„Das ist eine Sache der Unmöglichkeit“ – Erzieher sind auch am Limit

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 75, seit 24. Januar im HandelEs ist laut, stickig, stressig wenn 21 Menschen in einem Raum sind. Erst recht, wenn es 20 Kinder und ihr Erzieher sind. Eigentlich sollte das nicht sein, es passiert aber trotzdem, denn es gibt zu wenige Erzieher in Sachsen. Der sächsische Koalitionsvertrag rückt die frühkindliche Bildung etwas mehr in den Fokus. Die Attraktivität des Erzieherberufes soll erhöht und mehr Erzieher ausgebildet werden.

Wie geht es den Erziehern in dieser Stadt? Was macht ihren Beruf so unattraktiv? Welchen täglichen Herausforderungen sehen sich gegenüber? Fühlen Sie sich gerecht bezahlt und was würden Sie zur Verbesserung der Kinderentwicklung in diesem Land ändern. In Zeiten von Dokumentationen wie „Lehrer am Limit“ wird offenbar viel zu wenig über diejenigen berichtet, die so viel Arbeit leisten müssen, wenn sich das kindliche Gehirn entwickelt. Florian Schenk arbeitet seit zehn Jahren in Leipzig als Erzieher. Ein Interview aus der Praxis.

Herr Schenk, ich wollte schon immer wissen: Mögen Erzieher ihre Berufsbezeichnung? Oder hätten Sie einen anderen Vorschlag?

Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich etwas getan: Die Kita wird als Bildungseinrichtung wahrgenommen, und das ist ein großer Schritt, denn Erzieher sind nicht nur Erzieher, wie es im Wortlaut eigentlich deutlich wird, sondern wir pflegen Kinder natürlich auch. Vor allem im Krippenbereich ist das ein ganz großer Punkt. Aber wir bilden auch dazu. Es ist keine neue Erkenntnis, dass Kinder sich weiterbilden oder Kinder seit der Geburt oder schon im Mutterleib lernen. Und dann ist es ja auch ganz logisch, dass die Kita als Bildungsort wahrgenommen werden sollte und somit auch der Erzieher als Lehrer oder als Begleiter der Kinder in Sachen Bildung.

Allerdings glaube ich, dass das im Alltag nicht so wahrgenommen wird. In der Schule wird der Lehrer selbstverständlich als Bildungsinstanz wahrgenommen. Erzieher haben es in dem Bereich noch etwas schwerer.

Im Dezember haben sich SPD, Grüne und CDU im sächsischen Koalitionsvertrag auch auf Ziele in der frühkindlichen Bildung geeinigt. Unter anderem soll „die Attraktivität des Erzieherberufes“ erhöht werden, indem eine „Qualitätsentwicklung“ stattfindet und die Ausbildung reformiert wird. Was macht den Beruf derzeit so unattraktiv?

Es gibt einen Gegensatz: Viele Erzieher erleben ihren Alltag mit den umfangreichen Anforderungen und wissen, was sie leisten. Die gesellschaftliche Akzeptanz des Erzieherberufes ist allerdings relativ gering zu dem, was er eigentlich bewirkt.

Dann gibt’s ganz praktische Gründe warum es unattraktiv ist, als Erzieher zu arbeiten. Zum ersten die Bezahlung, auch wenn es da schon einige gute Schritte in den letzten zwei, drei Jahren gab. Zum zweiten Sachen, die man schwer kurzfristig beeinflussen kann, konkret Überforderungselemente von Erziehern, beispielsweise, dass der Betreuungsschlüssel – der ja eigentlich gesetzlich verankert ist – in ganz vielen Sequenzen des Tages oder der Woche überhaupt nicht eingehalten wird.

Drittens sind es auch die Krankheiten, die mit der Arbeit einhergehen. Wir haben eine hohe Lärmbelastung. Das muss ich sicher keinem sagen, der weiß wie es sich anfühlt, mit 20 Kindern in einem Raum zu sein. Dann haben wir Belastungen wie Burn Out, wir haben Depressionen bei Erziehern oder in sozialen Berufen im Allgemeinen. Und da ist es natürlich in der Summe zu dem, was dann am Ende bei rumkommt, sehr schwer, über mehrere Jahre oder teilweise auch Jahrzehnte diesem Beruf in einer gewissen Motivation nachzugehen.

Klar ist natürlich auch, dass Erzieher ja kein Beruf an sich ist, sondern eigentlich eine Berufung. Ich kann nicht sagen: Ich gebe heute mal 50 Prozent weniger oder mache mal 50 Prozent weniger, sondern ich muss ja immer für die Kinder Ansprechpartner sein. Und das geht natürlich schwer wenn ich überfordert bin, wenn ich viele Belastungselemente in mir trage.

Können Sie sich etwas unter dem Begriff „Qualitätsentwicklung“ vorstellen?

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 75, Ausgabe Januar 2020. Zum Lesen klicken.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 75, Ausgabe Januar 2020. Zum Lesen klicken.

Da muss ich ehrlich sagen, kann ich gar nicht wirklich antworten, denn Qualität hat erst mal auch immer mit dem Betreuungsschlüssel zu tun. Das heißt, ich kann mir vieles vornehmen in meiner täglichen pädagogischen Arbeit. Wenn ich dann aber am Morgen erfahre, dass zwei Kollegen krank geworden sind, dann kann ich die Qualität, die ich mir vornehme und die auch mein Beruf eigentlich beinhaltet, gar nicht leisten.

Und deswegen ist die Frage nach dem Betreuungsschlüssels sehr wichtig. Für die öffentliche Wahrnehmung klingt ein Schlüssel von 1:12 noch sehr human. Das ist er auch. Ich glaube 90 oder 100 Prozent der Erzieher würden sich freuen, wenn sie einen Schlüssel von 1:12 hätten. Leider, muss ich ehrlich sagen, ist dieser Schlüssel, ich sag mal, zu 80 Prozent – und da bin ich sehr realistisch – nicht gegeben. Wir betreuen teilweise deutlich mehr Kinder. In einzelnen Situationen kann sich das auch mal auf 25 Kinder im Kita-Bereich belaufen, und da übertreibe ich auf keinen Fall, das ist eigentlich die tägliche Praxis.

Und deswegen geht es für mich in Punkto Qualitätsentwicklung vielmehr darum, neue Erzieher zu gewinnen. Natürlich muss auch die Ausbildungs-Qualität der Erzieher verbessert werden

Wieso kann der Betreuungsschlüssel nicht eingehalten werden?

Ja, was will man machen? Es ist eine ganz einfache Rechenaufgabe. Eine Kita hat zehn Erzieher. Die zehn Erzieher haben im Jahr 30 Tage Urlaub. Das heißt, es gibt schon mal 300 Tage im Jahr, an dem allein wegen des Urlaubsanspruchs der Erzieher nicht alle da sind. Dann fehlen Erzieher wegen Krankheit oder Weiterbildung.

Das heißt, auf 100 Prozent gedacht haben wir in der täglichen Praxis immer nur 80 Prozent der Erzieher da. Im Schnitt. Da reden wir davon, dass wenige Tage natürlich mal 90 Prozent da sind, es kann aber auch mal sein, dass nur 50 oder 60 Prozent der Erzieher da sind. Man müsste mit 120 Prozent der Erzieher planen, damit 100 Prozent da sind. Und nur so bekommt man auch auf die Dauer einen ordentlichen Betreuungsschlüssel, der sich auch an die gesetzlichen Vorgaben hält.

In der Praxis ist es gar nicht möglich, den einzuhalten, wenn Kollegen fehlen. Was soll man machen wenn man frühmorgens erfährt, dass drei Erzieher nicht da sind? Was ist die gängige Praxis? Man macht Überstunden, man belastet sich selber, weil man 25 Kinder beaufsichtigt, Erzieher müssen aus anderen Einrichtungen woanders aushelfen, auch das ist gängige Praxis. Man kann ja die Arbeit nicht liegen lassen, die Kinder sind ja da. Ich kann doch nicht sagen, ich betreue heute bloß 12 Kinder und das 13. nehm ich nicht mehr an. Das ist einfach nicht möglich.

Was sind die Folgen dessen im Alltag?

Ich glaube, dass wir als Erzieher gefühlt 1.000 Aufgaben jeden Tag haben. Wir haben ja nicht nur die Kinder – also die Arbeit mit den Kindern in der Gruppe oder in den Gruppen – sondern wir haben ja auch ganz viele Sachen, die nebenbei laufen müssen. Die auch der Gesetzgeber a) oder b) der Träger vorschreibt, die aber, wenn man ehrlich ist, vielleicht ab und zu mal erledigt werden können, aber definitiv nicht dauerhaft, so wie es im Moment der Fall ist.

