3.5 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Die Plagwitzer Brücke ist schon die vierte an dieser Stelle und Carl Heine ist natürlich an allem schuld

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Am 4. Juni gab es ja das große Pressebegängnis an der Baustelle der neuen Plagwitzer Brücke. Da wurde das erste, 35 Tonnen schwere Brückenteil eingeschwenkt. Seitdem waren die Bauleute fleißig. Mittlerweile sind alle 15 Brückenteile montiert. Die Arbeiten auf der Brücke können beginnen. Da vergisst man beinah, dass es schon die vierte Brücke an dieser Stelle ist. Und um die ersten beiden wurde mit harten Bandagen gekämpft.

    Die erste Brücke, die Leipzig endlich mit dem Dorf Plagwitz verband, wurde 1858 von Carl Heine gebaut, der den Leipziger Westen zum neuen Industriestandort am Rande Leipzigs entwickeln wollte. Was im Leipziger Stadtrat gewaltige Widerstände auslöste. Selbst die Parzellierung und Bebauung der Grundstücke im Bachstraßenviertel war heiß umstritten. Nicht einmal wegen irgendwelcher Bedenken in Sachen Hochwasserschutz. Heine ging den „Stadtvätern“ einfach zu weit, sein Tempo war ihnen zu hoch.

    Die Holzbrücke hätte natürlich nicht geholfen, die Verkehrslasten für das neue Industriegebiet aufzunehmen. Und dass da draußen die Post abging, merkten die Leipziger auf der Lindenauer Chaussee, der heutigen Jahnallee, wo sich die Fuhrwerke drängten. Der Westen brauchte dringend eine neue Anbindung.

    1862 stellte Heine den Antrag, eine steinerne Brücke an Stelle der hölzernen zu bauen. Der Stadtrat lehnte dankend ab, ohne dass wirklich nachvollziehbar war, warum nicht. Selbst die technischen Mitarbeiter rechneten den Stadtoberen vor, wie günstig Heines Angebot war. Sie wollten nicht.

    Carl-Heine-Denkmal an der Käthe-Kollwitz-Straße. Foto: Ralf Julke
    Carl-Heine-Denkmal an der Käthe-Kollwitz-Straße. Foto: Ralf Julke

    Also legte Heine sein Veto gegen die geplanten Regulierungen der Weißen Elster ein. Wie du mir, so ich dir. Wenn ich keine Brücke bauen darf, dürft ihr die Elster nicht regulieren. Der Streit beschäftigte auch die Landesbehörden. Ein Kompromiss ermöglichte Heine ab 1866 zumindest den Bau der Straßen im Bachviertel samt dem Teil der Plagwitzer Straße (heute Käthe-Kollwitz-Straße) bis zur Elster. Dann war Schluss. Das neue Viertel belebte sich in wenigen Jahren. Der Brückenbau war nicht geklärt. Schweren Fuhrwerken war das Befahren der Holzbrücke unter Strafe verboten. Die Lösung gab es erst 1868. Heine bot der Stadt einen Zuschuss von 3.000 Talern an die Brücke wurde gebaut, 1869 war die Steinbogenbrücke fertig.

    Erst in DDR-Zeiten, 1961, wurde sie durch eine Betonbrücke ersetzt, die in den vergangenen Jahren an die Grenze ihrer Lebensdauer kam, sodass die Stadt 2017 schon eine neue Brücke bauen wollte. Aber die Kostenkalkulation hatte sich von den geplanten 4,5 Millionen auf 6,2 Millionen Euro erhöht, sodass der Abriss ins nächste Jahr verschoben wurde. Mit der Fertigstellung rechnen die Bauherren im Herbst 2019.

    Noch mehr Angaben zum Leben und Wirken Carl Heines, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern könnte, findet man in:

    Ulrich Krüger „Carl Heine. Der Mann, der Leipzig zur Industriestadt machte“, Sutton Verlag, Erfurt 2008.

    Am 4. Juni wurden die ersten Träger für die Plagwitzer Brücke montiert

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige