückbau kein sachsenweites Konzept zugrunde legt.”Mit dem so genannten “Hochschulfreiheitsgesetz” hat sich die sächsische Landesregierung komplett aus der Verantwortung gestohlen und die Verantwortung für die Streichung von 1.042 Dozentenstellen den Hochschulen überlassen. Die Mühe, eine eigene Zukunftsstrategie für die sächsische Hochschullandschaft zu entwerfen, hat sich das zuständige Wissenschaftsministerium nicht gemacht, obwohl man auch dort hätte wissen müssen, dass man 1.042 qualifizierte Dozentenstellen nicht einfach irgendwo wegkürzen kann wie überflüssige Arbeitskräfte in einem Unternehmen, das “verschlankt” werden muss. In dieser Größenordnung läuft das Streichkonzert auf die Schließung ganzer Institute hinaus, wird aber auf Jahre hinaus nicht die Einspareffekte bringen, die sich Finanzminister Georg Unland (CDU) bei seiner Sparvorgabe ausgerechnet hat.

Gerhard Besier: “Die Linke spricht sich klar gegen diesen Rückbau aus. Aber wenn die Staatsregierung sich dazu schon entschlossen hat, sollte sie das Kind auch beim Namen nennen und ihre halbherzigen Schritte nicht schönreden.”

Er benennt die Floskeln “Synergieeffekte” und “Profilschärfung”, die sich das Wissenschaftsministerium aus dem Wortschatz von Unternehmens-Sanierern geliehen hat, die eine Filetierung des Unternehmens mit solchen Phrasen schönreden.

“Außerdem lässt sich eine so einschneidende Maßnahme nicht nebenbei – durch ‘künftig wegfallend’-Vermerke bei demnächst frei werdenden Professorenstellen – bewerkstelligen. Das hat jetzt das Beispiel Romanistik in Sachsen demonstriert. Zufällig wurden dort an den beiden Standorten Professorenstellen aus Altersgründen frei, und zufällig ist man nun dabei, beide Romanistik-Standorte zu ruinieren”, stellt Besier fest. “Es ist überdies naiv, anzunehmen, dass sich ein Großprojekt wie der Rückbau der sächsischen Universitätslandschaft kurzfristig mit Einsparungen verbinden lasse. Vielmehr wird ein durchdachtes Konzept zunächst teurer. Einsparungseffekte werden allenfalls mittel- bis langfristig eintreten. Fazit: Der Weg, den die Staatsregierung einschlägt, ist grundfalsch und wird auf undurchdachte Weise beschritten. Beides schädigt nachhaltig die sächsischen Hochschulstandorte.”

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