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Das Löcherstopfen mit Seiteneinsteigern in Sachsen geht weiter

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    Es klang fast euphorisch, als die „Sächsische Zeitung“ am Freitag, 5. Januar, schrieb: „Mehr Lehrer-Bewerber als erwartet. 660 Lehrer könnte Sachsen im Februar 2018 einstellen. Es fehlen aber eigene Lehramtsabsolventen.“ Als wäre mit dem doppelten Wechsel im Kultusministerium auf einmal alles anders geworden. Aber tatsächlich erzählen die Zahlen von einem dreifachen Dilemma aus der sächsischen Fastfood-Küche.

    Denn dass sich eine so unerwartet große Zahl der Lehrkräfte-Bewerbungen zur Mitte des Schuljahres ansammelt, erzählt von einer Landespolitik, die über Jahre ohne Plan und Vision war.

    „Es ist kein Grund zum Aufatmen, dass es rein zahlenmäßig genug Bewerbungen für die zu besetzenden Stellen gibt“, kommentiert Cornelia Falken, Sprecherin der Linksfraktion im Landtag für die Bildungspolitik. „Denn nach wie vor werden viel zu wenige Stellen ausgeschrieben. Nach wie vor sind die wenigsten Bewerber ausgebildete Lehrkräfte, ein Teil wird nach mehrfachen Bewerbungen in andere Länder gehen. Nach wie vor gibt es außer am Gymnasium nirgends genug geeigneten Nachwuchs. Nach wie vor kommt ein Teil der Seiteneinsteiger zu spät an die Schulen, weil die Fortbildungen zu spät beginnen.“

    Im SZ-Beitrag war dann noch zu lesen, dass augenscheinlich das Kultusministerium damit rechnet, dass selbst von den im Land ausgebildeten Lehramtsabsolventen am Ende nur die Hälfte (rund 500) im Land bleibt. Man lässt die jungen Leute also schon von vornherein ziehen, ohne dass man auch nur weiß, wie man den Bedarf überhaupt decken will. Das ist das zweite Dilemma, das augenscheinlich niemand lösen will.

    Dass die Seiteneinsteiger das Problem nicht lösen, klingt sogar bei der SZ an: 660 Stellen wären jetzt im Februar zu besetzen, rund 2.000 Bewerbungen gingen dafür ein. 1.400 Bewerber seien zwar irgendwie qualifiziert und man könne die 660 Stellen auch besetzen, so das Kultusministerium. Aber dann fängt gleich wieder das sächsische Geeier an, weil 197 BewerberInnen nun einmal Gymnasiallehrer seien, der höchste Bedarf aber in Grund- und Oberschulen besteht, den Stiefkindern der sächsischen Bildungspolitik.

    Man hält mit gichtigen Fingern an einem Bildungssystem aus dem letzten Jahrhundert fest, bildet Lehrer wie Möhren nach Größen sortiert aus und sträubt sich wider besseres Wissen dagegen, die Schulen und die Lehrerausbildung modern und flexibel zu gestalten. Lieber lehnt man 200 Gymnasiallehrer ab, weil man sie an Ober- und Grundschulen nicht einsetzen möchte.

    Das ist finsteres Mittelalter, aber keine moderne Schule.

    Und von dem Bemühen, die selbst ausgebildeten Lehrer im Land zu halten, spürt Cornelia Falken auch nichts: „Das Kultusministerium muss dafür sorgen, dass fließend eingestellt wird und nicht nur zweimal im Jahr. Es müssen deutlich mehr Stellen ausgeschrieben werden, und zwar ausnahmslos schulscharf! Seiteneinsteiger müssen spätestens ein halbes Jahr vor ihrem Einsatz eingestellt werden, damit genug Zeit zur Fortbildung bleibt. Gymnasiallehrer, die an Grundschulen eingestellt werden, brauchen eine besondere pädagogische Zusatzqualifikation, damit sie den Anforderungen dieser Schulart gerecht werden können. Und ein Tarifvertrag muss endlich für gerechte und attraktive Gehälter an allen Schulen sorgen.“

    Alles Forderungen, die auch die GEW seit nunmehr Jahren vorbringt. Alles umsetzbar, wenn sich die zuständigen Minister nur einmal zusammensetzen. Aber mehr als das Geschrei um den Verbeamtungsvorschlag von Ex-Kultusminister Frank Haubitz gab es bislang nicht. Und davor das sture Bekenntnis seiner Vorgängerin, dass es mit ihr kein längeres gemeinsames Lernen und keine echte Schulreform geben würde. Entsprechend dramatisch sind die Zustände in Sachsens Schulen mittlerweile. Und die alten LehrerInnen brennen so langsam aber sicher aus.

    Und das dritte Dilemma? – Ist schlicht die Tatsache, dass sich so einfach 2.000 AkademikerInnen finden, die sogar aus purer Verzweiflung Lehrer werden wollen, weil die akademischen Personalstellen in Sachsen selten und oft genug prekär und zeitlich befristet sind. Auch so vergeudet man das kreative Potenzial des Landes.

    Endlich mal ein paar Zahlen zu den verschwundenen Lehramtsstudenten

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