Das heißt, wir haben natürlich Elterngespräche vorzubereiten, nachzubereiten, noch durchzuführen. Wir haben zum Beispiel die Portfolio-Arbeit. Dann haben wir natürlich verschiedene Interaktionen mit Schulen, mit anderen Einrichtungen wie beispielsweise Logopäden, Ergotherapeuten. Dann haben wir natürlich Teamberatungen et cetera.

Da ist mir jetzt wahrscheinlich auch bloß die Hälfte eingefallen auf die Schnelle. Auch da gibt es einzelne Bestrebungen vom Gesetzgeber oder vom Träger, die Situation zu verbessern. Ein Erzieher könnte von seinem Stundenbudget ein paar Stunden im Büro an seinen Aufgaben arbeiten, zum Beispiel Zeit, um Portfolio-Arbeit zu machen, um Elterngespräche vorzubereiten und durchzuführen.

Wenn das die gängige Praxis wäre, wäre das ein starker Vorschlag. Allerdings sieht natürlich die Praxis anders aus. Das heißt, wenn Erzieher fehlen – was ja, wie ich schon beschrieben habe, oft der Fall ist – erübrigt sich die Arbeit dann einfach. Das andere fällt halt hinten runter.

Das Problem an der Sache ist nicht, dass vielleicht einzelne Sachen ausfallen. Erzieher sehen sich immer in der Pflicht, alles zu machen, das heißt perfektionistisch zu sein. Da würd ich mir einfach wünschen, wenn der Gesetzgeber oder der Träger auch mal sagen würde: Pass auf, es ist ok, wenn einige Sachen nicht geleistet werden können. Aber leider ist es oftmals der Fall, dass die Erzieher das dann den Elternteilen, weil sie halt in direkter Kommunikation mit ihnen stehen, sagen müssen. Das Verständnis ist teilweise dafür nicht da. Das muss ich auch mal dazusagen.

Was muss man sich unter Portfolio-Arbeit vorstellen?

Portfolioarbeit ist nichts anderes als eine Entwicklungsdokumentation. Jeder Erzieher hat ungefähr – bei uns zumindest – zehn Bezugskinder. Das heißt, er ist dafür verantwortlich, mit den Eltern Gespräche zu führen und ist auch verantwortlich für das Portfolio, das heißt für die individuelle Entwicklungsdokumentation. Und da soll jeder Entwicklungsfortschritt mit den Kindern zusammen dokumentiert werden. Bildnerisch, aber auch mit Lerngeschichten.

Es ist ein enorm großer Zeitaufwand, der natürlich dort oftmals auf der Strecke bleibt, weil einfach die Zeit fehlt. Das kann man mal hochrechnen, wenn man pro Kind, pro Jahr vier Lerngeschichten schreibt – das ist nicht gerade viel – sind das 40 Lerngeschichten. Das heißt, du müsstest eigentlich aller zwei, drei Tage sowas schreiben und dann halt auch mit den Kindern zusammen das Portfolio gestalten. Das ist eine Sache der Unmöglichkeit.

Die Koalition will auch die finanzielle Situation von Erziehern verbessern. Fühlen Sie sich ungerecht bezahlt?

Zum Thema Bezahlung muss jeder selber entscheiden ob es gerecht ist. Ich finde schon, dass man in den Bereich Bildung investieren sollte. Ich denke schon, dass Bildung das wichtigste Thema in unserem Land ist, und dann sollte man natürlich auch diejenigen, die sich dort beschäftigen oder mit dem Thema beschäftigen, die dort angestellt sind, auch entsprechend entlohnen.

Auch da haben wir in den letzten Jahren schon einen großen Schritt nach vorne gemacht. Aber natürlich ist es kein Vergleich zu anderen Berufsgruppen. Ich möchte aber nicht nach links oder rechts gucken, wie gesagt, eine Gesellschaft ist selber verantwortlich, was Bildung kosten sollte.

Natürlich muss man das auch ein Stück weit als Lobby betrachten, und da fehlt mir so ein bisschen die Lobbyarbeit für diese Berufsgruppe, vor allem für die Berufsgruppe der Erzieher.

Ich glaube, dass da noch ein bisschen Arbeit vor uns liegt, dass wir wirklich begreifen, dass frühkindliche Bildung in den Kindertageseinrichtungen enorm wichtig ist und vieles, was wir dann später an zusätzlichen Kosten haben, für vielleicht schlecht gelaufene Bildung, eigentlich viel eher abdecken könnten mit einer guten Bildungspolitik in Kitas.

