Es wird voll in Leipzigs Schulen. Manche platzen längst aus allen Nähten. Auch das stand in der 49 Seiten langen Antwort von Kultusministerin Brunhild Kurth, die die Grünen-Abgeordnete Petra Zais bekommen hat. Sie hatte nach Bildungsempfehlungen und Anmeldezahlen in sächsischen Schulen gefragt. Natürlich kamen auch die Leipziger Zahlen drin vor.

Auch die zu den Neuanmeldungen an Oberschulen und Gymnasien. Das Thema hatten wir erst mal aufgespart, sonst hätte es den Artikel gesprengt. Aber eine L-IZ-Leserin hat sich bis nach unten durchgescrollt durch die ganzen Tabellen in der Antwort der Kultusministerin. Und hat dann einfach mal den Taschenrechner geschnappt.

Denn insbesondere in den innerstädtischen Leipziger Gymnasien wird es 2015 genauso wie im Vorjahr. Viele Eltern werden wohl die Bitte bekommen, ihr Kind doch lieber auf einem anderen Gymnasium anzumelden. Zum Beispiel am Brockhaus-Gymnasium in Mockau oder seiner Zweigstelle in Schönefeld.

Denn in einigen besonders beliebten Gymnasien in der inneren Stadt sind die Anmeldezahlen so hoch, dass der lange Zeit gültige Klassenteiler von 28 bei weitem überschritten wird.

Im letzten Jahr kam es dann – nachdem mehrere Eltern gegen eine Umdirigierung Protest eingelegt hatten – zu einer mehr oder weniger salomonischen Lösung: Die betroffenen Gymnasien durften die Klassenstärken über die bislang übliche Grenze von 28 Schülern erweitern. So ganz in aller Stille hat Leipzig begonnen, nun doch das aus westlichen Bundesländern gewohnte Stopfen der Klassen zu übernehmen und erst einmal punktuell einige Klassen mit über 30 Schülern zuzulassen.

Aber jeder, der die Leipziger Geburten- und Schülerzahlen kennt, der weiß, dass das nur der Vorbote dessen war, was da kommen würde.

Für Sylvia Kolbe war es klar, als sie die Zahlen sah.

Wenn sich am Reclam-Gymnasium mit seinem starken Fokus auf dem Französischen 134 Kinder anmelden für den neuen Jahrgang der 5. Klassen, dann bedeutet das bei einer Vierzügigkeit der Schule 33,5 Kinder pro Klasse.

Genauso ist es mit dem Schillergymnasium in Gohlis, wo sich 131 Kinder angemeldet haben. Bei einer Vierzügigkeit bedeutet das 32,75 Kinder pro Klasse.

Dasselbe gilt für das Humboldt-Gymnasium in Reudnitz-Thonberg: 134 bei vier parallelen Klassen, das sind 33,5 Kinder pro Klasse.

Im letzten Jahr stand besonders das Kant-Gymnasium in der Südvorstadt im Fokus der Debatte. Aber auch in diesem Jahr ist das Gymnasium begehrt: 128 Kinder wurden in der Schule angemeldet. Bei vier parallelen Klassen macht das 32 Kinder pro Klasse.

Am Kepler-Gymnasium in Kleinzschocher haben sich 111 angemeldet. Wenn es bei der bisherigen Dreizügigkeit bleibt, wären das 37 Kinder pro Klasse. Würde der neue Jahrgang vierzügig, wäre man mit 27,75 Kindern pro Klasse wieder im Rahmen.

Dasselbe gilt für das Robert-Schumann-Gymnasium in Lindenau, wo 129 Kinder angemeldet wurden. Bei der bisherigen Dreizügigkeit wären das 43 Kinder pro Klasse, aber auch beim Umschalten auf Vierzügigkeit wären das noch immer 32,25. Womit dann das Drama, das bislang eher den Leipziger Süden in Aufregung versetzte, nun auch im wachsenden Westen angekommen wäre. Und die Bauarbeiten für das neue Gymnasium in der Karl-Heine-Straße haben noch nicht einmal begonnen. Die für das Gymnasium in der Telemann-Straße, das eigentlich den Süden entlasten soll, auch noch nicht.

Volles Haus gibt es mit fast 30 Schülern pro Klasse auch am Ostwald-Gymnasium, während das Brockhaus-Gymnasium dadurch, dass es noch das Interim in Schönefeld hat, recht viel Platz hat.

Leipzig hängt bei seinen Schulinvestitionen eindeutig zurück. Man kann sich darüber streiten, ob es zwei oder drei Jahre sind. Der Druck ist jetzt schon da.

Übrigens auch schon bei den Oberschulen. Hier ist es die 68. Oberschule in Gohlis in der Breitenfelder Straße, in der sich jetzt gleich 131 Kinder angemeldet haben. Da es vier parallele Klassen gibt, wären das 32,75 Kinder pro Klasse.

Es ist also absehbar, dass es wie im Vorjahr so einige Dramen geben wird und die neuen Fünftklässler bzw. ihre Eltern die Wahl haben zwischen rappelvollen Klassen oder längeren Schulwegen.

Antwort zur Anfrage von Petra Zais zu den Bildungsempfehlungen und Anmeldezahlen

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