Die neue Leipziger Zeitung Nr. 58

Ein Mann mit dem Deutschlandhütchen, beharrliche Radfahrer, ein nachdenklicher Richter und ein hungriges Leipzig im Sommer 1918

Für alle LeserNatürlich könnte man es bei dem Mann mit Deutschlandhütchen belassen, der es am 16. August fertigbrachte, dass ein Drehteam der ZDF-Sendung „Frontal 21“ eine Dreiviertelstunde von einer sichtlich überforderten Polizei festgesetzt wurde. Sein Konterfei im unverwechselbaren Stil von Schwarwel ziert das Titelblatt der neuen „Leipziger Zeitung“, die ab jetzt wieder im Handel ist.

Aber der Mann hat sich mit seinem aggressiven Auftreten nicht nur jede Menge Aufmerksamkeit verschafft und wurde inzwischen gar als LKA-Mitarbeiter benannt, der in der Position eines Gutachters für das Ermittlungsdezernat für Wirtschaftskriminalität tätig ist. Er trete für das LKA auch in Gerichtsprozessen auf, so teilt heute die Welt online mit. Er steht für ein Sachsen, in dem viele Dinge sehr seltsam geworden sind. Nicht erst seit 2015.

Das eigenartige Verständnis der CDU-Führungsspitze und der Polizei von dem, was Pressefreiheit eigentlich bedeutet, korrespondiert mit einer Menge eigenwilliger Auslegungen von dem, was eine Regierung darf – und was sie eigentlich tun sollte. Regieren hat nicht ohne Grund auch etwas mit Regulieren zu tun. Wer die Dinge unreguliert laufen lässt, versagt im Amt.

Deswegen hat zwar Sachsen eine lorbeerbekränzte Polizei – aber noch lange viel zu wenige Polizisten. Und bei PISA wird es Klassenbester, obwohl in keinem Bundesland so viele Lehrer fehlen wie in Sachsen.

Deswegen findet man zwei große Beiträge zum Lehrermangel in der Zeitung. Einer davon erzählt, welche verheerenden Folgen das bis in den Schulunterricht im gerade startetenden neuen Schuljahr hinein hat.

Aber nicht nur die CDU-geführte Staatsregierung sitzt lauter Themen aus, die sie eigentlich lösen und planen müsste. Auch Leipzigs Verwaltung kennt ihre Zeiten der Ich-will-nicht-Politik. Stichwort: Jahnallee. Die Lösungen liegen hier anschaulich auf dem Tisch und ließen sich ohne großen Aufwand umsetzen – und trotzdem braucht es wohl erst eine Petition, die die Verwaltung zum Umdenken bringt. Im „Radweg an der Jahnallee“ geht es um eine viertägige Beobachtung, was geschieht, käme die Umsetzung eines solchen dauerhaft.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 58 vom August 2018. KLICK zum Vergrößern.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 58 vom August 2018. KLICK zum Vergrößern.

Anderswo ist zwar Dornröschenschlaf. Aber beim Nachfragen stellt man erstaunt fest: Es wird doch lebendig im alten „Polygraph“-Gemäuer im Leipziger Westen. Doch das Gebäude muss noch ein wenig ausharren – warum, steht in der LZ.

Und auch der Gerichtssaal ist nicht nur ein Ort von kleinen und großen menschlichen Tragödien (auch wenn wir wieder über einige berichten), vorn sitzt auch meist ein Richter oder eine Richterin, die alles tun, um die Motive hinter den Tragödien zu begreifen und den Angeklagten so menschlich wie möglich zu begegnen. Mit Rüdiger Harr wird einer der bekanntesten Leipziger Strafrichter interviewt.

Eine Reisegeschichte entführt die Leser diesmal ins polnische Lodz.

Tobias Bernet denkt über die nicht ganz unwichtige Frage „Wie können Mieten gesenkt werden?“ nach.

Konstanze Caysa beschäftigt sich mit der unheimlichen Wiederauferstehung der Romantik und Jens-Uwe Jopp würdigt den engagierten israelischen Autor Amos Oz.

Jan Käfer und Marko Hofmann zeigen auf vier Seiten, wie vielfältig Leipziger Sport jenseits des ewigen Fußball ist: Eishockey, Schwimmen, Marathon, Handball.

Und um das Schiff in den Stürmen der Zeit zu verankern, gibt es auch die beiden Blitzlichter in die Vergangenheit mit der nächsten Folge zum „Untertan-Projekt“ und mit der Zeitreise in den Leipziger August 1918, als medial schon so langsam die Dolchstoßlegende Gestalt annahm, die Leipziger hungerten und an der Westfront längst nichts mehr ging.

Natürlich wird auch frisch aus dem Stadtrat berichtet, wo sich der Kreis schließt, denn dort übergab Volker Holzendorf mit vielen Mitakteuren zusammen die Petition zur Jahnallee. Noch verlassen sich viele Leipziger darauf, dass man eine schwerfällige Verwaltung eben doch mal zu vernünftigen Entscheidungen bringen kann.

Und dazu noch wenigstens zwei Dutzend kleinere Blitzlichter ins Geschehen der Zeit.

Das ist Lesefutter für den nächsten Monat, jetzt natürlich wieder zu finden, wo man noch gute Zeitungen kaufen kann. Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt an allen bekannten Verkaufsstellen aus. Besonders in den Szeneläden, die an den Verkäufen direkt beteiligt werden. Oder einfach abonnieren und direkt im Briefkasten vorfinden.

Leipziger Zeitung
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