Abgesehen vom Koalitionsvertrag: Vor welchen Problemen stehen Sie derzeit als Erzieher bei der Erziehung von Kindern. Es wird ja behauptet, Kinder könnten immer weniger. Außerdem steht fest, dass die Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern auch durch das Elternhaus geprägt werden. Wo stellen Sie das fest?

Ich glaube das nicht, muss ich ehrlich sagen. Ich glaube einfach, dass die Zeit, die die Eltern mit ihren Kindern verbringen können, deutlich geringer ist als früher. Das heißt, dass der Bedarf einfach in unseren Einrichtungen größer ist, mit den Kindern mehr Zeit zu verbringen und wir praktisch auch aus unserer Rolle rausschlüpfen müssen.

Erzieher sind eigentlich natürlich familienergänzende Einrichtungen, aber teilweise, wenn man ein Kind 45 bis 50 Stunden in der Woche betreut – das ist übrigens auch keine Seltenheit – dann ist es natürlich teilweise nicht mehr ergänzend, sondern auch ersetzend. Aber diesen Bezug haben wir ja gar nicht laut Gesetz. Es heißt immer, wir sind ergänzend, aber es sind viele Sachen, die das Elternhaus aufgrund von beruflichen Verpflichtungen zum Beispiel nicht mehr leisten kann. Und das ist natürlich das größte Problem.

Es wird sich sehr auf die Kita verlassen. Die Kita muss das machen und die Kita muss meinem Kind das beibringen. Das ist aber, wie gesagt, nicht wirklich das, was das Gesetz vorsieht, sondern wir sind ergänzend. Das heißt, das was im Elternhaus schon angeregt wird, das können wir weiterführen.

Wir können Bildungsangebote schaffen. Aber wir sind natürlich immer in Kommunikation mit dem Elternhaus und auch darauf angewiesen. Und ich glaube, dass das in unserer schnelllebigen Gesellschaft, wo es immer mehr um Leistung geht, wo es immer mehr darum geht, auf Arbeit möglichst viel da zu sein und möglichst wenig zu fehlen, die Eltern einem großen Stressrisiko aussetzt.

Viele Eltern überlegen auch ganz oft: Wann lass ich mein Kind mal zu Hause wenns krank ist. Das ist eigentlich das einfachste Beispiel. Wenn ein Kind krank ist, gehört es nach Hause, es gehört ins Bett. Aber teilweise werden Kinder krank gebracht. Nicht aus Boshaftigkeit der Eltern, sondern einfach, weil sie diese Notwendigkeit sehen, weil sie auch schon in unserer Gesellschaft immer mehr gestresst sind, immer mehr Leistung bringen müssen.

Und das zeigt sich in der täglichen Arbeit. Es muss immer mehr Druck aufgebaut werden auf die Kinder, Kinder müssen oft schon laut Elternhaus in der Vorschule bei uns richtig rechnen können. Und auch dieser widersprüchliche Anspruch des Elternhauses und der Erzieher machen es halt dann für uns auch schwierig. Man muss noch mal sagen: Das ist ein Kindergarten, wo wir arbeiten und wir haben keinen Anspruch, dort die Arbeit der Lehrer in der ersten Klasse abzunehmen, weil es auch gar nicht Zielführend für die Kinder ist.

Welche typischen Erziehungsfehler bemerken Sie außerhalb der Kita im Alltagsgeschehen, wenn Sie Eltern und Kinder beobachten?

Ich glaube Erziehungsfehler – das ist ein schweres Wort. Ich glaube, dass das Problem darin liegt, dass Eltern teilweise wenig Konsequenz gegenüber ihren Kindern walten lassen. Das klingt jetzt so nach Strenge, das stimmt auch. Das heißt einfach: Eltern müssen gewisse Regeln aufstellen, woran sich die Kinder halten müssen, das ist ganz wichtig.

Ich glaube, dass das auch in unserer Gesellschaft übrigens ein ganz großes Thema ist. Regeln befolgen und einfach konsequent sein. Viele versuchen, bei einigen Sachen zu verhandeln. Das geht nicht. Es gibt Dinge, die kann ich mit meinem Kind verhandeln, da kann das Kind mitentscheiden. Es gibt aber Dinge, da muss ich einfach erwachsener sein, da muss ich einfach konsequent sein. Da muss ich Regeln aufstellen und da darf ich dann auch nicht abweichen.

