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Projekt Quartiersschule Leipziger Osten beginnt 2017 mit dem Bau der Oberschule an der Ihmelstraße

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    Zumindest das dürfte die Akteure im Leipziger Osten trösten: Die sächsische Staatsregierung findet die Idee, in Sellerhausen an der Ihmelstraße eine "Quartiersschule Leipziger Osten" zu schaffen, gut. Das bedeutet zumindest: Es gibt Fördermittel für den Schulbau. Das bedeutet aber auch ein paar Extra-Kosten, um das Konzept der Quartiersschule zu erarbeiten.

    Zwar hat die Stadt schon ein Vorbild für so eine Art Campus – das ist der Französische Campus an der Straße des 18. Oktober. Aber als echtes Stadtteilprojekt ist das Nebeneinander von Oberschule und Gymnasium neu. Beides wird im Leipziger Osten dringend gebraucht, stellt das Sozialdezernat jetzt in seiner Vorlage für den Stadtrat fest, in dem auch die neuen Kosten für die Oberschule beziffert sind.

    Immerhin stammen die letzten Kostenschätzungen aus dem Jahr 2012. Doch die Baukosten galoppieren – nicht nur in Leipzig. Und mit einer bisher üblichen Zweifeld-Turnhalle kommt man nicht aus, wenn zwei große Schulen die Halle nutzen sollen.

    „Mit  dem Investitionsprogramm  Schulhausbau wurde 2012 die Reaktivierung  der  Hermann-Liebmann-Schule an der Ihmelstraße 14 beschlossen und dafür 13,7 Millionen Euro avisiert. Um allerdings das Raumprogramm für eine 4-zügige Oberschule am Standort umzusetzen, muss dieser Sachverhalt  präzisiert  werden, da dafür neben einem Erweiterungsneubau mangels anderer Sporthallenangebote am Standort auch eine 3-Feld-Sporthalle neu zu errichten und die Sportanlage für den Schulsport aufzuwerten ist. Mit dem 2012 dafür avisierten Betrag ist dies allerdings nicht umzusetzen. Je nach Sanierungserfordernis des vorhandenen denkmalgeschützten Schulgebäudes und der Lage der Sporthalle bedarf es daher mindestens 17,4 Millionen Euro brutto für das Vorhaben dieser HH-Vorlage.“

    HH-Vorlage steht für Haushalts-Vorlage. Die alte, 1907 errichtete Hermann-Liebmann-Schule soll zwar erst ab Oktober 2017 saniert und umgebaut werden, aber Geld für die Planungen muss schon ab 2015 bereitgestellt werden. Und diese Planungskosten betragen zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon einmal geschätzte 957.000 Euro.

    Und das Konzept muss stehen, bevor die Oberschule am Standort Ihmelstraße zum Schuljahresbeginn 2019/2020 eröffnet. Das wird in der Vorlage extra betont: „Die  größere Herausforderung und Voraussetzung zur Erreichung der beabsichtigten  Wirkung – mit dieser Investition werden zunächst nur bauliche Hüllen geschaffen – ist der Inhalt. Gefunden werden muss eine Struktur, die das Zusammenwirken der Bildungseinrichtungen im Stadtteil und speziell das Management des Campus Ihmelstraße und seiner Angebote in den Blick nimmt. Diese Aufgabe braucht Personal, das parallel zur Bauphase die inhaltlichen Konzepte  auch  in  Verbindung mit der Bildungsagentur vorbereitet.“

    Denn hier geht es nicht nur um reinen Schulbedarf. Hier geht es auch um ein künftiges schulisches Angebot, das die ganz speziellen Probleme des Leipziger Ostens aufgreift. Eigentlich braucht das auch Ideen für neue Förderangebote, die es so im sächsischen Bildungssystem einfach noch nicht gibt. Denn gerade Kinder aus bildungsfernen Familien – aber auch aus Migrantenfamilien – schaffen in Sachsens Schulen oft nicht ihr Leistungsniveau, um selbst die Oberschule erfolgreich abzuschließen. Da fehlt irgendetwas, besteht eine echte Förderlücke, die dafür sorgt, dass die Leipziger Quoten von Schulabsolventen ohne Abschluss seit Jahren bei 12 bis 14 Prozent liegen. Ein Unding.

    Blick in den Schulhof der alten Hermann-Liebmann-Schule. Foto: Ralf Julke
    Blick in den Schulhof der alten Hermann-Liebmann-Schule. Foto: Ralf Julke

    In der Formulierung des Sozialdezernats: „Mit Blick auf die Gesamtstadt erkennt man, dass der Leipziger Osten der Stadtteil mit höchster Schulabbrecherquote, geringsten Bildungsempfehlungen und der Ballung der schärfsten sozialen  Probleme ist.“

    Das neue Schulprojekt muss also mehr sein als eine schöne „bauliche Hülle“: „Die Herleitung der Notwendigkeit einer Quartiersschule mit Gymnasium und Oberschule und das  Vorhandensein eines Bildungsnetzwerkes im Stadtteil, das sich auch mit außerschulischen Angeboten, der Elternbildung und der Integration von Migranten auseinandersetzt, ist aus Sicht des Innenministeriums ein schlüssiges Konzept, das den aktuellen Bildungsdebatten auf Bundesebene folgt und geeignet ist, den Kernproblemen des Stadtteils entgegenzuwirken. Aus diesem Grund ist eine Förderung aus dem Programm soziale Stadt möglich (Blickwinkel ASW, Stadtteil und AG Bildung).“

    Eigentlich würde so ein Bildungscampus im Leipziger Osten heute schon gebraucht. Aber die Stadt muss auch dieses Schulprojekt irgendwie in die Leistungsfähigkeit ihres Haushaltes einordnen. Die Oberschule im Gebäude der ehemaligen Hermann-Liebmann-Schule und die Sporthalle sind schon im Schulentwicklungsplan bis 2019 enthalten. Das Gymnasium noch nicht, kann also – wenn sich die Finanzierungsmöglichkeiten in Sachsen nicht drastisch ändern – auch vor 2020 nicht gebaut werden.

    Der Fachausschuss Finanzen soll sich im August mit der präzisierten Vorlage beschäftigen, im Herbst ist das Papier dann in der Ratsversammlung zu erwarten.

    So nebenbei erwähnt wird auch, dass auch die beiden angrenzenden Straßen – die Ihmelstraße und die Krönerstraße – in einem eher erbärmlichen Zustand sind. Aber die Sanierung der beiden Straßenabschnitte muss aus einem anderen Topf bezahlt werden.

    Und für Liebhaber der Materie Schulhausbau gibt es im Papier auch einen Ausblick auf die Entwicklung der Klassenzahlen in Leipzig: „Die Prognose zeigt deutlich eine kontinuierliche Zunahme der Eingangsklassen in der Stadt Leipzig auf. Von 64 Eingangsklassen im Schuljahr 2013/14 ist eine jährliche Steigerung bis auf knapp 100 Eingangsklassen im Jahr 2034/2035 zu verzeichnen. Der Verbleib auf diesem hohen Niveau ist ebenfalls erkennbar.“

    Leipzig muss seine Schulkapazitäten also um 33 Prozent erhöhen, um den steigenden Bedarf aufzufangen.

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