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Leipzigs Stadtspitze hält den Kauf von Amtsblatt-Domains gar nicht für zwingend

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    Da hat der Leipziger Ralf Kohl im November ja was angerichtet, als er mal wieder nachfragte, warum er sein gedrucktes „Amtsblatt“ nicht immer bekommt. Das löste eine kleine Welle aus, denn der Stadtrat hatte sich ja damit schon mehrfach beschäftigt und zuletzt 2010 beschlossen, dass man die „Amtsblatt“-Inhalte modernerweise digital und leicht auffindbar auf der Homepage der Stadt bereitstellt.

    Nur fand dort so mancher nicht, was er suchte. Denn wer viel zu bieten hat, hat auch ein Problem: Wie macht man so eine Seite so nutzerfreundlich, dass trotzdem jeder leicht und schnell findet, was er sucht?

    Zum Beispiel das „Amtsblatt“. Man hätte auch eine eigene Domain dafür anlegen können. Aber darauf hat Leipzigs Verwaltung verzichtet. Damals gab es ja noch eine: www.leipziger-amtsblatt.de. Die gehörte der Leipziger Wochenkurier Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, die seinerzeit noch für den Vertrieb des Amtsblatts zuständig war. Bis der Leipziger Wochenkurier mit allem drum und dran dicht gemacht wurde und die Adresse zum neuen Vermarkter des „Leipziger Amtsblatts“ wechselte, der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, der Muttergesellschaft der Leipziger Volkszeitung, die seit Jahren emsig versucht, alle Vertriebskanäle der Stadt in ihre Vermarktung zu bekommen.

    Nur traf man, wenn man den Link benutzte, nicht auf die hinterlegten Inhalte des „Amtsblatts“, sondern auf eine Marketingseite von Madsack. Da war also irgendetwas quer gelaufen. Kurzerhand sicherte im Herbst die Leipziger Eventveranstalterin Maria Sharichin eine zweite Domain – www.leipzigeramtsblatt.de – verlinkte auf die „Amtsblatt“-Inhalte auf leipzig.de, fertig der Lack. So einfach kann’s gehen.

    Aber die Stadträtin der Piraten, Ute Elisabeth Gabelmann, wollte nun zum Jahresbeginn gern wissen, wem denn die Domains nun gehören. Wäre es nicht logisch, die Stadt übernimmt die Domains und sichert damit, dass die Links nicht wieder wegführen vom eigentlich gesuchten Inhalt?

    Aus dem Büro des OBM selbst kommt jetzt die Antwort: Nein. Die Stadt hat sich die Adressen nicht gesichert.

    Der OBM erklärt es so: „Mit dem Beschluss der Ratsversammlung Nr. RBV-359/10 vom 19.05.2010 zum Antrag Nr. V/A 22/10 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema ‚Leipziger Amtsblatt online stellen‘ wurde der Oberbürgermeister beauftragt, das Leipziger Amtsblatt, zusätzlich zur Printausgabe, auf www.leipziger-amtsblatt.de digital zu veröffentlichen. Im damaligen Beschlusstext heißt es dazu: ‚Die digitale Veröffentlichung erfolgt nicht nur auf den Seiten der Leipziger Wochenkurier Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG und auf www.leipziger-amtsblatt.de, sondern zusätzlich auch auf dem Internetportal der Stadt Leipzig, www.leipzig.de.‘ Letzteres ist seit Jahren der Fall.“

    Stimmt. Aber es ging ja in Gabelmanns Nachfrage vor allem um den Besitz der Domains.

    „Eine Übertragung der Domain leipziger-amtsblatt.de, welche derzeit von der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, August-Madsack-Str. 1, 30559 Hannover, gehalten wird, ist im Ratsbeschluss so weder vorgesehen noch gefordert“, heißt es jetzt aus dem OBM-Büro. „Vielmehr wurde mit der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG vereinbart, dass auf der Domain eine Weiterleitung auf die entsprechenden Inhalte unter leipzig.de (http://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/stadtverwaltung/amtsblatt/) eingerichtet wird.“

    Das ist so auch erfolgt. Man müsse sich nicht alle Domains sichern, findet die Stadtverwaltung.

