Am 29. März haben Leipziger/-innen die Möglichkeit, mit Natalie Liebknecht, Otto von Bismarck, Julie Bebel und Carl Heine zu telefonieren. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Wilhelm Liebknecht ermöglicht The Cockpit Collective wieder Live-Fern-Gespräche mit drei historischen Persönlichkeiten und Zeitzeugen der Epoche zwischen 1848er-Revolution, der Reichsgründung und dem Sozialistengesetz.

Am 29. März wird tatsächlich der 200. Geburtstag von Wilhelm Liebknecht gefeiert, für den Leipzig eine ganz zentrale Rolle spielte.

Denn hier wurde er vorläufig heimisch, nachdem er 1864 aus Preußen ausgewiesen worden war. Bis dahin war Wilhelm Liebknecht auch ein führendes Mitglied im von Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), einem der Vorläufer der SPD. Aber zur richtigen Gründung der SPD kam es erst in Leipzig, wo Liebknecht mit dem schon hier lebenden August Bebel in Kontakt kam. Auch wenn es erst einmal mit der Sächsischen Volkspartei begann, die dann zur SAPD wurde.

Natalie war Liebknechts zweite Frau, die er 1868 heiratete, nachdem seine erste Frau – Ernestine – 1867 an Tuberkulose gestorben war. Natalie wurde dann die Mutter von Theodor, Karl, Otto und Adolf Curt. In die Leipziger Zeit fällt auch Liebknechts und Bebels Engagement gegen den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 und die Kriegskredite.

Für ihr reichsweites Engagement wurden beide 1872 zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. An den Prozess erinnert eine Erinnerungstafel in der Straße des 17. Juni. An den Wohnsitz der Familie – und das Geburtshaus von Karl Liebknecht – erinnert das Haus Braustraße 15.

Und man kann Natalie natürlich allerlei Fragen stellen – etwa wie sie mit den Kindern zurechtkam, als Wilhelm im Zuchthaus saß. Oder wie sie ihren Mann bewundert hat, denn kennengelernt hatten sich die beiden bei einer Wahlveranstaltung in Darmstadt.

Wenn The Cockpit Collective also am Sonntag, dem 29. März, die gelben Telefonzellen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz aufbaut, kann man Natalie so einiges fragen. Auch was sie über Otto von Bismarck denkt, mit dem man an diesem Tag ebenfalls telefonieren kann. Immerhin war Bismarck für das harte Sozialistengesetz verantwortlich und als preußischer Ministerpräsident der ärgste Gegenspieler für die Sozialdemokraten.

Mit Julie Bebel wird auch die Ehefrau von August Bebel telefonisch erreichbar. Auch sie musste ja den Laden schmeißen, solange ihr Mann in Haft saß. Und mit Carl Heine kann man den Mann befragen, der damals für die Erschließung des Leipziger Ostens den Hut aufhatte.

Was als Befragung der Geschichte beginnt, kann an diesem Sonntag im 1:1-Dialog in drei historischen Fernsprechkabinen am Leuschnerplatz zu einem Gedankenaustausch über Gegenwart und Zukunft werden.

In die Rollen schlüpfen Anna-Lena Zühlke (als Natalie Liebknecht), Thomas Dehler (als Carl Heine), Meigl Hoffmann (als Otto von Bismarck) und Verena Noll (als Julie Bebel).

Der Tag beginnt mit einem offiziellen Moment am Wilhelm-Leuschner-Platz mit Musik und kurzen Grußworten um 11 Uhr. Telefonieren kann man am Sonntag, dem 29. März, von 11.00 bis 16.00 Uhr auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz.

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