Ich muss einfach für Kinder und für Jugendliche eine Instanz sein. Die müssen wissen, ich bin im Endeffekt berechenbar. Die wissen, auch im Kindergarten: der eine Erzieher ist strenger, der andere nicht so. Aber jeder verfolgt im Endeffekt die gleichen Regeln. Und dann ist das auch gut, dann können die Kinder sich orientieren und können sich an den Regeln halten.

Und ich glaube, dass das im Moment ein großes Problem ist, das Eltern verunsichert. In Zeiten von 1.000 Erzieherratgebern und Foren, wo man sich austauschen kann, ist dieses Grundgefühl, was es früher ein Stück weit mehr gab – so eine Intuition – einfach nicht mehr so gegeben. Eltern hinterfragen viel: Mach ich das richtig, mach ich das nicht richtig. Und dann sind sie einfach zu unsicher, und das merken natürlich Kinder und nutzen es aus.

Werden Kinder zu wenig wertgeschätzt?

Die Kinder bekommen schon Wertschätzung zu Hause, also ich möchte keinem vorwerfen, dass er sein Kind nicht wertschätzt. Aber ich glaube, sie geschieht teilweise mit den falschen Sachen. Das heißt mit Geld, das sieht man ganz auch oft bei anderen Sachen: du bist gut gewesen, dann bekommst du Geld, verschiedene andere Belohnungen.

Aber das, was ich mit Wertschätzung meine, ist halt Lob, Kinder ernst nehmen wenn sie was sagen, Probleme sich anhören. Diese Art der Wertschätzung ist, glaube ich, in so einer schnelllebigen Gesellschaft relativ schwierig Kindern entgegenzubringen. Da brauch ich Zeit, da brauch ich Geduld. Und es ist doch ganz klar, wenn ich von meiner Arbeit komme, 40 Stunden arbeite, dann um 5 mein Kind abhole und einfach auch noch 2/3 Sachen zu tun habe – das ist schwer, dass dann meinem Kind adäquat rüberzubringen.

Wenn Sie drei Wünsche für die Verbesserung der Kinderentwicklung in Deutschland frei hätten. Welche wären das?

Also ich glaube, dass Deutschland einige Arbeit im Bildungssystem vor sich hat. Ich glaube, Kinder brauchen sehr viel Zeit, das heißt, wir brauchen Bildungseinrichtungen, die den Kindern Zeit zum zuhören, Zeit für Spiel, Zeit für Lernen bewilligen können.

Das geht natürlich nur wenn dort auch Pädagogen arbeiten, die auch Zeit für die Kinder haben. Und natürlich auch Zeit für die Individualisierung, das heißt, es nützt mir gar nichts, wenn ich 20 Kinder betreue, sondern ich brauch natürlich dort einen kleineren Schlüssel, vor allem in der Praxis. Dann kann ich mich auch Kindern individuell widmen.

Und dann merken Kinder auch, dass sie gebraucht werden, dass sie wichtig sind und ich glaube, dass das ganz wichtig ist für die Entwicklung. Denn jeder, der sich mitgenommen fühlt, schon im Kindesalter, der fühlt, dass er wichtig ist, der bricht nicht aus, der ist kein Systemsprenger, sondern der bleibt bei uns und rutscht nicht in irgendwelche komische Strukturen.

Dafür brauch ich natürlich neben Zeit erst mal Geld. Das ist erst mal das wichtigste, ich brauch Geld für Bildung. Das kann man auch nicht wegdiskutieren, das kann man auch nicht schönreden, das kann man auch nicht verschieben dieses Thema, ich brauche Geld. Mit Geld kann ich viel machen. Mit Geld kann ich eine Erzieherausbildung verbessern, mit Geld kann ich Bildungseinrichtungen verbessern, mit Geld kann ich vieles voranbringen.

Aber was man mit Geld nicht machen kann, das ist der dritten Aspekt.

Das ist ein Umdenken in unserer Gesellschaft, ein Denken hin zur Inklusion. Das heißt, jeder Mensch, jedes Kind ist wichtig, wird gebraucht. Ich kann Kinder nicht separieren in verschiedene Schulen sondern wie ich anfänglich schon sagte, jedes Kind muss wertgeschätzt sein und dann geht auch die Entwicklung nach vorne.

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