    „Es ist heutzutage – anders als noch vor einigen Jahren – auch nicht mehr erforderlich, sich sämtliche denkbare Domains (.de, .com, net, .tv. eu, .info etc.) zu einem Internetauftritt bzw. einem Vorhaben zu sichern. Dies gilt insbesondere, da sich leipzig.de mit durchschnittlich knapp 1,8 Millionen Seitenzugriffen (Page Impressions) pro Monat zu einer starken Marke und damit zum zentralen Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger in allen Fragen zur Stadtverwaltung entwickelt hat. – Hinzu kommt, dass inzwischen mehr als 70 Prozent der Zugriffe auf leipzig.de und das Leipziger Amtsblatt über Suchmaschinenabfragen erfolgen und das Leipziger Amtsblatt online aufgrund der Suchmaschinenoptimierung des Referats Kommunikation auf Platz eins der Suchergebnisse zu finden ist. Die im damaligen Antrag geforderte leichte Auffindbarkeit ist also vollständig gegeben.“

    Naja: Nach „Spiegel Online“ verbraucht eine Suchanfrage bei Google im Schnitt 0,3 Wattstunden. Das klingt nicht nach viel, aber wenn 70 Prozent der Seitenbesucher von leipzig.de über Suchmaschinenabfragen kommen, kommt doch ein ganz schönes Sümmchen an Energieverbrauch zustande. Da wäre eine einprägsame Adresse etwa fürs Amtsblatt eigentlich keine dumme Idee.

    Die gibt es zwar nun. Aber die Stadt will die Domains trotzdem nicht erwerben.

    „Die Seite ist der Stadt angeboten worden, aufgrund des Beschlusstextes wie auch der Änderungen im Nutzerverhalten bei der Internetrecherche sowie der sehr guten Auffindbarkeit unter leipzig.de wurde darauf verzichtet, die Domain zu kaufen“, heißt es dazu aus der Stadtspitze. „Es ist nicht geplant, diese Domains in die Hoheit der Stadt zu überführen. Dies fordert auch nicht der besagte Ratsbeschluss.“

    So weit haben wahrscheinlich auch die Grünen damals mit ihrem Antrag nicht gedacht.

    Aber Ute Elisabeth Gabelmann ist trotzdem von einer Sorge umgetrieben: „Welche Vorkehrungen unternimmt die Stadt laufend, um zu verhindern, dass sich Privatpersonen und Unternehmen Domains sichern, welche von Bürgern als ‚hoheitlich‘ und damit von der Stadt betrieben wahrgenommen werden könnten?“

    Aber die Sorge teilt der Oberbürgermeister so nicht: „Als hoheitlich wahrgenommen werden aus Sicht der Verwaltung in erster Linie diejenigen Internetseiten, die aufgrund ihrer Gestaltung den Eindruck erwecken könnten, es handele sich um ein von der Stadtverwaltung Leipzig erstelltes Angebot. Besteht eine solche Verwechslungsgefahr, wird zuerst mit dem jeweiligen Domaininhaber über geeignete Maßnahmen verhandelt, wie dieser z. B. durch entsprechende Umgestaltung entgegengewirkt werden kann. Die Verwendung des Stadtwappens – des primären Erkennungszeichens der Stadtverwaltung – ist generell untersagt. Bis dato hat diese Vorgehensweise zu den gewünschten Erfolgen geführt. – Die Frage, welche Domains von Bürgern als ‚hoheitlich‘ und damit von der Stadt betrieben wahrgenommen werden könnten, ist schwer zu beantworten. Es gibt über die genannten hinaus eine Vielzahl von möglichen Domainkombinationen, die durchaus so interpretiert werden könnten, wie z. B. Amtsblatt-leipzig, amtsblattleipzig, Amtsblatt-aus-leipzig, verwaltungleipzig, leipzigerverwaltung etc, jeweils kombiniert mit den Endungen .de, .com, .net, .info usw.“

    Und so stellt das OBM-Büro fest: „Da sich das Surfverhalten in den letzten 15 Jahren aber deutlich verändert und sich leipzig.de zu einer starken, eigenständigen Marke entwickelt hat, stellt die Domain an und für sich nicht mehr das entscheidende Kriterium dar. Deshalb ist es aus Sicht der Stadtverwaltung auch nicht erforderlich, sich sämtliche Domains zu sichern, welche als ‚hoheitlich‘ wahrgenommen werden könnten.“

    Der Grünen-Antrag von 2010.

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      2 KOMMENTARE

      1. Ich finde auch, dass diese Domain nicht reserviert werden muss. Wie groß ist denn bitteschön die Anzahl der Bürger*innen, die genau diese URL aufrufen und das Amtsblatt nicht finden?
        Gut finde ich auch die Antwort: „Besteht eine solche Verwechslungsgefahr, wird zuerst mit dem jeweiligen Domaininhaber über geeignete Maßnahmen verhandelt, wie dieser z. B. durch entsprechende Umgestaltung entgegengewirkt werden kann. […] Bis dato hat diese Vorgehensweise zu den gewünschten Erfolgen geführt.“
        Und damit könnte man das Thema doch abschließen, oder? 😉

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