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Schulsozialarbeiterprogramm kann nach Auskunft von Barbara Klepsch mit Schuljahresstart anlaufen

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    Für FreikäuferNicht nur bei Lehrern beginnt mit Schuljahresbeginn das große Rätselraten an Sachsens Schulen. Auch bei den Sozialarbeitern war vor einer Woche noch nicht so recht klar, ob sie wie bewilligt auch zum Einsatz kommen. Erstmals hat ja bekanntlich der Freistaat Sachsen eine Finanzierung solcher Sozialarbeiterstellen in größerem Ausmaß beschlossen. Denn dass viele Kinder keinen Erfolg in der Schule haben, hängt mit ihren ganz persönlichen Problemen zusammen.

    Da braucht es Hilfe, jemanden, der zuhören kann und hilft. Der Bedarf wurde lange überhaupt nicht wahrgenommen. Aber wenn immer wieder Kinder aus denselben Milieus und denselben Schularten ihren Abschluss nicht schaffen oder weit unter ihren Leistungsmöglichkeiten bleiben, ist eigentlich klar, dass ein starrer Lehrplan allein nicht hilft. Da braucht es professionelle Ansprechpartner, die in der Schule und als Problemlöser wirksam werden können.

    Eine Stadt wie Leipzig ist bei dem Thema schon seit Jahren aktiv und hat Jahr um Jahr mehr Schulen – insbesondere Oberschulen, aber auch Grundschulen – mit professionellen Sozialarbeitern ausgestattet. Es war also mal wieder die Kommune, die hier aus Eigeninitiative und auf eigene Kosten aktiv wurde, um eine Fehlstelle der sächsischen Bildungspolitik zu stopfen.

    Mit der SPD aber ist 2014 eine Partei wieder in die Regierung gekommen, die auch diese Reparaturaufgabe versucht hat, in staatliches Handeln umzusetzen. Ergebnis war der Beschluss, dass das Land selbst einige hundert Schulsozialarbeiterstellen finanziert.

    So weit, so gut.

    An 374 Schulstandorten in Sachsen könnten Schulen mit Schuljahresbeginn theoretisch Schulsozialarbeit über das neue Landesprogramm anbieten, das war nun das Ergebnis einer Landtagsanfrage, das der Grünen-Fraktionsvorsitzende Volkmar Zschocke in der vergangenen Woche bekam. Vier weitere Schulen könnten ab 2018 damit starten.

    Für Zschocke waren die Antworten auf seine Anfrage erst einmal „ernüchternd“.

    „Die Staatsregierung hat kaum Informationen über den aktuellen Stand der Schulsozialarbeit mit Beginn des Schuljahres 2017/18. So fehlt dem Sozialministerium der Überblick, wie viele Schulen aufgrund der neuen Förderung erstmals Schulsozialarbeit anbieten können, wie viele ihr bisheriges Angebot auf Grundlage der neuen Förderung fortführen und wie viele der allgemeinbildenden 1.500 Schulen in Sachsen leer ausgehen. Welche Wirkung das neue Landesprogramm Schulsozialarbeit zum Schuljahresanfang entfaltet, bleibt so völlig unklar“, meint Zschocke.

    Auf Dauer angelegt ist das Ganze auch nicht. „Die Förderung von Projekten der Schulsozialarbeit auf Grundlage der FRL ‚Schulsozialarbeit‘ erfolgt als Projektförderung und entsprechend der für diesen Zweck zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel; eine über die Projektlaufzeit hinausgehende Förderung kann nicht garantiert werden“, heißt es in der Regierungsantwort.

    Das ist genau das seltsame Spiel, das in der Bundesrepublik dazu führt, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte immerfort in zeitlich befristeten und letztlich prekären Job-Kreisläufen landen. Denn dass man qualifizierte Fachkräfte für diese Aufgaben braucht, ist auch der Regierung klar, man will nur „Fachkräfte, die sich für die Aufgabe der Schulsozialarbeit nach ihrer Persönlichkeit eignen und eine dieser Aufgabe entsprechende Ausbildung erhalten haben“ auf diesen Stellen sehen.

    Aber natürlich stand da die Frage: Wo bekommt man auf die Schnelle über 300 qualifizierte Sozialarbeiter her, die bereit sind, in einem möglicherweise zeitlich befristeten „Projekt“ tätig zu werden? Glaubt die Regierung tatsächlich, dass diese Leute einfach da draußen herumlaufen und bis zum 1. Januar 2018, wenn die Stellen besetzt sein sollen, auch gefunden werden?

    Gerade daran zweifelte Volkmar Zschocke.

    „Zudem liegen keine Informationen darüber vor, ob es gelingt, geeignete Fachkräfte zu finden“, kritisiert Zschocke. Dazu könne das Ministerium „keine Aussagen im Einzelnen“ treffen. Es verweise auf das Fachkräftegebot laut Förderrichtlinie und die Verantwortlichkeit der Projektträger vor Ort. Viele Ausschreibungen würden derzeit noch laufen. Über den Stand der Stellenbesetzung würde die Bewilligungsbehörde (KSV) auch keine Daten erheben.

    „Ich erwarte, dass Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) mehr Interesse daran zeigt, wie sich das neue Förderprogramm zur Schulsozialarbeit in Höhe von 15 Millionen Euro pro Jahr entwickelt und werde in den kommenden Monaten erneut nachfragen“, kündigt der Grünen-Abgeordnete schon mal an. Und wie das so ist mit Erwartungen, die man am Sonntag hinausschickt in die Welt: Manchmal werden sie sofort erhört.

    Denn postwendend ließ Barbara Klepsch die amtliche Mitteilung veröffentlichen, dass das Schulsozialarbeiterprogramm starten kann: „Nach Angaben der Bewilligungsbehörde, dem Kommunalen Sozialverband Sachsen, werden für 383 Schulen Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen mit insgesamt 332,7 Vollzeitstellen tätig. Mit den Zuwendungsbescheiden wird ein umfangreicher, konzeptioneller Prozess der Bedarfsplanung in den Jugendämtern des Freistaates abgeschlossen. Die Landkreise und Kreisfreien Städte haben bis 31. Mai 2017 Förderanträge einschließlich regionaler Gesamtkonzepte eingereicht. In Abstimmung mit dem Landesjugendamt Sachsen folgte die fachliche Prüfung.“

    Insgesamt wurden 341,08 Vollzeitäquivalente aus den Kommunen heraus beantragt. Ein paar sind also noch offen.

    Leipzig ist gar nicht überraschend die Stadt mit der höchsten Zahl beantragter Stellen von über 66 Vollzeitäquivalenten an 76 Schulen. Die sächsische „Armutshauptstadt“ hat am heftigsten mit den Folgen eines hohen Sockels an manifester Armut und entsprechenden Folgen im schulischen Alltag zu kämpfen. Andererseits hat die Stadt auch sachsenweit schon die größte Erfahrung beim Umgang mit dem Thema.

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